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Nach Bund-Länder-Gipfel

Touristiker: Gesamte Branche wird sehenden Auges gegen die Wand gefahren

zuzana caprnkova/Shutterstock.com
Reisen: Wann ist das in Corona-Zeiten wieder möglich?
Reisen: Wann ist das in Corona-Zeiten wieder möglich?

Die Allianz Selbständiger Reiseunternehmen – Bundesverband wirft Bund-Länder-Gipfel wirtschaftspolitisches Versagen vor und fordert, die Not der Reisebranche in einem Tourismus-Gipfel zu thematisieren.

"Es ist nicht nachvollziehbar, dass kurz vor Beginn der ersten Hauptreisewelle zu Ostern jegliches Konzept fehlt, wie Reisen wieder möglich werden sollen", bemängelt asr-Präsident Szech die neuen Beschlüsse. Die Mittelständler fordern einen umgehenden Touristik-Gipfel im Kanzleramt noch vor der für den 22. März geplanten nächsten Bund-Länder-Konferenz.


Der Mittelstandsverband betont, dass die gesamte Touristikbranche alle Maßnahmen mittrage, die notwendig seien, um die Pandemie einzudämmen. Dazu hat die Branche für alle Dienstleistungsketten beim Reisen umfassende Hygienekonzepte erstellt, die sich in anderen EU-Ländern bewährt haben. "Das RKI hat zudem längst nachgewiesen, dass die organisierte Reise keinesfalls die Infektionszahlen in die Höhe treibt", verweist Szech auf jüngst veröffentlichte Untersuchungen der Bundesbehörde.

Sorgen bereitet der Behörde dagegen der im Wesentlichen unkontrolliert stattfindende sonstige Reiseverkehr, bei dem nachweislich ein hohes Risiko besteht, dass das Virus nach Deutschland eingeschleppt wird. Die Touristikbranche kritisiert, dass regionale Entwicklungen völlig unberücksichtigt bleiben, obwohl längst europaweit belastbare Daten vorliegen. "Wer z.B. aus Thüringen kommt und Finca-Urlaub auf Mallorca machen möchte, reist aus einer Sieben-Tages-Inzidenz von 126 (Thüringen) in ein Ziel mit einem Wert von 32. Dennoch gelten die Balearen als Risikogebiet und wer zurückkommt, muss in Deutschland zwingend mindestens fünf Tage in Quarantäne und muss auch dann mindestens zwei Tests durchlaufen. "Das ist aus epidemiologischer Sicht schlichtweg ohne jeden Sinn", so der Präsident des Mittelstandsverbandes. Und breche der Branche das Genick.

Katastrophale Entwicklung in vielen Zielgebieten

Der asr kritisiert auch, dass nach wie vor die Corona-Überbrückungshilfen in vielen Bundesländern nur spät und spärlich fließen. "Zusammengefasst: Keine Einnahmen, keine ausreichenden Hilfen, keinerlei Perspektive – und kein Verständnis für unsere Situation", kritisiert Szech. "Die kaum betroffene Automobilbranche mit nur 800.000 Beschäftigten hat in der Corona-Krise schon zwei 'Auto-Gipfel' – und entsprechende Finanzhilfen – erhalten. Die 3 Mio. Beschäftigten der Touristik warten aber noch immer auf den ersten Touristik-Gipfel."

Der Verband verweist auch auf die katastrophale Entwicklung in vielen Zielgebieten. "Es ist mehr als bedenklich, wenn die Regierung ihre eigene Expertise missachtet", so Szech mit Verweis auf die jüngsten Äußerungen von Entwicklungshilfe-Minister Gerd Müller. Dieser hatte gefordert, die 54 afrikanischen Länder nicht pauschal als Risikogebiete einzustufen, um zumindest in sicheren Gebieten den Arten- und Naturschutz zu stützen und wirtschaftliche Härten für die Bevölkerung abzumildern.

Der asr fordert daher, dass die Bundesregierung sich innerhalb der nächsten 14 Tage ihrer Verantwortung stellt und einen Tourismus-Gipfel unter Einbeziehung aller betroffenen Verbände durchführt, damit diese Ergebnisse in das nächste Bund-Länder-Treffen einfließen.

Szech verweist auf die vorgestellten dezidierten 'Wenn-dann-Lockerungen' für den Einzelhandel: "Sollte am 24. März nicht ein vergleichbar klares Konzept für den Re-Start der Reisebranche vorgelegt werden, dann kann das nur heißen, dass die Bundesregierung eine gesamte Branche sehenden Auges gegen die Wand fahren wird: Tausende von Arbeitsplätzen werden dann durch Insolvenzen verloren gehen. Das ist leider Fakt."

Der Verband betont: "Wir fordern nichts Unmögliches: Eine klare Strategie mit Zeitplan und Maßnahmen, situationsangepasste Reise-Empfehlungen des Auswärtigen Amtes, eine klare Test- und Impfstrategie – und vor allem ein Ende der Stigmatisierung einer ganzen Branche mit drei Millionen Beschäftigten!", so asr-Präsident Szech.

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