Biermarkt: Großbrauereien gehen mit den Preis...
Biermarkt

Großbrauereien gehen mit den Preisen nach oben

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Schäumendes Vergnügen? Gastronomen und ihre Gäste müssen sich auf höhere Preise für den Gerstensaft einstellen
Schäumendes Vergnügen? Gastronomen und ihre Gäste müssen sich auf höhere Preise für den Gerstensaft einstellen

Nach dem Vorstoß von Deutschlands größter Braugruppe Radeberger kündigen weitere große Braugruppen Preiserhöhungen an. Sowohl Pils-Marktführer Krombacher als auch Veltins haben entsprechende Pläne für das kommende Frühjahr angekündigt. Sie dürften nicht die einzigen bleiben.

Pils, Export und Weizen könnten schon bald teurer werden. Mittlerweile haben gleich drei führende deutsche Brauereien – die Radeberger Gruppe, Krombacher und VeltinsPreiserhöhungen für das kommende Frühjahr angekündigt. Über die Pläne der Radeberger Gruppe hatte die ahgz-Schwesterzeitung LZ bereits vor drei Wochen berichtet

Mittlerweile haben auch Krombacher und Veltins ihre Kunden aus Handel und Gastronomie offiziell über eine neue Brutto-Preisliste informiert. In den Schreiben, die der LZ vorliegen, begründete etwa Pils-Marktführer Krombacher den Schritt mit "erheblichen Kostensteigerungen", die "trotz Realisierung relevanter Einsparpotenziale nicht mehr zu kompensieren" seien. Wirksam wird die Preiserhöhung für den Handel zum 3. April 2022. Zu diesem Zeitpunkt wird auch Bier aus dem Hause Veltins teurer. Die Radeberger Gruppe kalkuliert ab Mai 2022 mit den neuen Abgabepreisen an den Handel. 

Deutschlands größte Brauereigruppe Radeberger begründete den Schritt gegenüber der dpa ebenfalls mit Kostensteigerungen. "Neben massiven Umsatz- und Ertragsverlusten in den 18 Monaten der Pandemie fallen nun in allen Unternehmen weitere ganz massive Kostensteigerungen für Energie, Logistik, Leergut sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe an", sagte eine Unternehmenssprecherin. Diese Kostenerhöhungen ließen sich nicht mehr über reine Effizienzsteigerungen ausgleichen. Daher müssten die Abgabepreise erhöht werden.

Ein Veltins-Sprecher verwies darauf, dass allein im Energiebereich die Kosten in den vergangenen drei Jahren um über 150 Prozent gestiegen seien. "Das ist nicht mehr aufzufangen", sagte er. Die geplante Preiserhöhung gelte deshalb für die Gastronomie ebenso wie für den Einzelhandel. Krombacher verwies darauf, dass die letzte große Preisanpassung immerhin drei Jahre zurückliege.

Nach dem Signal des Pils-Marktführers dürften weitere Brauereien den Beispielen folgen. Erfahrungsgemäß trauten sich nach einer Preiserhöhung der großen Brauer auch die regionalen Brauer von Kölsch, Weißbier und Hellem aus der Deckung und zögen auf breiter Front nach. 

In den Augen der Brauer gibt es gute Gründe für Preiserhöhungen. Seit Beginn der Corona-Pandemie sei auf dem Markt ein deutlicher Preisverfall eingetreten. Denn die Händler hätten Aktionsangebote für Bier genutzt, um die Kunden auch in der Pandemie in die Läden zu locken. Der Aktionspreis für den Kasten Premium-Pils befinde sich bereits wieder an der 10-Euro-Schwelle. Damit koste Bier nicht mehr als zu D-Mark-Zeiten, als der Kasten im Sonderangebot für 19,99 Mark angeboten worden sei.

So wenig Bier wie noch nie seit der Wiedervereinigung

Außerdem tranken die Menschen in Deutschland in der Corona-Krise so wenig Bier wie noch nie seit der Wiedervereinigung. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres sei der Absatz im Inland um fast 5 Prozent auf den Tiefstwert von 3,3 Milliarden Liter gefallen, berichtete das Statistische Bundesamt im Sommer. Der Brauwirtschaft fehlte vor allem das Geschäft in der Gastronomie und auf den vielen Großveranstaltungen. Einziger Lichtblick war der Verkauf von Flaschenbier im Einzelhandel, und selbst der ließ zuletzt nach.  Miriam Hebben (mit dpa) 

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