Neustart: Japan bleibt das Thema
Neustart

Japan bleibt das Thema

Hotel Nikko Düsseldorf
Prägende Architektur: Das Hotel Nikko in der Düsseldorfer Immermannstraße
Prägende Architektur: Das Hotel Nikko in der Düsseldorfer Immermannstraße

Zwei Wochen blieb das Haus während der Übernahme geschlossen, kürzlich wurde es neu eröffnet. Die bisherige Direktorin bleibt an Bord.

Es ging alles ganz schnell. Erst im Dezember war klar, dass es mit der Dalata Hotel Group aus Irland einen neuen Betreiber für das Hotel Nikko in Düsseldorf geben würde. „Ich wusste natürlich von einem anstehenden Wechsel“, sagt Direktorin Sandra Epper, „die Entscheidung fiel dann aber recht kurzfristig. Für mich stand dabei immer im Vordergrund, dass alle unsere Mitarbeiter übernommen werden und der Charakter des Hauses als japanisches Traditionshotel erhalten bleibt.“

Führungskräfte: Direktorin Sandra Epper mit Garret Marrinan, Integration Manager der Dalata Hotel Group.

Beides ist gegeben. Zwei Wochen blieb das Haus während der Übernahme geschlossen, Kürzlich wurde es neu eröffnet. Aus der Zentrale in Dublin übersiedelte Garret Marrinan nach Düsseldorf, Integration Manager der Dalata Hotel Group. Mit viel Elan trat er seine neue Position an. Wie kam sein Unternehmen mit Art-Invest, dem Eigentümer der Immobilie, ins Geschäft? „Es gab ursprünglich nicht die Inspiration, nach Düsseldorf zu kommen“, gibt er unumwunden zu. „Eher verhielt es sich umgekehrt. Düsseldorf ist zu uns gekommen.“

Begeistert vom Hotel und von der Stadt

Sein Unternehmen suche laufend nach interessanten Objekten, die verfügbar sind. In diesem Fall sei man über eine Roadshow-Präsentation auf das Hotel Nikko aufmerksam geworden. „Die Leute, die sich bei uns um diese Dinge kümmern, sahen sich um und waren begeistert. Von dem Produkt, seinem speziellen Profil und auch von der Stadt“, berichtet Garret Marrinan.

Bis vor wenigen Wochen sei er, obwohl seit vielen Jahren nahezu ständig auf Reisen, nie in Deutschland gewesen. Jetzt lernt der Manager in flottem Tempo die Sprache und hat sich bereits sein eigenes Bild gemacht: „Die Düsseldorfer sind einzigartig, scheint mir. Sehr locker und offen. Und irgendwie weniger deutsch.“

Technik und Logistik wurden angepasst

Kurz stoppt er und schaut zu Sandra Epper: „Ich hoffe, ich durfte das sagen, ohne mir Ärger einzuhandeln.“ Die Direktorin signalisiert ihr Einverständnis. Die Schließung des Hotels im Januar war nötig, um Technik und Logistik den neuen Gegebenheiten anzupassen. Welche Systeme wurden dabei geändert? „Alle“, rufen beide wie aus einem Mund und lachen. „Das war’s dann aber auch“, fügt Sandra Epper hinzu. „Wir bleiben wie bisher das Nikko, das japanische Traditionshotel in Düsseldorf.“ Garret Marrinan nickt. „Alles spielte sich hinter den Kulissen ab, der Gast bekam davon nichts mit. Wir mussten die Computer, die Reservierung und die operativen Prozesse umstellen. Das war stressig für alle Beteiligten und verbunden mit zahlreichen Anweisungen und Trainings.“

Hochwertig: Eines der erst kürzlich renovierten Zimmer

Allerdings betont er auch, dass jedes angegliederte Hotel trotz einer zentralen Datenbank in Dublin selbständig arbeite. „Wir operieren an den einzelnen Standorten dezentral“, erklärt er. „Die Hotels haben eigene Revenue Manager und Reservierungsabteilungen. Sie managen sich selbst.“

Mit dem Düsseldorfer Neuzugang ist der Expansionsdrang der größten irischen Hotelkette noch lange nicht gestillt, offenbart Garret Marrinan. Diesem nun vollzogenen ersten Schritt auf den Kontinent sollen zügig weitere folgen. Die Dalata Hotel Group plc. wurde 2007 gegründet und 2014 an die Börse gebracht. Momentan besitzt oder betreibt die Gruppe 40 Hotels, davon allein 17 in Dublin, der Keimzelle des erfolgreichen Unternehmens. Weitere Häuser sind mit Cork, Limerick und Belfast übers ganze Land verteilt.

Neue Einrichtung für 80 unrenovierte Zimmer

Vor zwei Jahren begann man damit, sich nach Schottland und England auszudehnen. Speziell in London seien in nächster Zeit drei bis vier Neueröffnungen geplant, sagt der Manager. „Dort werden wir langsam wachsen. Die große Herausforderung kommt danach. In Deutschland.“ Beiläufig erwähnt Garret Marinnan Berlin, Hamburg und München. Noch gibt es keine Verträge. „Aber ich bin hier, um sie zu fixieren“, verrät er vergnügt. Amsterdam sei auch keine schlechte Lage, fügt er hinzu. Er freue sich auf eine spannende Zeit.

Zunächst aber will das Nikko aufpoliert werden. 2017/18 wurde das 1974 erbaute Hotel im japanischen Viertel an der Immermannstraße umfangreich renoviert. Für Sandra Epper, damals neu auf ihrem Direktorenposten, war dies eine aufregende Herausforderung. 80 der 393 Zimmer wurden damals ausgespart. Dieser Flügel sei nun an der Reihe, in den kommenden zwölf Monaten mit neuem Mobiliar ausgestattet zu werden. Garret Marrinans Blick schweift prüfend über die Lobby. „Hier muss nichts geändert werden, hier ist alles perfekt.“ Das Nikko ist nicht vom Dehoga klassifiziert. Sandra Epper ordnet es auf 4-Sterne-superior-Niveau ein und will es weiterhin dabei belassen.

Viele japanische Mitarbeiter im Team

Noch einmal kommt sie auf die japanische Prägung des Hauses zurück. „Sie zeigt sich vor allem auch in der Gastronomie“, sagt sie. „Unser authentisches Teppanyaki-Restaurant und die Sushi Bar in der Lobby sind fest in japanischer Hand. Wir haben Kollegen und Kolleginnen aus Japan an der Rezeption und in unserem Betriebsbüro, die sich um Gäste und Firmen aus ihrer Heimat kümmern. Natürlich auch um Kunden in Düsseldorf, die das Hotel für Veranstaltungen nützen.“

Die Lobby: Gemütliche Sessel, warme Farben

Vor Corona übernachteten 30 bis 40 Prozent Japaner im Nikko. Heute, wo Fernreisen nach Europa nur sehr eingeschränkt möglich sind, auch wegen strengster Auflagen bei der Rückkehr, kommen nahezu alle japanischen Gäste von Standorten in Europa. Sandra Epper und Garret Marrinan schauen optimistisch in die Zukunft und auf das Ende der Pandemie. „Die Buchungsanfragen steigen, die Mails im Posteingang häufen sich“, berichtet die Direktorin.

Die Lockdowns hat das Hotel noch ganz ordentlich überstanden. „Natürlich half uns dabei auch die Kurzarbeitsregelung. Am wichtigsten war, dass wir alle Mitarbeiter halten und ihnen, als der Wechsel bevorstand, die Sicherheit geben konnten, dass sie übernommen werden. Jetzt hoffe ich sehr, dass wir im Frühjahr richtig durchstarten können.“

Enge Verbindung zur Nippon-Community

Dann wird im Nikko auch wieder deutsch-japanisch gefeiert werden, die Verbindung zur Community in Düsseldorf ist eng. Ein erster Anfang ist bereits gemacht. Im Februar wurde der Geburtstag des japanischen Kaisers zelebriert, mit einigen Gästen vor Ort und im Streaming. Garret Marrinan würde gern einmal in das ihm noch unbekannte Japan reisen. Für diesen Sommer sind die Pläne aber schon gemacht. „Meine Frau wird bis dahin auch nach Düsseldorf ziehen“, sagt er. „Sie spricht besser Deutsch als ich, weil sie während ihrer Hotelausbildung sechs Monate auf Norderney war. Jetzt will sie unbedingt wieder auf die Insel fahren.“ 

Hotel Nikko Düsseldorf

Übernahme: Der Mietvertrag zwischen der Art-Invest Real Estate und der Dalata Hotel Group plc. besteht seit dem 1. Februar 2022. Alle Mitarbeiter wurden übernommen, der Name Nikko bleibt erhalten. Düsseldorf ist der erste Schritt von Dalata auf den Kontinent.

Tradition: Das Nikko Hotel im japanischen Viertel in Düsseldorf wurde 1974 eröffnet. Es verfügt über 393 Zimmer und einen Spa Bereich in der 11. Etage.

Renovierung: 2017/18 wurden die Lobby und die Mehrzahl der Zimmer für rund 7,5 Millionen Euro renoviert. Die letzten 80 Zimmer sollen in den kommenden 12 Monaten ebenfalls neu ausgestattet werden.

Gastronomie: Entsprechendder fernöstlichen Prägung sind das authentische Teppanyaki Restaurant und die Sushi Bar in der Lobby fest in japanischer Hand.

Dalata Hotel Group: Diegrößte irische Hotelgruppe wurde 2007 gegründet. Sie besitzt oder betreibt insgesamt 40 Hotels. In naher Zukunft sollen weitere Häuser in London und in Deutschland dazukommen. 


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