Niedersachsen : Hotels öffnen nur zurückhalte...
Niedersachsen

Hotels öffnen nur zurückhaltend

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Die historische Absmühle im Herzen von Lüneburg beherbergt heute ein Hotel.
Die historische Absmühle im Herzen von Lüneburg beherbergt heute ein Hotel.

Blick in die Region Lüneburg-Wolfsburg. Obwohl Hotels wieder für Touristen öffnen dürfen, geben sich die Betreiber abwartend. Das hat seine Gründe.

Derzeit will nur die Hälfte der Beherbergungsbetriebe im Bezirk Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg Gäste aufnehmen. Mangelnde Wirtschaftlichkeit, organisatorische Herausforderungen und Personalmangel sind die größten Hürden

Laut einer Mittteilung der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) reagieren die Beherbergungsbetriebe in ihrem Zuständigkeitsbereich zurückhaltend auf die Erlaubnis zur eingeschränkten Wiedereröffnung. Demnach will nur die Hälfte die seit Montag bestehende Möglichkeit nutzen, sofort wieder für Touristen zu öffnen. Hauptgrund an der Schließung festzuhalten, ist für 49 Prozent, dass eine Öffnung nicht wirtschaftlich wäre. Das hat  eine Blitzumfrage der IHK Niedersachsen (IHKN) unter 700 Beherbergungsbetrieben ergeben, 226 davon aus dem Bezirk der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW).


"Die Unternehmen stehen unter Druck und müssen Einbußen aufgrund der Lockdowns aufholen – doch laut Verordnung dürfen sie ihre Kapazitäten nur zu 60 Prozent nutzen. Damit ist ein Neustart mit Rückenwind kaum zu leisten, zumal viele aufgrund der kurzfristigen Entscheidung zur Wiedereröffnung auch vor der Herausforderung stehen, von jetzt auf gleich die neue Verordnung organisatorisch umzusetzen und ausreichend Personal bereitzustellen", sagt Michael Wilkens, stellvertretender IHKLW-Hauptgeschäftsführer.

Die kurze Vorlaufzeit sehen 25 Prozent der Betriebe als Problem. "Die Öffnungsperspektive wurde erst am 4. Mai von der Landesregierung angekündigt, drei Tage vor Öffnung war die Verordnung noch nicht veröffentlicht. Das ist für viele Betriebe viel zu kurzfristig", ergänzt IHKLW-Tourismusexpertin Dorit Siebenbrodt. "Im Schnitt braucht ein Hotel beispielsweise zwei bis drei Wochen, um wieder hochzufahren. Auch verschärft sich derzeit die Arbeitsmarktsituation. Viele Saisonkräfte stehen aufgrund des späten Starts nicht mehr zur Verfügung." So führt fehlendes Personal bei 9 Prozent der Betriebe dazu, dass noch nicht geöffnet werden kann. Weitere 16 Prozent der Betriebe können aufgrund hoher Inzidenzwerte und der entsprechenden Grenzen im Infektionsschutzgesetz noch nicht öffnen.

Kritisch sieht die IHKLW die sogenannte Landeskinderregelung, die Gäste aus anderen Bundesländern derzeit noch ausschließt. "Für viele Hoteliers sind die Touristen aus anderen Bundesländern überlebenswichtig. Es ist nicht zu vermitteln, warum diese Gäste auch mit einem negativen Corona-Test nicht anreisen dürfen. Unsere IHKLW begrüßt daher die Ankündigung der Landesregierung, touristische Übernachtungen in der nächsten Lockerungsstufe auch für Gäste aus anderen Bundesländern zu ermöglichen", so Wilkens.

Auch dass die Landesregierung die tägliche Testpflicht nicht in die neue Verordnung mit aufgenommen hat, sei eine richtige Entscheidung. Denn, auch das hat die Umfrage gezeigt, für einen Großteil der Betriebe ist der damit verbundene Aufwand ohnehin kaum zu stemmen.

Zudem ist  Verunsicherung nach wie vor groß: 40 Prozent der Betriebe gaben an, noch nicht zu wissen, wann sie öffnen werden. Ein Teil der derzeit noch geschlossenen Betriebe hat aber schon ein Öffnungsdatum vor Augen. Demnach wollen 12 Prozent noch vor Pfingsten öffnen, ein gutes Drittel (37 Prozent) Anfang Juni.

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