Coronakrise: Noch gilt: Touristen bitte drauß...
Coronakrise

Noch gilt: Touristen bitte draußen bleiben

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Derzeit nicht absehbar: Aufbruch in die ersehnten Ferien
Derzeit nicht absehbar: Aufbruch in die ersehnten Ferien

Um die Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen, haben Länder ihre Grenzen geschlossen und Verkehrsverbindungen eingeschränkt. Wie ist die Lage beim Urlaub, was planen die Nachbarländer?

STUTTGART. Einreiserestriktionen und Ausgangsbeschränkungen überall machen eine Reiseplanung gerade unmöglich. Was bewegt vrehinderte und hoffnungsvolle Urlauber gerade? Das Bewertungsportal Holidaycheck hat eine repräsentative Umfrage unter rund 1300 Urlaubern mit und ohne bestehende Buchungen durchgeführt.

Aufgrund täglich neuer Entwicklungen und durch die Politik getroffenen Maßnahmen ist derzeit eine große Verunsicherung in der Gesellschaft spürbar. Nur 24 Prozent der Urlauber geben an, sich keine Sorgen wegen Covid-19 zu machen. Menschen über 50 Jahre machen sich dabei tendenziell öfters Gedanken als ihre jüngeren Mitmenschen. Die meisten Sorgen gelten dabei der Ansteckungsgefahr für Familie und Freunde (61%) und für sich selbst (41%) sowie den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie (55%). Aber auch Einschränkungen bei den Reisemöglichkeiten beunruhigen fast ein Drittel der Befragten (28%). Dies mache deutlich, wie wichtig Urlaub für die Menschen ist.

Um die Auswirkungen des Virus im Hinblick auf ihre Reise abschätzen zu können, ist Urlaubern eine transparente Informationslage besonders wichtig. Die gute Nachricht: Nur wenige von ihnen (14%) fühlen sich nicht ausreichend aufgeklärt. Die meisten Urlauber informieren sich über Nachrichten (88%), Websites von Reiseanbietern (50%) oder durch deren Newsletter (40%). „Gerade in der derzeitigen Lage ist es uns ein großes Anliegen, unsere Kunden proaktiv und umfassend über den aktuellen Stand zu informieren“, betont Pascal Dué, Direktor Kundenservice bei Holidaycheck. „Wir haben zum Beispiel eine Übersichtsseite zu den Einreisebestimmungen unterschiedlicher Länder sowie Stornierungs- und Rückzahlungsbedingungen der jeweiligen Veranstalter erstellt, die wir laufend aktualisieren.“

Das Urlaubsjahr 2020 ist noch nicht abgeschrieben

Trotz aktueller Unsicherheiten geben 40 Prozent der Urlauber die Hoffnung auf ihren bereits gebuchten Urlaub nicht auf und halten weiter an ihm fest. Für die meisten Menschen ist Reisen ein wichtiger und fester Bestandteil ihres Lebens, auf den sie nur ungern verzichten möchten. Auch den für dieses Jahr geplanten Urlaub schreibt ein Großteil der Menschen noch nicht ab: Nur knapp ein Viertel der Umfrageteilnehmer denkt, dass sie im Jahr 2020 nicht verreisen werden.

Um nach der Krise wieder vertrauensvoll buchen zu können, müssen einige Voraussetzungen gegeben sein. Besonders interessant zu sehen ist, dass der Preis hierbei nur für 15 Prozent der Befragten relevant ist. Auch die Nähe des Urlaubslandes, also ob Lang- oder Kurzstrecke, ist nur für 7 Prozent der Urlauber entscheidend. Am wichtigsten ist die Transparenz hinsichtlich der Buchungen. Für fast 60 Prozent der Befragten sind flexible Stornierungsbedingungen ausschlaggebend. Auch leicht verständliche Informationen für den Ablauf der Stornierung sind für fast die Hälfte der befragten Urlauber essenziell (49%). Besonders im Hinblick auf die aktuelle Lage geben über 50 Prozent an, dass offizielle Gesundheitsinformationen des Reiselandes ihre Buchung beeinflussen.

Destination Deutschland wird zunächst bevorzugt

Auch wenn sich die Menschen angesichts ihres Urlaubs noch zuversichtlich geben, werden sich dennoch nicht alle sofort nach Öffnung der Grenzen wieder auf den Weg in den Urlaub machen. 46 Prozent werden dann noch etwas warten, bis sie ihre nächste Reise ins Ausland buchen. Untermauert wird diese Tendenz dadurch, dass 30 Prozent der Befragten angeben, ihren nächsten Urlaub in Deutschland verbringen zu wollen.

Bleibt die Frage, wann das wieder möglich sein wird. Die politischen Entscheidungsträger wollen selbst eine Diskussion darüber derzeit möglichst vermeiden. Aber natürlich beschäftigen sich die Tourismusorganisationen und Zielgebiete intensiv mit dem Thema. So entwerfen die deutschen Küstenländer bereits Pläne, wie der Neustart gelingen soll, wenn auch vorerst ohne Startdatum. Zuletzt wurde laut über eine mögliche Verkürzung der Sommerferien nachgedacht. Für die Hoteliers wäre das allerdings eine weitere Hiobsbotschaft. Immerhin ist davon auszugehen, dass die in der Holidaycheck-Umfrage deutliche Tendenz, am Anfang einer Lockerung der Reisebeschränkungen Ziele im eigenen Land anzusteuern, realistisch ist.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass Urlaub in anderen Ländern im Sommer so leicht möglich ist, schätze ich aus gegenwärtiger Sicht eher als unwahrscheinlich ein", wird Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Focus zitiert. Kurz darauf zog der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), nach. "Der Sommerurlaub dieses Jahr wird wahrscheinlich eher in Deutschland stattfinden", sagte er der Funke Mediengruppe. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) geht noch nicht so weit. "Solange es Ausgangssperren gibt in vielen Ländern, wird dort auch kein Urlaub zu machen sein", sagt er zwar, fügt aber hinzu: "Wir werden das von Woche zu Woche entscheiden."

Noch gibt es keinen Starttermin für die deutsche Hotellerie

Maas ist derjenige, der den Hebel in der Hand hat, um das Startsignal für den Sommerurlaub im Ausland zu geben. Das Auswärtige Amt hatte Mitte März eine weltweit geltende Reisewarnung für Touristen ausgegeben – das gab es bisher noch nie. Das Auswärtige Amt warnt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in das Ausland, da mit starken und weiter zunehmenden drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, und der weltweiten Einreisebeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern zu rechnen ist.

Für eine Aufhebung müsste eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllt sein. Zunächst einmal müssten touristische Reisen innerhalb Deutschlands wieder ermöglicht werden. Bis zum 3. Mai gilt: Im Inland sollen selbst überregionale Tagesausflüge unterlassen werden, die Hotels sind geschlossen. Am 30. April soll neu entschieden werden. Außerdem müssten die Grenzen wieder für den Reiseverkehr geöffnet, Flugverbindungen wieder aufgenommen werden.

Außenminister Maas hat sich für eine europäische Abstimmung ausgesprochen. Bei der Schließung der Grenzen handelten die EU-Mitgliedstaaten allerdings bereits auf eigene Faust. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen machte jedenfalls jüngst wenig Hoffnung auf eine Rückkehr zum kontrollfreien Reiseverkehr in Europa. Das Auswärtige Amt hat gerade erst mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften mehr als 240.000 wegen der Coronakrise gestrandete Touristen nach Deutschland zurückgeholt.

Österreich will deutsche Touristen, Tschechien empfiehlt Bürgern Urlaub im eigenen Land

Die österreichische Tourismusministerin Elisabeth Köstinger würde laut mehrere Presseberichten gern deutschen Touristen erlauben, im Land Urlaub zu machen. Man könne etwa über ein bilaterales Abkommen zwischen beiden Ländern nachdenken. Als Bedingung nannte sie aber auch eine weiter positive Entwicklung bei der Corona-Bekämpfung.

Der tschechische Präsident Milos Zeman hat seinen Bürgern wegen der Coronavirus-Pandemie empfohlen, ihren Urlaub im eigenen Land zu verbringen. Für Auslandsreisen sollten die Staatsgrenzen Tschechiens hingegen ein volles Jahr geschlossen bleiben, „damit keine neue Infektionswelle dadurch hervorgerufen wird, dass Reisende in Länder fahren, in denen die Epidemie noch nicht zu Ende ist", sagte das Staatsoberhaupt laut Spiegel Online in einem Radiointerview. Tschechien hatte Mitte März zur Eindämmung des Coronavirus ein weitgehendes Ein- und Ausreiseverbot verhängt. Ausnahmen vom Ausreiseverbot gelten derzeit für Pendler, Lkw-Fahrer und in unabdingbaren Fällen, zum Beispiel für medizinische Behandlungen.

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