Personalmanagement: „Ohne Freiheit ist Führun...
Personalmanagement

„Ohne Freiheit ist Führung nur ein F-Wort“

Unternehmen

Warum gibt es in Unternehmen so viele Missverständnisse, so viele Konflikte und so viel böses Blut zwischen Führungskräften und Mitarbeitern? Warum verschwenden wir unsere Zeit auf unsinnige

Warum gibt es in Unternehmen so viele Missverständnisse, so viele Konflikte und so viel böses Blut zwischen Führungskräften und Mitarbeitern? Warum verschwenden wir unsere Zeit auf unsinnige Konflikte, Missverständnisse und Respektlosigkeiten? Weil wir die Barrieren schon im Kopf haben. Und da haben wir sie, weil sie uns mit dem Monkey Business beigebracht wurden.

Eine der verheerendsten Sprachbarrieren ist die Political Correctness (PC). Sie wurden beim letzten jährlichen Mitarbeitergespräch mit hölzern empathischen Phrasen für Ihre hohe Arbeitsbelastung mundtot gefaselt, und zwei Monate später wird plötzlich ohne Vorwarnung und ohne Abstimmung Ihr Aufgabenvolumen verdoppelt? Das ist PC. Ihr Chef erkundigt sich regelmäßig nach dem Wohlergehen Ihrer kleinen Tochter, die eigentlich Tom heißt – doch als Sie sich nach einer Beförderung erkundigen, fragt er Sie, ob Sie noch ein Kind planen? Das ist PC. Sie haben beim letzten Projekt einen grottenschlechten Job gemacht und wünschen sich konstruktive Unterstützung, um sich besser zu qualifizieren, doch Ihr Chef beschwichtigt Sie mit den Worten: „Machen Sie sich keine Sorgen, Sie leisten hier auch so einen wichtigen Beitrag“? Das ist PC. Nur dass die Mitarbeiter das oft gar nicht merken, weil sie es nicht anders kennen. Und wenn dann das Team oder die Abteilung oder das Unternehmen auf der Stelle tritt und es trotzdem völlig überraschend kommt, wenn plötzlich Köpfe rollen, dann ist das die Folge von PC, aber ganz bestimmt keine Lösung für irgendetwas.

Kommunikationsbarrieren können Unternehmen ruinieren, und PC ist eine besonders perfide Variante. PC ist ein schleichender Tod der Tugend, auf die es in der Führung am meisten ankommt: Vertrauen. PC-Unternehmen sind unfrei. Denn in PC-Unternehmen sagen die Führungskräfte etwas ganz anderes, als sie denken. Sie machen das, weil sie unfrei sind. Weil sie sich an der Oberfläche nach irgendwelchen Kommunikationstrends für Manager richten anstatt danach, welche Art von Führungspersönlichkeit sie sein wollen und was ihre Mitarbeiter brauchen. Sie wollen „gute Chefs“ sein, doch sie hinterfragen ihr Denken nicht in der Tiefe. Wenn Sie mich fragen: Das ist nicht politisch korrekt, das ist einfach nur unaufrichtig. Dann noch lieber ein brüllender Pavian-COMO mit rotem … Gesicht. Da weiß man als Mitarbeiter wenigstens, woran man ist.

Scherz beiseite: Diese Zeitgenossen sind natürlich eine Zumutung. Ihr Gegenteil, der unverbindliche Säusler, aber genauso. Einer dieser Kommunikationstrends für Manager, und aus ihm ist PC geboren, ist, immer „nett“ sein zu müssen. Oft in gutem Glauben. Auch ich habe diesen Fehler lange Zeit gemacht, bis mir klar wurde, dass nett manchmal eben gerade nicht nett ist. Es ist unmöglich, als Chef immer nett zu sein. Aber durch nette Kommunikation kann man wunderbar so tun, auch wenn innerlich ein ganz anderes Programm läuft. „Herr Nieslhuber, ich danke Ihnen für diesen aufmerksamen Einwand“ ist manchmal einfach nur PC für „Noch eine destruktive Bemerkung von dir, du Bremsklotz auf zwei Beinen, und ich rufe deine Frau an und sage ihr, was du mit Frau Völkers aus der Buchhaltung machst“.

Viele Chefs versuchen ein „guter Chef“ zu sein, indem sie „Nettigkeit“ faken, also: nett klingen. Auch wenn sie ganz andere Motive haben. Aber ist es denn falsch, nett wirken zu wollen? Ist es falsch, dass man als Chef auch gemocht werden will? Brauchen wir nicht alle ein bisschen Liebe an dem Ort, an dem viele von uns den größten Teil ihrer Zeit verbringen? Das ist die Frage. Und die Anschlussfrage lautet: Ist es Liebe, wenn wir faken?



So verständlich es ist, dass wir uns Gedanken darüber machen, wie wir auf andere wirken: Als Führungskräfte treffen wir Entscheidungen und müssen sie kommunizieren. Auch unliebsame. Auch solche, die nicht jedem gefallen. Wenn wir die zurückstellen, verzögern oder verschleiern, um nett zu wirken, dann ist das eben nicht nett. Deshalb ist es auch unserer Wirkung als Typen, als Menschen unter anderen Menschen, nicht zuträglich, wenn wir uns verstellen. Business ist an den meisten Tagen keine Kreuzfahrt mit Unterhaltungsprogramm, sondern ein Ritt auf rauer See. Mitarbeiter brauchen auf rauer See keinen netten Alleinunterhalter, sondern einen Kapitän. Nett, das sagt der Volksmund aus gutem Grund, ist die kleine Schwester von …? Richtig! Trotzdem sollen wir, so das Handbuch des Monkey Business, schön um den heißen Brei herumreden. Weil man nie wissen kann, wen man später vielleicht einmal brauchen könnte. Weil man nie wissen kann, wer sich weiter oben über den Chef beschwert. Weil wir lieber auf Effizienz verzichten als auf ein sauberes Image. Weil das Bild, das wir vor anderen abzugeben glauben, uns wichtiger ist als die gemeinsame Mission. Und vor allem: weil wir glauben, dass Mitarbeiter mit Offenheit und Ehrlichkeit nicht umgehen könnten.

Wenn Führungskräfte in ihrem Denken unfrei sind, dann halten sie alle anderen auch für beschränkt. Und genauso reden sie dann auch mit ihren Leuten: wie Kindergärtner, die sicherheitshalber davon ausgehen, dass ihre Schützlinge noch an den Weihnachtsmann glauben. Während die „Kinder“ genervt mit den Augen rollen und sich fragen, wann der „nette Onkel“ mal in der Realität ankommt. Aber seit wann ist das Leitbild von Führung denn, dass sich dabei nie jemand auf den Schlips getreten fühlen darf? Als ob wir das verhindern könnten! Kommunikation ist immer ein schmaler Grat. Die Übergänge etwa zwischen Kritik und Verurteilung, aber auch zwischen Anerkennung und PC-Heuchelei sind fließend. Es ist nur natürlich, dass Führungskräfte auch einmal über die Grenze kippen, sich im Ton vergreifen oder nicht klar genug sprechen. Führungskräfte sind Menschen. Warum sollten Mitarbeiter damit nicht umgehen können? Das Zünglein an der Waage ist die Autorität. Wenn Führungskräfte sich die Frage stellen, ob sie geliebt oder gefürchtet werden wollen, folgen viele der inneren Unsicherheit und glauben sich mit der machiavellistischen Haltung auf der sicheren Seite. Selbst dann, wenn sie eigentlich gar nicht der Typ dafür sind. Sie tun das im Glauben, sich Autorität verschaffen zu müssen. Im Umkehrschluss heißt das: Führungskräfte, die sich Autorität überstülpen, um gefürchtet zu werden, sind in Wahrheit keineswegs starke Chefs. Sondern unsichere, schwache! Die Tücke ist nämlich: Autorität kann man sich nicht verschaffen. Auf falsche Autorität fallen Mitarbeiter nicht herein. Werden sie damit terrorisiert, verteidigen sie sich – früher oder später, auf die eine oder andere Art. Durch Verweigerung oder Gegenangriff. Und dann zieht das Team nicht mehr an einem Strang. Dann dreht sich der Arbeitsalltag um Konflikte, und dann werden Worte tatsächlich auf die Goldwaage gelegt (...)

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