Digital Natives: Philipp Riederle: „Buchungen...
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Philipp Riederle: „Buchungen fressen noch zu viel Zeit“

Unternehmen/Alescha_Birkenholz
Gefragter Experte: Philipp Riederle.
Gefragter Experte: Philipp Riederle.

Philipp Riederle (22) berät als Digital Native branchenübergreifend Unternehmen in Sachen Digitalisierung. Mit der AHGZ spricht er über seine Erwartungen an die Hotellerie.

Sie sind ein Digital Native, der branchenübergreifend Unternehmer berät. Welche Bedürfnisse haben Sie und Ihre Generation?

Riederle: Wir Digital Natives treffen Konsumentscheidungen, bei denen wir uns unendlich vielen Informationen ausgesetzt sehen. Die digitalen Medien buhlen um unsere Aufmerksamkeit und wir wägen ab. Besonders gut wägen wir ab, wieviel Zeit wir für etwas einsetzen. Wenn etwas nicht bequem funktioniert, sind wir weg.

Will heißen, komplizierte Buchungsvorgänge sind ein Ko-Kriterium...

Riederle: Klar und ich gehe noch weiter und sage: Ich hasse es wirklich, Buchungsentscheidungen zu treffen und überlasse es lieber anderen. Das liegt vor allem daran, dass keine ordentlichen Meta-Suchmaschinen existieren, alle Informationen total austauschbar sind und die konkrete Selektion nicht funktioniert.

Ein Beispiel?

Riederle: Noch kann ich mir kein Hotel suchen nach den Kriterien Fahrradverleih, plus Schreibtisch und dazu große Fenster. Oder: Badeurlaub ab Friedrichshafen mit Unterkunft direkt am Meer in einem Hotel, das alle 20-Jährigen super finden. Hierfür wäre eine viel detailliertere Verschlagwortung nötig. Um alle Informationen für meine Buchungsentscheidung zusammenzubekommen, frisst das enorm Zeit. So lässt sich ja schon der interessante Rückwärtstrend beobachten, dass meine Generation die Reisebüros wieder aufsucht.

Gibt es bestimmte Schlüsselkeywords der Digital Natives?

Riederle: Bedürfnisse einer Generationen können schwer über einen Kamm geschert werden. Trendthemen sind Interesse an lokaler Kultur, authentisches Reisen und Kontakte zu anderen Reisenden. Was den Buchungsvorgang anbelangt wäre das perfekte Auftreten für meine Generation, dass man vor dem Buchungsprozess schon den Aufenthalt detailliert planen kann. Alle Leistungen sollten übersichtlich dargestellt sein, am besten direkt buchbar sein.

Was sollte die Hotellerie beim Buchungsvorgang also schnellstens anpacken?

Riederle: Wie gesagt, ich würde meine Aufenthalte gern detaillierter vorkonfigurieren können. Stichwörter sind Preispolitik (bester Preis über eigene Seite, Schnelligkeit und Einfachheit des Buchungsprozesses. Im Freizeitbereich würde ich es schätzen, wenn man mir einen Tagesplan vorschlagen würde und die Buchungsmaschine muss selbstverständlich fix sein. 

Was erwarten Sie vor Ort?

Riederle: Ich will grundsätzlich schnelle, stichhaltige Informationen. Vor Ort erwartet meine Generation deshalb nicht unbedingt einen Tablet-Computer, wo wir alles selbst zusammensuchen müssen, sondern viel lieber eine kompetente Ansprache, auf Augenhöhe.

Gar nicht unbedingt digital muss der Austausch also sein...

Riederle: Wenn wir in ein Hotel gehen, erwarten wir einen kompetenten, möglichst persönlichen Austausch mit den Hotelmitarbeitern. Insiderwissen und persönlicher Service machen doch den Unterschied zu Airbnb aus. Ich mag auch Angebote für Zusatzleistungen, aber zielführend und nicht als unkonkrete Masse auf einem Tablet. Wir Digital Natives fahren sozusagen auf maßgeschneiderte Komplettpakete ab, für die aber eine digitale Voraborganisation möglich sein müsste.

Was brauchen Sie unbedingt in einem Hotel?

Riederle: W-Lan ist so notwendig wie fließendes Wasser. Mir persönlich sind große Fenster wichtig, die sich auch öffnen lassen, gutes Arbeitslicht sowie authentischer, ehrlicher Service. Nennen wir es das Gefühl, verbündet zu sein.

Ein Beispiel?

Riederle: Einmal war es extrem schummrig im Hotel und ich bat, dies schnell für mich zu lösen. Nach fünf Minuten stand ein Hotelmitarbeiter mit drei Baustrahlern in der Tür. Er hat sich für mich auf die Suche gemacht nach einer schnellen Lösung und hat mich als Gast in den Mittelpunkt gestellt. Da ist ein Mitarbeiter vom Standard für mich abgewichen, das hat mir gefallen und mir geholfen.

Das ausführliche Interview lesen Sie am kommenden Samstag in der AHGZ

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