Die 101 besten Hotels Deutschlands: Der Branc...
Die 101 besten Hotels Deutschlands

Der Branche eine Stimme geben

Hotel
Verkauft: Das Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg
Verkauft: Das Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg

Bei der Gesprächsrunde im Fairmont Hamburg suchen Hoteliers den Schulterschluss mit Gastronomie und Touristik, um künftig besser zur Politik durchzudringen.

Auch wenn das Event zur Präsentation des ersten Rankings der 101 besten Hotels Deutschland coronabedingt einige Nummern kleiner ausfallen musste als geplant und das Publikum weitgehend virtuell teilnehmen musste – die hochkarätig besetzte Diskussionsrunde traf sich vor Ort im Hotel Fairmont in Hamburg, um sich bei luftiger Bestuhlung mit Mikrofon engagiert auszutauschen und an die politischen Entscheidungsträger zu appellieren.

Die Pandemie und die von oberster Stelle getroffenen Abwehrmaßnahmen belasten das Gastgewerbe stärker als die meisten anderen Branchen. Das schlägt sich nicht nur in nackten Zahlen bei Umsatz, Auslastung oder Kurzarbeit nieder, sondern trifft Hoteliers, Gastronomen, Freizeitparks, Kreuzfahrtanbieter und andere, die im Tourismus ihr Geld verdienen, auch ganz menschlich.

Kurzarbeit und unklare Perspektive

So musste Thomas Mack, Geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Parks Rust, einen Tag zuvor 3500 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. „Und das, ohne diesen sagen zu können, wie es weitergeht“, bedauert der Familienunternehmer. Vor einem Jahr hatte der Europa-Park mit der neuen Wasserwelt Rulantica samt passendem Hotel eine riesige Investition gestemmt. Die Halloween-Dekoration mit Tausenden Kürbissen im Freizeitpark fegte der zweite Lockdown Anfang November hinweg, die Vorbereitung auf das Thema Winter mit jeder Menge Tannenbäume machte dann die Verlängerung im Dezember obsolet.

Dirk Iserlohe, CEO der Honestis AG und Aufsichtsrat bei Dorint, berichtete von verzweifelten E-Mails, die er jeden Tag von Mitarbeitern erhält, die sich um die Zukunft sorgen. Über das schwierige Verhältnis der Branche zur hohen Politik und die mangelnde Wahrnehmung resümiert er: „Wir sind nicht systemrelevant, aber wenn wir weg sind, dann sind wir sozialrelevant!“ Iserlohe hat Verfassungsklage eingereicht, um angesichts zahlreicher verlangter „Sonderopfer“ den Anspruch des Gastgewerbes auf Entschädigung durchzusetzen. Er sieht die individuelle Hotellerie in der Krise akut bedroht und fürchtet um die Vielfalt der Hotelbranche, die doch deren Stärke ist.

Gelegenheit für Zukäufe

Konzernhoteliers mit finanzkräftigen Eigentümern im Hintergrund können die Coronakrise dagegen vorrangig als Chance sehen. So zeigte sich André Witschi, Aufsichtsratschef der Deutschen Hospitality, durchaus positiv gestimmt, was die Zukunft betrifft. „Heute kann man Unternehmen kaufen, bei denen vor zwölf Monaten gar nicht daran zu denken war.“ Eine Krise biete stets auch Chancen, etwa um Veränderungen durchzusetzen, die sonst nicht möglich seien.

Alle Teilnehmer sprachen sich dafür aus, der Branche mithilfe der Runde der 101 Besten Hotels eine starke Stimme zu geben, etwa als bestens vernetzte „Tafelrunde der Gastlichkeit“, wie Dirk Iserlohe anregte.

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