Porträt: Enrico Schulz: Blick nach vorn
Porträt

Enrico Schulz: Blick nach vorn

Erbgericht
Engagierter Gastgeber: Enrico Schulz
Engagierter Gastgeber: Enrico Schulz

Enrico Schulz ist neuer Präsident der Hotelkooperation Landidyll und Chef im Hotel & Restaurant Erbgericht Tautewalde. In die Zukunft schaut er optimistisch.

Noch im Mittelalter wurden im Oberlausitzer Dorf Tautewalde Streitfälle geschlichtet und die Pferde der Postkutschen ausgetauscht. Streit gibt es allerdings schon lange nicht mehr. Dafür sorgt Enrico Schulz in seiner Rolle als ambitionierter Gastgeber. Er setzt damit eine mehr als 200 Jahre währende Geschichte des historischen Dreiseithofs Erbgericht fort.

Doch nicht nur hier hat sich der 1974 in Löbau bei Bautzen Geborene einen Namen gemacht: Seit Anfang des Jahres ist er Präsident der Kooperation Landidyll und damit ehrenamtlicher Ideengeber und Zugpferd von familiengeführten Häusern in ganz Deutschland, vornehmlich im ländlichen Raum. Bereits seit 2012 gehört sein eigener Betrieb zur Kooperation der Landidyll-Hotels.

Bereit fürs Amt bei Landidyll

„Uns hat vor allem der Mehrwert für jedes einzelne Haus überzeugt, allen voran das Marketing, der Erfahrungsaustausch, das Angebot an Weiterbildungen und die obligatorische Qualitäts-Zertifizierung“, begründet Enrico Schulz den Schritt. Im Jahr 2018 wurde er in den Vorstand gewählt. „Wir sind ein super Team dort. Unsere Aufgabe im Vorstand besteht ja zuerst darin, für unsere Häuser da zu sein. Wir helfen den familiengeführten Betrieben, sich zu entwickeln, geben Unterstützung beim Marketing, tauschen uns aus, haben einen gemeinsamen Auftritt und organisieren Coachings, um nachhaltiger zu werden.“

Nicht nur die Entwicklung der Landidyll-Hotels ist positiv, auch seine eigene. Dass er die Arbeit der Kooperation beherzt koordinieren und Impulse geben kann, liegt an seiner Persönlichkeit. Und nicht zuletzt an zahlreichen Erfahrungen, inklusive Tiefschlägen, die ihn haben reifen lassen.

Schulz hat das Kochhandwerk klassisch in Baden-Württemberg gelernt. Nach prägenden Eindrücken befragt, muss er nicht lange überlegen: „Das war die Zeit nach der Ausbildung im Hotel Lamm in Weinstadt-Schnait und in der Schweiz. Und zu Andreas Müller, einst mein Chef im Tafelhaus in Backnang, halte ich noch heute Kontakt.“ Sein berufliches Motto dabei bis heute: „Jeder Schritt, den man geht, ist wichtig. Man nimmt immer Erfahrungen mit.“

Als er nach Jahren der Wanderschaft 2006 mit seiner Frau Nadine in die sächsische Heimat zurückkehrte, führten sie zunächst als Angestellte das Erbgericht, konnten es aber 2007 nicht vor der Insolvenz retten.

Der umsichtige Insolvenzverwalter, die damaligen Hausbesitzer und nicht zuletzt die Mitarbeitenden stärkten das Paar im Beschluss, zu bleiben. Längst gehört das Haus ihnen. Mit einer Investitionssumme im sechsstelligen Bereich wurde es auf einen modernen Stand gebracht – und Enrico Schulz kann endlich so schalten und walten, wie er es selbst für richtig hält. Genau das tut dem 4-Sterne-Hotel mit seiner ausgezeichneten Küche offensichtlich gut: Gastronomie und Zimmer sind nicht nur in den touristischen Monaten gut ausgelastet.
„Motorradfahren ist für mich wie Kochen: Entspannung pur!“
Enrico Schulz

„Seit 2014 haben wir uns in der Wander- und Familienregion hier noch touristischer aufgestellt, klare Zielgruppen formuliert.“ Zu diesen gehören auch Motorradfahrer. Da Schulz Motorradfahren selbst als Hobby betreibt, kennt er die Wünsche dieser Klientel bestens.

Seit geraumer Zeit steht er nicht mehr in der Küche, sondern wechselte in die Gastgeberrolle. Vormittags managt er Planung und Organisation, abends leitet er das Restaurant, und mit Leidenschaft gibt er den Tourguide bei den Motorradgruppen, mit denen er unter dem Motto „Wir fahren mit dem Chef Motorrad“ die Gegend erkundet.

„Da ergeben sich viele Freundschaften. Viele kommen immer wieder gern zu uns. Die Stammgastklientel ist groß“, freut sich Schulz über die gelungene Verbindung von Beruf und Hobby. „Das ist wie damals beim Kochen und für mich Entspannung pur. Bei einer Stunde auf dem Motorrad kriege ich den Kopf frei. Man muss sich stark konzentrieren auf das, was man tut – und dann ergeben sich neue Ansätze für so manches Problem.“ Die Küche leiten mittlerweile übrigens zwei Köche im Team, die „das sehr gut machen“.

Als positiver Nebeneffekt ergab sich, dass Schulz nun in der Gastgeberrolle beide Seiten sehen kann – sowohl die vor als auch die hinter dem Pass. Und es macht ihm, wie er sagt, unerwartet viel Spaß, direkt bei den Gästen zu sein und mit ihnen zu kommunizieren. Das Team zieht mit. Sein offener Führungsstil und seine Bereitschaft, Verantwortung abzugeben, kommen dem sehr entgegen.

„Wir hatten damals ein Riesenglück mit dem Insolvenzverwalter. Er hat uns viele Freiheiten gegeben, wir konnten eine neue Gesellschaft gründen und beweisen, dass wir es selbst schaffen“, bekennt Enrico Schulz.

Ein Gastgeber mit Leidenschaft

Auch die Mitgliedschaft bei Landidyll hat viel geholfen. „Früher war das noch nicht so ausgeprägt, mit Gleichgesinnten zusammenzuarbeiten“, so Schulz. Doch der Zusammenhalt sei wichtig. Gerade während der Coronakrise habe er vielen Mitgliedern geholfen, nicht zu verzweifeln. „Im ersten Lockdown hat der Erfahrungsaustausch allen geholfen, im zweiten war es entspannter, im dritten dann fast Routine. Wir haben gelernt, Haus und Kosten neu zu betrachten, auf Unnötiges zu verzichten und Wichtiges gezielt zu verfolgen.“

Die Zukunft sieht Enrico Schulz optimistisch: „Corona hat viel Negatives gebracht, aber unsere Region auch positiv in den Fokus gerückt. Gäste haben ihr Reiseverhalten geändert und bleiben im Land. Die Hotspots an der Nord- und Ostsee sind ja schnell belegt. Das ist unsere Chance, weniger bekannte, aber dennoch attraktive Regionen in den Fokus zu rücken.“

Viele Ideen sind natürlich von den finanziellen Möglichkeiten abhängig. Deshalb will der Familienbetrieb sein Profil weiter schärfen, nicht mehr 40 Hochzeiten pro Jahr annehmen, sondern vielleicht nur noch zehn. Große Feiern blockierten Kapazitäten und erschwerten das normale Tagesgeschäft. Enrico Schulz will seine Mitarbeiter noch mehr fördern und begeistern. „Entscheidend sind der Spaß an der Arbeit und die Motivation. Dann bleiben sie auch bei uns.“

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