Portrait: Kirsten Schneider, Hausdame im Merc...
Portrait: Kirsten Schneider, Hausdame im Mercure Hotel Riesa

Mitten im Leben, bereit für jeden Kraftakt

Petra Mewes
In Aktion: Kirsten Schneider, Hausdame im Mercure Hotel Riesa
In Aktion: Kirsten Schneider, Hausdame im Mercure Hotel Riesa

Kirsten Schneider aus Riesa ist erst nach der Wende über die Gastronomie ins Gastgewerbe gekommen. Die Quereinsteigerin sorgt seit 22 Jahren dafür, dass im Mercure Hotel Riesa beim Housekeeping alles läuft, wie es soll. Ob das verstärkte Bettgestelle für Sumo-Ringer betrifft oder die überraschende Rückkehr von 30 Gästen, deren Flug gecancelt wurde.

„Ich bin eine totale Quereinsteigerin“, bekennt Kirsten Scheider. Ihre berufliche Entwicklung verlief alles andere als geradlinig, und dennoch gewinnt man im Gespräch mit der engagierten, freundlichen Hausdame den Eindruck, sie hat genau hier ihre Berufung gefunden. Schließlich ist sie bereits seit 22 Jahren im Haus. Geboren 1968 in Riesa, fing sie mit 16 Jahren als Anlagenfahrerin in einem Pharmawerk an. Nach 1990, inzwischen gehören zwei Kinder zur Familie, ihr Mann arbeitet auswärts auf Montage, wird ihr Betrieb dichtgemacht. „Das war mein Einstieg in die Gastronomie. Die Arbeit, pauschal in einer Kantine im Arbeitsamt, hat mir Spaß gemacht. Ich konnte kreativ sein, blieb aber auf der Suche“, erinnert sie sich.


Als sie hört, dass in der Nähe ein Hotel gebaut wird, bewirbt sie sich 1999 als Zimmerfrau und wird über eine Reinigungsfirma angestellt. Als die Hausdame aufhörte, bat man sie als Vorarbeiterin, deren Nachfolge anzutreten. „Das war meine erste Anstellung direkt im Hotel, und mit einem ‚Tag der Sachsen‘ ging es gleich richtig los. Dann eröffneten wir ein zweites Hotel, für das ich auch zuständig war.“ Offensichtlich hat sie alle Aufgaben gut gewältigt – ganz ohne speziellen Abschluss im Metier. Alles lief im Prinzip über „learning by doing“, bis auf einen einzigen Kurs, eineinhalb Tage in Stuttgart. Da ging es, wie sie sagt, zum Beispiel um Reklamationen, die Erfüllung von Kundenwünschen und wie man Gäste auch in schwierigen Situationen zufriedenstellt.

„Für die WM der Sumo-Ringer mussten wir die Betten verstärken, weil die Sportler Schwergewichte sind. Also wurden diese mit Ziegelsteinen gestützt und das alles schön kaschiert.“
Kirsten Schneider, Hausdame im Mercure Hotel Riesa
Heute leitet sie neben einer Hausdamen-Assistentin eine Hofa-Auszubildende und sieben Zimmermädchen einer Reinigungsfirma an. Zu ihren Aufgaben gehört auch das Erstellen der Listen für das Reinigen der Gastronomie, Zimmer und Tagungsräume. In Meetings besprechen sie Details wie Spätabreisen. „Extras wie Rosendekorationen und Pralinenteller stellen meine Assistentin oder ich selbst rein. Gekühlten Sekt bringt dann pünktlich der Zimmerservice“ beschreibt sie Details. Vor dem Freischalten eines Zimmers steht der persönliche Zimmercheck. „Natürlich haben wir Vertrauen in die Mitarbeiterinnen, aber wir gehen mit der Sicht des Gastes rein, stellen mit einem Rundumblick fest, ob auch die Gardinen am Fenster exakt fallen“, sagt sie lächelnd.

Was ihr an der Verantwortung als Hausdame besonders gefällt? „Alles, mir wird nichts zu viel! Jeder Tag ist anders, vor allem, wenn Themenabende wie die ‚Russische Nacht‘ anstehen.“ Dann kümmert sie sich mit Hingabe um die Dekorationen. Unvergesslich ist der Besuch der Box-Legende Muhammad Ali samt Entourage 2003. „Es war ein Höhepunkt, ihn zu erleben“, freut sich Kirsten Schneider. Seitdem trägt im Haus die Suite, in der er logiert hat, seinen Namen. Die Nachttisch- und Stehlampen sowie Badaccessoires hat sie persönlich ausgesucht.

Stressig wird es, wenn sich vom Personal jemand krankmeldet und kurzfristig umdisponiert werden muss: „Dann packen alle mit an. Wir bekommen das immer hin.“ Jährlich finden in Riesa zum Beispiel Weltmeisterschaften im Show- und Stepptanz statt. Einmal kamen die Tänzer nach dem Check-out wieder zurück, weil der Flieger ausgefallen war, sodass fast 30 Zimmer sofort wiederhergerichtet werden mussten. „Wir haben uns umgezogen, die Reinigungswagen rausgeholt und los ging‘s“, beschreibt sie den gelungenen Kraftakt. Bei besonderen Herausforderungen läuft ihr ganzes Team zur Hochform auf: „Einmal richtete Riesa die WM der Sumo-Ringer aus. Da mussten wir die Betten verstärken, weil die Sportler Schwergewichte sind. Also wurden diese mit Ziegelsteinen gestützt und das alles schön kaschiert.“

Ihr gefällt, dass ihr das Management des Haues viel freie Hand lässt. Sie bringt sich auch ein, wenn wie jetzt die Bäder neugestaltet werden: „Es muss ja nicht nur optisch stimmen, sondern auch von der Haptik her und vom Aufwand bei der Reinigung.“ Als schlimm empfand sie, dass der Corona-Lockdown alles und alle ausgebremst hat. Da kam sie zweimal wöchentlich für vier Stunden ins Hotel, um nach dem Rechten zu schauen und die Wasserhähne zu öffnen.

Hat sie Wünsche für die Zukunft? „Wir wollen stets Qualität bieten und mit unserem Hotel zukunftsorientiert am Ball bleiben. Vor allem mein Super-Team möchte ich gern halten. Wenn ich kritisiere, dann nur aus gutem Grund. Dann ist das erledigt, ich bin nie nachtragend, eher an einem guten Miteinander interessiert.“ Und wenn sie selbst Fragen hat? „Na, eigentlich fragen alle mich!“, sagt sie lachend. Beruflich fit hält sie sich mit dem Housekeeping-Journal und sie beobachtet weiter mit wachen Augen, was im Metier passiert.

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