Urteil: Rankings der Buchungsportale müssen t...
Urteil

Rankings der Buchungsportale müssen transparent sein

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte gegen die Plattform Opodo geklagt.

HAMBURG. Wenn ein Portal die verfügbaren Hotels nach dem Kriterium "Unsere Top-Tipps" sortiert, muss es offen legen, wie dieses Ranking zustande kommt. Das bestätigte das Landgericht Hamburg in einem Urteil vom 7. November (AZ. 327 O 234/19, noch nicht rechtskräftig). Demnach muss das Reiseportal Opodo seine Sortierungskriterien transparent machen. 

"Verbraucher gehen davon aus, dass die zuerst gezeigten Angebote am besten zu ihrer Suche passen oder zumindest besondere Vorteile bieten", sagt Kerstin Hoppe, Rechtsreferentin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) , der die Klage gegen Opodo eingereicht hatte. "Oft ist aber völlig unklar, wie die Rangliste zustande kommt – und es ist fraglich, ob die Wünsche des Kunden dabei an erster Stelle stehen."

Der Sachverhalt sah so aus: Kunden, die über Opodo ein Hotel suchten, bekamen nach Eingabe ihrer Reisedaten die Suchergebnisse zunächst unter der Rubrik "Unsere Top-Tipps" angezeigt. Alternativ konnten sie wählen, dass die Trefferliste nach "Preis (niedrigster zuerst)", "Bewertung und Preis", "Sterne" oder "Sterne und Preis" sortiert wird.  Klar war nur, dass bei einer Sortierung nach dem Preis zuerst die preisgünstigsten Hotels und bei einer Sortierung nach Sternen zuerst die Hotels mit den besten Kundenbewertungen angezeigt werden. Die anderen Rubriken sagten dagegen nichts darüber aus, wie die Reihenfolge erstellt wurde. Erläuterungen dazu fehlten.

Das Landgericht Hamburg schloss sich der Auffassung des VZBV an, dass Opodo den Kunden damit eine für die Kaufentscheidung wesentliche Information vorenthielt. Die Rubrik "Unsere Top-Tipps" sei ohne objektive Beurteilungsgesichtspunkte gänzlich intransparent. Die Opodo-Rangliste ist kein Einzelfall. Der VZBV begrüßt deshalb, dass eine gerade verabschiedete europäische Richtlinie vorsieht, dass Vergleichsportale die wesentlichen Kriterien für ihr Ranking und ihre relative Gewichtung darstellen müssen. Der Verband fordert zudem die Bundesregierung auf, diese Regeln zügig und wirksam in deutsches Recht umzusetzen. 

"Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, dass Rankings und Suchergebnisse nicht durch finanzielle Zuwendungen manipuliert werden. Falls Anbieter Buchungs- und Vergleichsportalen Geld geben, muss dies an prominenter Stelle transparent gemacht werden. Zahlungen können legitim für die Vermittlung sein, in keinem Fall jedoch für das 'Erkaufen' von besseren Rankingplätzen in der Ergebnisanzeige", sagt Florian Stößel, Referent im Team Recht und Handel beim VZBV. red/rk 

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