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Weiterhin auf höchstem Niveau?

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Geschichtsträchtig: Das Hotel Sacher in Wien
Geschichtsträchtig: Das Hotel Sacher in Wien

Der Mythos Sacher zieht Reisende aus aller Welt in das gleichnamige 5-Sterne-Grandhotel nach Wien. Überzeugt das Luxushotel auch in der aktuell schwierigen Situation?

Die Sacher Hotels zählen zu den renommiertesten familienbetriebenen Grandhotels der Welt. Der Mythos Sacher inspirierte schon Staatsoberhäupter wie Königin Elisabeth II. sowie Größen aus Kunst und Kultur. Matthias Winkler führt mit seiner Frau seit 2014 das Hotel Sacher in Wien sowie in Salzburg, dazu das Hotel Bristol, zahlreiche Kaffeehäuser und Restaurants. Der Familienvater hütet zudem das Geheimrezept der weltweit bekannten Sacher-Torte.

Die Torte nach einem Originalrezept von 1872 ist süßer Grundstein der Sacher Hotels. Gleichzeitig ist die zuckrige Kulinarik wichtiger Wirtschaftshebel in der Coronakrise. Leider bewahrte die scheinbar krisensichere Konstellation aus eigenem Produkt und herzlich gelebter Familientradition Matthias Winkler nicht vor der bitteren Entscheidung, insgesamt 140 Stellen abzubauen. Anfang 2020 zwang die Pandemie auch Familie Sacher, die Hotels zwei Monate lang für Gäste und die 800 Mitarbeiter zu schließen. Normalerweise erwirtschaften die Sacher Hotels rund 100 Mio. Euro Umsatz mit Gästen aus über 70 Nationen. Wegen Corona bleiben Städtereisende derzeit aus – Sacher-Produkte wie die Torte und der Sacher-Würfel sind der noch profitable Anteil. Bis zum Schluss versuchte Matthias Winkler sein Team zusammenzuhalten, leider erfolglos. Die Geschäftseinbußen sind nach seinen Angaben zu groß.

Unwegsame Zeiten sind der Familie Sacher aus der Historie bekannt: Der 16-jährige Lehrling Franz Sacher stand abends allein in der Küche, als der Prinz von Metternich eine Nachspeise orderte. Sacher zauberte ohne Hilfe die erste Schoko-Torte und gründete später ein Delikatessengeschäft. Sein Sohn eröffnete das erste Sacher-Hotel hinter der Wiener Staatsoper. Mit der Zeit vergrößerten sich die Räumlichkeiten, das Hotel Sacher Salzburg kam dazu. Das Hotel Bristol in Wien und zahlreiche Kaffeehäuser in verschiedenen Städten wurden eröffnet. Krisenzeiten versteht die Familie bis heute als Chance und blickt nach vorne.

1 Konzept

Das Grandhotel Sacher in Wien ist ohne Zweifel eines der besten Grandhotels der Welt. Ein absolutes Sahnehäubchen ist die zentrale Lage mitten im Herzen Wiens. Die Stadt, insbesondere ihre historische Version, spiegelt sich in ganzer Pracht in den Fluren und Zimmern des familiengeführten Luxushotels. Wenn eine Hotelgesellschaft den viel zitierten, selten erreichten Satz „Tradition trifft auf Moderne“ in jeder Facette auslebt, dann sind es die Sacher Hotels. Diese Gradtwanderung ist nicht einfach. Umso mehr beeindruckt mich, wie Matthias Winkler und sein Team die lang gepflegte Familientradition mit vornehmer, alter Schule und der modernen, digitalen Welt in perfekte Harmonie bringen. Alle hochmodernen Annehmlichkeiten des 21. Jahrhundert stehen mir in einem historisch anmutenden Interieur jederzeit zur Verfügung. Der Mythos Sacher fasziniert, weil er täglich intensiv gelebt wird, im Service, in den kulinarischen Angeboten und der historischen Einrichtung. Kollegialität und Solidarität zählen zu den wichtigsten Unternehmenswerten.

2 Ausstattung

Pompöse Plüschüberzüge auf großen Polstermöbeln und stuckverzierte hohe Decken klingen zunächst nach Museumsbesuch. Das Gegenteil ist der Fall: Die antiken Möbel auf den Marmorkacheln, die facettierten Glastüren und die Fotografien aus 150 Jahren Geschichte symbolisieren das alte Wien und versetzen den Besucher in die mondänen, alten Zeiten der Kaiserstadt zurück. Ich habe den Eindruck, dass jeden Augenblick Sissi in ihrem Ballkleid um die Ecke schwebt.

Luxushotel mit Geschichte: Das Hotel Sacher in Wien



In insgesamt 152 Zimmern und Suiten verleiht das Sacher-Team modernem Luxus und historischem Glanz seinen ganz eigenen Ausdruck. Meine Suite ist erwartungsgemäß klassisch-nobel und sehr stilvoll. Hohe, stuckverzierte Decken öffnen die ohnehin großzügig gestalteten Zimmer noch weiter. Von meinen bodentiefen Fenstern habe ich einen direkten Blick auf die Wiener Staatsoper, während ich mit einwandfreiem W-Lan und moderner Raum- und Lichttechnik meinem Business nachgehen kann.

Der Spa-Bereich befindet sich im fünften Stock. Er ist zwar up to date, aber für meinen Geschmack etwas zu klein. Wellness-Enthusiasten werden sicher in diesem Punkt mehr erwarten. Aber ich vergaß, dies ist ein Stadthotel.


3 Service

„Geht nicht, gibt’s nicht“ – dieser Satz ist das Kernstück der Service-Haltung im Sacher Hotel. So nobel und luxuriös die Ausstattung anmutet, so liebevoll und herzlich fühlt sich auch der Service an. Schon vor Betreten der Lobby werde ich vom Wagenmeister und später auch von allen weiteren Teammitgliedern ausnahmslos mit Namen angesprochen. Der Gast ist hier wahrlich König. Mehr noch, er wird direkt in die Familie Sacher aufgenommen. Jede große Geste, jede kleine Aufmerksamkeit ist kompromisslos auf mein Wohl ausgerichtet. Hier spüre ich auch als Kenner der Hotellerie Professionalität und große Freude an der Arbeit mit Menschen.

Die Rezeptionistin begrüßt mich herzlich und läuft mir bereits in der Lobby entgegen. Wir kennen uns aus einem anderen Hotel, diese Erinnerung setzt die Dame kreativ und sympathisch ein. Ein erster Eindruck, der mir definitiv in Erinnerung bleibt.

Im Zimmer angekommen, überrascht mich ein Mitarbeiter mit einem frischen Blumenstrauß, wenige Sekunden später stattet sein Kollege das zweite Zimmer mit frischen Rosen aus – als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. So viel Enthusiasmus begeistert mich. Auch ein frischer Obstkorb und hausgemachte Petits Fours folgen und werden auf den Tischen drapiert.

Von Krisenstimmung merke ich nichts. Alles ist in makellosem Zustand, zu jeder Zeit. Das Housekeeping versteht seinen Job. Jede Ecke glänzt mit einer anderen um die Wette.


4 Gastronomie

Sechs Gastronomie-Konzepte unter einem historischen Dach verwöhnen meinen Gaumen. Ich teste verschiedene Geschmacksrichtungen und Küchenkreationen zu den unterschiedlichsten Tageszeiten und bin immer gesättigt und höchst zufrieden. Besonders beliebt ist das Sacher-Eck in Wien mit bilderbuchreifem Kaffeehaus-Flair. Feinste Kaffee- und Confiserie-Spezialitäten locken Gäste von nah und fern. Auch ich warte gern in der Schlange, die bis nach draußen auf die Straße führt, um ein Stück Sacher-Geschichte zu meinem Kaffee zu genießen. Wer keine Zeit zum Anstehen hat, bestellt einfach: Beim Sacher to-go und dem Sacher Delivery-Service bringt ein Page die Spezialitäten via E-Scooter auch innerhalb Wiens ins Büro oder nach Hause. Ein toller Service!

Bereits die erste Mahlzeit des Tages überzeugt mit regionalen Speisen und lässt keine Wünsche offen. Mein Frühstückskellner Alexander errät meine Gedanken und Wünsche intuitiv: Er stellt sich in Windeseile auf meine Vorlieben ein, räumt das Geschirr beiseite, sodass ich ungestört arbeiten kann. Ich fühle mich willkommen und wunderbar aufgehoben. Vor einem ausgiebigen Dinner sollten Sie einen Aperitif an der Bar nehmen. Mein Favorit: die Blaue Bar. Die entspannte Atmosphäre und der herzliche Service vereinen sich zu einer der wohl gemütlichsten Hotelbars im deutschsprachigen Raum.

Fazit: Das Gesamtpaket des Hotel Sacher in Wien fasziniert auch nach 150 Jahren. Auch in Krisenzeiten agiert das Team höchst professionell und in gewohnter Herzlichkeit. Wer hier eincheckt, genießt wahrlich königlichen Service mitten in historischem Ambiente. Die traditionellen Wurzeln und das Kernstück des Sacher-Imperiums, die Sacher-Torte, sind allgegenwärtig. Das Haus gehört zu den drei besten deutschsprachigen Hotels unserer Nachbarn (www.die-101-besten-hotels-deutschlands.de). Ich bin fest davon überzeugt, dass der Mythos Sacher weiterlebt und diese Krise übersteht.

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