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Interview: Jürgen Schmidt, Geschäftsführer der Touristik Centrale Mainz

„Reine Bettensteuer wäre zu kurz gedacht“

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Schmidt
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Der Mainzer Tourismuschef über die Schwerpunkte im Marketing, die Entwicklung der Übernachtungszahlen und eine mögliche Tourismusabgabe

Auf welche Schwerpunkte setzen Sie in Mainz im Tourismusmarketing?



Schmidt: Mainz ist mit der Anbauregion Rheinhessen seit 2008 Mitglied bei den Great Wine Capitals, einem weltumspannenden weintouristischen Netzwerk, in dem auch Städte wie Bordeaux, Florenz, Kapstadt und San Francisco vertreten sind. Daher ist das Thema Wein bei uns weit oben im Marketing angesiedelt. Wir bieten Weinwanderungen mit Proben im Weinberg und Kutschfahrten mit Verkostungen an, auch ein Weinstubenbesuch mit entsprechendem kulinarischen Angebot ist buchbar. Außerdem präsentieren wir mit dem Gutenbergmuseum die Druckkunst und setzen auf die großen Mainzer Volksfeste wie die Fastnacht, Johannisnacht, den Mainzer Weinmarkt und den Weihnachtsmarkt.

Die Fastnacht steht zwar auch auf Ihrer Agenda. Die närrischen Tage haben jedoch bislang überregional nicht die Bedeutung erlangt, wie man es von den anderen Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf kennt.



Schmidt: Wir haben in Mainz natürlich andere Dimensionen als in Köln. Mainz hat zirka 200.000 Einwohner und am Rosenmontag sind immerhin 500.000 Menschen in der Innenstadt. Die Straßenfastnacht dauert aber nur wenige Tage. Die Hotellerie profitiert in Mainz mehr von den Prunksitzungen, die im gesamten Zeitraum von 1. Januar bis zum Rosenmontag stattfinden. Da schnüren einige Hotels Fastnachts-Packages und viele Firmen laden ihre Geschäftspartner nach Mainz ein.

Mit der Eröffnung des Intercity Hotels am Hauptbahnhof und der Wiedereröffnung aller Hilton-Zimmer sind ja in den vergangenen Monaten einige Zimmer auf den Mainzer Hotelmarkt hinzugekommen. Wie wirkt sich das auf die Belegung in der Stadt insgesamt aus?



Schmidt: Die Wiedereröffnung des Hilton Domflügels hat die Übernachtungszahlen im 4. Quartal 2010 deutlich nach oben gebracht. Auch das Intercity hat den Hotelmarkt bereichert. Die Verkaufsabteilungen der Häuser spielen hier eine große Rolle. Sicherlich gibt es immer eine gewisse Verdrängung. Wir werden aber 2011 wahrscheinlich das beste Ergebnis mit mehr als 800.000 Übernachtungen erzielen, also besser als im WM-Jahr 2006.

Würden Sie sich außer dem Hyatt Regency ein weiteres 5-Sterne-Hotel in der Stadt wünschen?



Schmidt: Wenn das Römisch-Germanische Zentralmuseum aus dem Schloss auszieht und das Congress Centrum dort dann weitere Räume für Tagungen und Seminare erhält, könnte ich mir vorstellen, dass ein 4- oder 5 Sterne Hotel in der Nähe gut tun würde. Das wird aber noch 4 bis 5 Jahre dauern.

Wie denken Sie über eine zusätzliche kommunale Abgabe für die Hotellerie, etwa eine Bettensteuer wie sie in Rheinland-Pfalz ja schon die Städte Bingen und Trier eingeführt haben?



Schmidt: Eine reine Bettensteuer halte ich für zu kurz gedacht. Wünschenswert wäre in einem solchen Fall eine Beteiligung aller Betriebe, die vom Tourismus profitieren, also zum Beispiel auch der Gastronomie und des Einzelhandels. Die Fragen stellte Raphaela Kwidzinski

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