Rheinland-Pfalz Kollegiale Eintracht am Rhein

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Raphaela Kwidzinski
Domizil am Rheinufer: Das Hilton Mainz Hotel hat seine Zimmer in den vergangenen Jahren renoviert. Jetzt sind sie alle wieder verfügbar
Domizil am Rheinufer: Das Hilton Mainz Hotel hat seine Zimmer in den vergangenen Jahren renoviert. Jetzt sind sie alle wieder verfügbar

Auf dem Mainzer Hotelmarkt treffen internationale Ketten auf mutige Privathoteliers, die Investitionen nicht scheuen.

MAINZ. Auf dem Mainzer Hotelmarkt treffen internationale Ketten auf mutige Privathoteliers, die Investitionen nicht scheuen. Anstatt sich gegenseitig zu verdrängen, setzen die Mainzer auf Kooperation.

Die letzte bedeutende Neueröffnung war das Intercity Hotel am Hauptbahnhof, das im November 2008 mit 190 Zimmern an den Start ging. Von dem Zuwachs an Zimmern war auf dem Mainzer Hotelmarkt insgesamt erst einmal wenig zu spüren, wie DEHOGA-Kreisvorsitzender Walter Hubel erläutert. Denn fast zeitgleich begann das Hilton Hotel am Rhein, seine Zimmer zu renovieren. Von April 2009 bis April 2011 war immer nur jeweils etwa die Hälfte der 431 Hilton-Zimmer geöffnet. Doch jetzt hat das Hotel seine Renovierung abgeschlossen. Die Zahl der Hotelbetten in Mainz hat sich damit erhöht, auf nun zirka 5500. „Das schlägt sich natürlich auf die Belegung nieder“, sagt Hubel. Doch allzu schlecht ist es um die Auslastung der Hotels in der Gutenberg-Stadt bestellt. Denn auch die Übernachtungszahlen sind in den vergangenen Jahren gestiegen, zuletzt um 11,4 Prozent auf knapp 176 im Jahr 2010. Die durchschnittliche Belegung ist damit bei zirka 60 Prozent geblieben.

Große Firmen locken Gäste



Der Anteil der Geschäftsreisenden in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt liegt bei zirka 80 Prozent. Es sind vor allem die Firmen Schott, IBM, die Mainzer Uniklinik, das ZDF und Boehringer Ingelheim, die Businessgäste nach Mainz locken. Jürgen Schmidt, Geschäftsführer der Touristik Centrale Mainz, sieht weitere Stärken des Standorts in der zentralen Lage in Deutschland, der guten Verkehrsanbindung und den großen Kongress- und Eventlocations wie dem Congress Centrum mit Rheingoldhalle und Kurfürstlichem Schloss und der Phoenixhalle.

Touristische Anziehungspunkte für Freizeitreisende sind der ZDF Fernsehgarten, die Hinterlassenschaft von Johannes Gutenberg, dem Erfinder der Druckkunst, und die Fastnacht. Die närrischen Tage haben jedoch bislang überregional noch nicht die Bedeutung erlangt, die sie in den anderen Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf haben. Novotel-Chef Hubel will das jetzt ändern. Er engagiert sich im Mainzer Carnevals Verein und will unter anderem die Straßenfastnacht noch prominenter machen.

Insgesamt sind in Mainz laut Touristik Centrale derzeit 42 Hotels in Betrieb. Von den 5500 Betten befindet sich etwa die Hälfte in Kettenhotels. Vertreten sind bislang die Marken Hilton, Hyatt, Intercity, Park Inn, B&B sowie die drei Accor-Häuser Novotel, Ibis und Etap. Kreisvorsitzender Walter Hubel bezeichnet das Verhältnis von Ketten- zu Privathotels als sehr ausgewogen. Neben internationalen Marken wie Novotel, Hyatt und Hilton haben in Mainz in den vergangen Jahren einige Privathoteliers mit Investitionen Zeichen gesetzt.

Beispiel Christian Barth. Der Sohn des ehemaligen rheinland-pfälzischen DEHOGA-Präsidenten Eberhard Barth hat das Favorite Parkhotel 2004 von den Eltern übernommen. Kurz darauf hat er für 10 Mio. Euro einen Erweiterungsbau mit 80 neuen Zimmern errichtet. Im vergangenen Jahr hat der Christian Barth für 5 Mio. Euro die Event-Location Hofgut Laubenheimer Höhe aufgebaut.

Beispiel Lothar Becker. Der langjährige Mainzer Hotelier hat sein Atrium Hotel im Stadtteil Finthen in den vergangenen Jahren mehrfach erweitert. Zuletzt hat er den dritten Teil seines Kongresszentrums mit acht neuen Konferenzräumen und 20 Juniorsuiten eingeweiht.

Privat- und Kettenhotellerie arbeiten eng zusammen, wenn es darum geht, für die Mainzer Hotellerie zu werben und neue Gästegruppen zu gewinnen. Ein Beispiel: Die Aktion „Zu Gast in der eigenen Stadt“. Bereits im dritten Jahr in Folge haben elf Hotels an einem Wochenende im Juli ihre Zimmer an Mainzer Bürger vermietet, und zwar zu äußerst günstigen Konditionen: 10 Euro pro Stern. Mit dabei waren das Hyatt Regency, das Atrium Hotel, das Favorite Parkhotel, das Novotel, das Intercity, die beiden Hilton-Häuser, das Advena Europa Hotel, das Günnewig Hotel Bristol, das Hotel Mainzer Hof und das Hotel Schwan. „Wir wollen unsere Hotels damit bei den Mainzern bekannter machen, so dass sie auch mal ihre eigenen Gäste dort unterbringen“, sagt Christian Barth. Die Resonanz auf die Aktion ist groß: Die Häuser Hyatt, Hilton, Favorite und Atrium waren schon innerhalb von einer Stunde ausgebucht.

Tagungsgeschäft ausbauen



Und wie sieht es mit weiteren Neueröffnungen aus? Im Herbst soll das private Central Hotel Eden am Bahnhof mit knapp 60 Zimmern wieder eröffnen. Das 3-Sterne-Hotel wird seit zwei Jahren renoviert. Tourismuschef Schmidt kann sich langfristig noch ein weiteres 4- oder 5-Sterne-Hotel in der Stadt vorstellen (siehe Interview). Denn in den kommenden drei bis vier Jahren soll das Römisch-Germanische Zentralmuseum aus dem Schloss ausziehen und neue Räume in der Nähe des Südbahnhofs finden. Das Congress Centrum erhält dann weitere Räume im Schloss. Damit könnte auch das Tagungsgeschäft und damit die Nachfrage nach hochwertigen Hotelzimmern weiter anziehen. Zu viele Hotelneubauten wünscht Schmidt sich aber nicht: „Ich halte nichts von zu großer Expansion, das macht uns die Preise kaputt.“ Raphaela Kwidzinski

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