Politik lenkt ein: Rheinland-Pfalz setzt Behe...
Politik lenkt ein

Rheinland-Pfalz setzt Beherberbungsverbot vorerst aus

Kzenon/Colourbox.de
Kein Recht auf Beherbergung: Wer aus einem innerdeutschen Risikogebiet kommt, gilt offenbar als Gefahr
Kein Recht auf Beherbergung: Wer aus einem innerdeutschen Risikogebiet kommt, gilt offenbar als Gefahr

Erleichterung bei Hoteliers im Südwesten. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) plädiert für eine bundesweit einheitliche Lösung. Hotelier Dirk Iserlohe wendet sich erneut an die Kanzlerin.

MAINZ. In vielen Bundesländern gilt es schon, Rheinland-Pfalz macht nun einen Rückzieher: Das Beherbergungsverbot für Gäste aus innerdeutschen Risikogebieten tritt nicht wie geplant am Dienstag dieser Woche in Kraft. Das stellte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) nach einem Treffen mit Kommunalverbänden klar. Sie hörte dabei auch auf die Befürchtungen aus der Hotellerie: Die Rückmeldungen der Gastgeber seien "verheerend".

Aufatmen also bei Hoteliers im Westen und beim dortigen Dehoga.  Allerdings: Die Debatte noch nicht zu Ende. Am Mittwoch wollen Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer gemeinsam über diese und andere Maßnahmen zur Corona-Eindämmung beraten. Malu Dreyer hält eine bundeseinheitliche Maßnahme für Beherbergungsfragen für die beste Lösung. 

Keine Studie zeigt, dass das Reisen innerhalb Deutschlands ein Pandemietreiber ist.#/ZITAT#

Derzeit gilt in vielen anderen Bundesländern jedoch: Wer aus einem Risikolandkreis, als einem Gebiet mit erhöhten Infektionszahlen anreist, darf nicht übernachten. Es sei denn, er kann einen aktuellen negativen Sars-Cov2-Test vorweisen. An diesen Beherbergungsverboten wurde bereits in den vergangenen Tagen massiv Kritik geübt - nicht nur von Seiten der Hoteliers selbst, sondern auch von Bundespolitikern wie Christian Lindner (FDP) und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD). Der sagte: "Keine Studie zeigt, dass das Reisen innerhalb Deutschlands ein Pandemietreiber ist."

Auch Dirk Iserlohe, Dorint-Aufsichtsratsvorsitzender, meldet sich erneut zu Wort. Er hatte wegen Corona-Einschränkungen für die Hospitality-Branche bereits 16 offene Briefe an die Kanzlerin verfasst und fordert nun, Beherherbungsverbote sofort zurück zu nehmen. Sie kämen für die Branche einem erneuten Lockdown gleich - mit verheerenden wirtschaftlichen Folgen.

In Niedersachsen bereitet unterdessen schon ein Hotelier eine Klage gegen das Beherbergungsverbot vor. Im Laufe der Woche soll eine Normenkontrollklage beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg eingereicht werden, wie der Dehoga Niedersachsen, der die Klage unterstützt, der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.  Scharfe Kritik an Beherbergungsverbot für Gäste aus Risikogebieten vom 12. Oct 2020

Der Dehoga Rheinland-Pfalz fordert nun ebenfalls einen dauerhaften Verzicht auf innerdeutsche Beherbergungsverbote. "Seit der öffentlichen Berichterstattung über die Beherbergungsverbote hat unsere Betriebe eine regelrechte Storno-Welle überrollt. Unternehmen wie Gäste gleichermaßen sind durch die unterschiedlichen Berichterstattungen aus ganz Deutschland und der Unübersichtlichkeit der Regelungswerke in den einzelnen Bundesländern deutlich irritiert. Hier blickt keiner mehr durch", so Dehoga-Landespräsident Gereon Haumann. 

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