Rückblick drittes Quartal 2021: Hamburg leuch...
Rückblick drittes Quartal 2021

Hamburg leuchtet

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Hamburg: Die Hoteliers an Elbe und Alster profitierten davon, dass die Hansestadt ein Touristenmagnet ist
Hamburg: Die Hoteliers an Elbe und Alster profitierten davon, dass die Hansestadt ein Touristenmagnet ist

Am besten haben sich im Spätsommer die Städte geschlagen, die für Freizeitreisende besonders attraktiv sind. Das belegen exklusive Erhebungen von Fairmas und STR für die ahgz.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Reisebeschränkungen stehen Hoteliers sowohl in ihrem Kerngeschäft vor wechselnden neuen Herausforderungen als auch bei der Analyse der Marktzahlen. Denn die unterschiedlichen Bedingungen in den jeweiligen Vergleichszeiträumen erschweren die Interpretation extrem. Galt in einem der beiden betrachteten Zeiträume ein Verbot touristischer Beherbergung oder von Großveranstaltungen, im anderen jedoch nicht? Waren Flugverbindungen zu einem der Vergleichstermine aufgrund der Restriktionen viel stärker eingeschränkt als zum anderen Zeitpunkt? Das alles muss mit bedacht werden, wenn man die Kennzahlen unter die Lupe nimmt.

In dieser Hinsicht ist der Rückblick auf das dritte Quartal 2021 ein gewisser Lichtblick. Denn die Daten, die Fairmas und STR der ahgz exklusiv zur Verfügung gestellt haben, enthalten weder für 2021 noch für den Vergleichszeitraum 2020 Phasen, zu denen der Tourismus komplett ausgesetzt war. In den Monaten Juli, August und September waren in beiden Jahren Urlaubsreisen möglich. Dennoch zeigt die Tabelle, die die deutschlandweite Hotel-Performance im dritten Quartal abbildet, deutliche Unterschiede bei den Kennzahlen für beide Jahre auf. Die Situation hat sich von 2020 zu 2021 klar verbessert: Sowohl die Auslastung als auch Netto-Durchschnittspreis und RevPar (Erlös pro verfügbarem Zimmer) lagen 2021 signifikant höher als im Vorjahr. Die Belegung erreichte fast 50 Prozent, was einem Plus von mehr als 25 Prozent zum Vorjahresquartal entsprach. Die Raten stiegen um 4,7 Prozent auf 91,50 Euro. Und der RevPar zog um fast ein Drittel (32%) auf 45,40 Euro an.

Spätsommer des Jahres 2021 schlägt 2020

Das zeigt, dass die Deutschen – die Nachfrage kommt vor allem aus dem eigenen Land – im zweiten Jahr der Pandemie reisefreudiger sind als im ersten Jahr. Dafür gibt es gute Gründe: Gerade die Tatsache, dass sich seit dem Sommer jeder impfen lassen konnte, der das wollte, dürfte vielen die Entscheidung zum Verreisen erleichtert haben. Und wer eine drohende Quarantäne nach Auslandsaufenthalten unbedingt vermeiden wollte, gerade bei Reisen mit Kindern, buchte lieber ein Quartier in deutschen Feriengebieten oder verband den Besuch bei lange vermissten Freunden oder Verwandten mit einer Städtereise.

Schließlich ist mit dem Fortschritt der Impfkampagne auch das kulturelle Leben in Form von Veranstaltungen wieder zurückgekehrt und macht städtische Destinationen wieder attraktiv. So berichten plötzlich auch Hoteliers in den Großstädten, die vor Corona in erster Linie von Geschäftsreisenden lebten, dass nun Leisure ihr wichtigster Umsatzbringer ist und die Raten samstags höher liegen als unter der Woche.

Allerdings legt ein weiterer Blick in die Tabelle auch schonungslos offen, dass die Werte von 2021 immer noch weit hinter denen von 2019 zurückbleiben. So betrug die Belegung zwischen Juli und September 2019 im Durchschnitt mehr als 75 Prozent, das sind 25 Prozentpunkte oder 50 Prozent mehr als die 50 Prozent Auslastung dieses Jahres. Der Netto-Zimmerpreis lag mit rund 100 Euro auch zirka 10 Prozent höher als jetzt. Der RevPar erreichte vor zwei Jahren 75,80 Euro und somit weit mehr als 45,40 Euro im dritten Quartal 2021.

Schere zwischen Ballungsraum und Ferienregionen

Ein Grund dafür ist, dass die Stadthotels in den Panels von Fairmas und STR stärker vertreten sind als Hotels abseits der Ballungsräume. Gerade die Freizeithotellerie profitiert derzeit aber besonders von der großen Urlaubsnachfrage im Inland. So meldete Schleswig-Holstein für den Juli, dass die Zahl der Übernachtungen dieses Jahr höher lag als im Juli 2019, also vor Corona. Die Zahl der Gästeankünfte fiel hingegen etwas niedriger aus, was bedeutet, dass die Gäste länger blieben als früher.

In den Städten tun sich die Hoteliers dagegen schwerer. Städtereisende können die Lücke bei den Geschäftsreisenden nicht kompensieren, zumal sie zu niedrigeren Raten buchen als Firmen, die bei wichtigen Messen und Kongressen gewohnt sind, dass die Hotellerie dann hohe Preisaufschläge durchsetzt. Aber just diese lukrativen Events fehlen dem Gastgewerbe noch.

Auch in den Städten sind Urlauber entscheidend

Fairmas und STR haben die Entwicklung in den Top-7-Städten näher beleuchtet. Wenig überraschend hatte Hamburg im dritten Quartal die Nase vorn. Die Hoteliers in der Hansestadt erzielten mit 56,80 Euro den höchsten RevPar. Auch die höchste Raten wurden mit 96,60 Euro im Norden aufgerufen. Die größte RevPar-Steigerung im Vergleich zum Vorjahresquartal schafften dagegen Berlin und München mit fast zwei Drittel (+65%). München erreichte mit 94,30 Euro die zweithöchste Rate der deutschen Metropolen. Das unterstreicht, dass Städte klar im Vorteil sind, die bei Freizeitreisenden hoch im Kurs stehen.

Frankfurt, mit seinem Flughafen traditionell Deutschlands Tor zur Welt, kämpft derweil mit dem Mangel internationaler Nachfrage. Mit einem RevPar von nur 25,90 Euro im dritten Quartal war die Messe- und Bankenstadt das Schlusslicht.

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