Hotelimmobilien: Schrumpfkur bei Hotel-Deals
Hotelimmobilien

Schrumpfkur bei Hotel-Deals

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Magere Zeiten für den deutschen Hotelimmobilienmarkt
Magere Zeiten für den deutschen Hotelimmobilienmarkt

Nachdem der deutsche Markt jahrelang von Rekord zu Rekord geeilt war, setzt Corona den Umsätzen jäh Grenzen. In den ersten neun Monaten 2020 sank das Handelsvolumen um rund 25 Prozent.

STUTTGART. Das Coronavirus hat den deutschen Hotelimmobilienmarkt schwer erwischt. Die Immobiliendienstleister Colliers, CBRE und JLL taxieren den Handelsumsatz in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres auf zirka 1,7 Mrd Euro. Damit liegt das Ergebnis knapp ein Viertel unter dem Wert des Vorjahreszeitraumes. Davon entfiel mehr als 1 Mrd. Euro auf das erste Quartal.

Und auch wenn das dritte Quartal 2020 wieder mehr Transaktionen aufwies als in den Frühjahrsmonaten, gegenüber dem Vergleichsquartal in 2019 sind die Einbußen enorm (-46%), meldet JLL. Der Anteil der Assetklasse Hotel am gesamten gewerblichen Immobilienmarkt beträgt laut Colliers derzeit noch 4 Prozent. Im dritten Quartal 2019 lag der Anteil noch bei 6 Prozent und 2018 sogar bei 7 Prozent.

Heftiges Auf und Ab im laufenden Jahr

Das Fazit von Colliers: Nach einem ordentlichen Start ins Jahr 2020 und dem drastischen Einbruch im zweiten Quartal zeigte sich der Hotelmarkt in den zurückliegenden Monaten wieder verbessert. Vor allem Hotels in deutschen Feriengebieten erfreuten sich im Sommer großer Beliebtheit. Schwierig bleibe die Situation bei Hotels in Innenstädten, die von Events und Messen abhängig sind und wo es erste Betriebsschließungen gebe. Allerdings habe der Hotelmarkt mit einigen großvolumigen Transaktionen wieder etwas an Fahrt aufgenommen.

René Schappner, Head of Hotel bei Colliers International, sagt: „In den Monaten Juli bis September wurden zirka 420 Mio. Euro investiert. Das ist nur knapp die Hälfte des Transaktionsvolumens der Vergleichsperiode im Vorjahr. Durch die anhaltenden Reise- und Kontaktbeschränkungen ist die Situation in der Hotelbranche weiterhin äußerst angespannt. Das führt zu abwartenden Haltungen bei Investoren und Finanzierern, weshalb nicht viele Transaktionen stattgefunden haben. Allerdings sehen wir auch, dass Objekte in Top-Lagen auf Nachfrage stoßen und entsprechende Preise erzielen.“

5-Sterne-Hotels werden deutlich weniger gehandelt als im Vorjahr

Am häufigsten wurden bisher 4-Sterne Hotels gehandelt: Mit einem Volumen von fast 912 Mio. Euro hatten diese einen Anteil am Gesamtvolumen von fast 54 Prozent. Mit einem Anteil von etwas über 36 Prozent und einem Volumen von rund 616 Mio. Euro waren 3-Sterne Hotels ebenfalls bei Investoren gefragt. Zusammen machten beide Kategorien mit einem Volumen von über 1,5 Mrd. Euro mehr als 90 Prozent der Verkäufe am gesamten Hotelmarkt aus.

Den stärksten Rückgang des Transaktionsvolumens erlebten die 5-Sterne-Hotels mit minus 85 Prozent auf 23,5 Mio. Euro. Durch diese Verteilung ergab sich im Jahresvergleich ein Rückgang in der durchschnittlichen Losgröße eines Deals von 24,9 auf 21,8 Mio. Euro (-13%). Olivia Kaussen, Head of Hotels bei CBRE in Deutschland, hält fest: „Es gibt aber auch positive Signale am Hotelmarkt – viele Hotels in Ferienregionen wie Nord- und Ostsee sowie in den Bergen hatten eine sehr erfolgreiche Sommersaison. Zudem konnten attraktive Städte wie beispielsweise Rostock, Dresden und Freiburg in den Sommermonaten mit Belegungsraten von über 60 Prozent punkten. “

Interesse an Projektentwicklungen steigt wieder

Nachdem der Marktanteil von Projektentwicklungen im zweiten Quartal auf 18,7 Prozent zurückging, stieg er nun im dritten Quartal wieder auf 27 Prozent an. „Das Interesse an Projektentwicklungen verdeutlicht das Vertrauen der Investoren in den Markt. Denn diese Käufer gehen davon aus, dass sich der Markt mittelfristig erholt und sich das Reiseverhalten wieder normalisieren wird“, so Kaussen.

Wenngleich Deutschland europaweit der aktivste Hotelinvestmentmarkt sei, bleibe die Assetklasse Hotel derzeit eines der größten Sorgenkinder am deutschen Immobilienmarkt, heißt es bei JLL. In den anderen großen etablierten Märkten Europas sei die Situation noch angespannter. „Die Hotellerie musste gravierende Einbußen hinnehmen, die Belegungsraten sind bei vielen Hotels existenzgefährdend. Dies spiegelt sich nun zunehmend auch im Transaktionsgeschehen wider“, so Heidi Schmidtke, Managing Director der JLL Hotels & Hospitality Group. „Es bleiben spannende Zeiten, in denen wir weitere Konsolidierungen am Hotelmarkt sehen werden. Dazu gehören, wie gemeldet wird, Gespräche zwischen Accor und IHG. Weitere werden folgen.“ red/beh

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