ahgz-Check: So gehen Südtirol-Ferien nach dem...
ahgz-Check

So gehen Südtirol-Ferien nach dem Restart

Christian Schairer
Frei passierbar: Die Grenze von Italien zu Österreich
Frei passierbar: Die Grenze von Italien zu Österreich

Unsere Redakteurin hat die Lockerungen genutzt und als eine der ersten deutschen Touristinnen nach der Pandemie die Grenze zu Italien überquert. Was ist im Urlaubsort anders als in den Vorjahren?

6. Juni 2020, 4 Uhr morgens: Wir brechen von unserem Zuhause im Großraum Stuttgart auf ins Vinschgau in Südtirol. Wir wollen dort mountainbiken, am Pool entspannen, Pizza essen – eigentlich unspektakuläre Pläne, wie immer, weswegen wir auch schon im Vorjahr unsere Unterkunft wieder für diesen Frühsommer gebucht haben. Seit Anfang März waren wir dann jedoch unsicher, ob wir überhaupt dieses Jahr dorthin fahren könnten – schließlich war Italien besonders von der Corona-Pandemie betroffen und die Menschen dort mussten noch deutlich schärfere Einschränkungen des öffentlichen Lebens hinnehmen als wir in Deutschland.

Wenige Tage vor unserem Urlaubsbeginn kam dann die gute Nachricht: Die Grenzen zu Italien sind wieder für Touristen offen, die Durchreise durch Österreich erlaubt. Klasse – finden jedenfalls wir und sind damit möglicherweise fast die einzigen. Denn obwohl wir am Hauptreisetag fahren, ist auf den Autobahnen Richtung Fernpass nichts los. Als wir uns der deutsch-österreichischen Grenze nähern, haben wir zwar die ausgedruckte Reservierungsbestätigung unserer Pension griffbereit. Wir werden aber nicht angehalten, es sind keine Kontrolleure weit und breit zu sehen. Durch Durchreise durch Österreich verläuft problemlos. Auch hier für einen Samstag morgen zur Ferienzeit auffällig wenig Verkehr, fast gespenstisch. An einer Tankstelle treffen wir aber auf Menschen, wie in Deutschland müssen wir beim Betreten des Ladens eine Mund-Nasen-Maske anziehen. Ansonsten ist alles normal.

Keine Kontrolleure weit und breit

Wir erreichen den Reschenpass und die österreichisch-italienische Grenze. Auch hier werden wir nicht angehalten. Ein gelbes Schild weist jedoch darauf hin, dass italienische Staatsbürger die Rückeinreise nur mit einem negativen SarsCov-2-Test antreten dürfen. Über deutsche Touristen steht dort nichts. Auch hier sind keine Kontrolleure weit und breit zu sehen. Wir passieren auch diese Grenze und finden das – angesichts zahlreicher Warnungen vor aus unserem Bekanntenkreis – reichlich unspektakulär.

Vom Grenzpass geht es rasant runter unserem Urlaubsziel entgehen. Immer noch kaum Autos auf den Straßen, und erst recht keine deutschen Kennzeichen. Wir haben das Gefühl, die ersten deutschen Touristen nach Corona in diesem Land zu sein. Dabei empfinden wir das Risiko, uns hier aufzuhalten, also nicht so groß. In unserem Urlaubsort kamen auf die dortigen knapp 6000 Einwohner gerade einmal drei Coronafälle – will heißen: Ein Fall pro 2000 Einwohner.

Unsere Gastgeberin begrüßt uns herzlich, tatsächlich sind wir ihre ersten Gäste nach dem Restart. Die ersten zwei Tage haben wir die Frühstückspension samt Pool für uns allein. A propos Pool: Freibäder sind hier tatsächlich bereits seit 30. Mai wieder geöffnet. Auch ein Frühstück in Buffetform ist möglich. Gäste müssen dazu Maske tragen, während sie sich bedienen und bei jedem neuen Gang zum Buffet eine frische Gabel nehmen, um Schinken, Käse und Obst auf den eigenen Teller zu legen. Greifzangen für jedermann gibt es nicht mehr – möglicherweise wäre das auch eine Lösung für deutsche Hotels.

Restaurants haben Fahrt aufgenommen

Die Restaurants im Vinschgau haben inzwischen ebenfalls Fahrt aufgenommen. Zumindest von den Einheimischen sind sie gut besucht – Touristen sind ja noch nicht so viele da. Im Supermarkt heißt es weiterhin Abstand halten und Mund-Nase-Schutz tragen. Zudem stehen an jedem Laden im Eingangsbereich Desinfektionsmittel und auch Einweghandschuhe bereit. Beides muss verpflichtend zum Einkauf genutzt werden.

Am Nachmittag geht’s aufs Rad, wir pedalieren den ersten Berg hinauf. Und siehe da: Wir haben ihn fast für uns allein. So viel Ruhe wie dieses Jahr findet man auch hier auf den weit verzweigten Vinschgauer Pfaden und Trails selten.

Fazit: In Italien ist die Pandemie früher als bei uns ausgebrochen und es wurden früher als bei uns strengere Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen. Jetzt ist Italien aber auch früher dran, was das Abflauen der Welle und die Lockerungen angeht. Dennoch: Desinfektionsmittel, Masken und erhöhter Abstand zu Fremden gehören jedoch auch hier zur neuen Normalität. Abseits von Restaurants und Geschäften kann man sich aber bestens frei bewegen und bekommt reichlich frische Luft ab.

stats