Elektronischer Check-in: Spirit-Legal-Anwälte...
Elektronischer Check-in

Spirit-Legal-Anwälte sehen keine Bürokratie-Entlastung

Eigentlich soll der digitale Check-in das Leben von Hoteliers und Reisenden leichter machen. Doch es gibt zahlreiche technische und gesetzliche Hürden.

LEIPZIG. Nach einem neuen Gesetz darf der Gast den Hotelmeldeschein zwar auch elektronisch unterzeichnen. Dafür muss er sich jedoch digital ausweisen können, und zwar entweder über die Starke Kundenauthentifizierung (Strong Customer Authentification/SCA) der Kreditkarte oder über die e-ID im Personalausweis.

Erste Hoteliers berichteten der ahgz nun, dass sie in den kommenden Wochen einen digitalen Check-in samt elektronischen Meldeschein mithilfe der SCA realisieren bzw. testen möchten. Doch das Thema birgt zahlreiche Tücken. Die SCA wird zwar – mit einer Übergangsfrist bis Ende 2020 – bei Online-Buchungen mit Kreditkartenzahlung ohnehin verpflichtend. Doch nicht immer handelt es sich bei dem Kreditkarteninhaber auch um den Reisenden, auf den letztlich der Meldeschein ausgestellt werden muss.

Die Anwälte der Leipziger Kanzlei Spirit Legal äußerten im Gespräch mit der ahgz noch weitere Bedenken. „Da nicht immer derjenige, der die Übernachtung bucht, auch derjenige ist, der tatsächlich anreist, fordert das Gesetz nach wie vor die eindeutige Identifikation genau am Anreisetag durch den Anreisenden selbst“, sagt Rechtsanwältin Julia John. So könnten die Identifikatoren, die im Rahmen einer Online-Buchung unter Verwendung der starken Kundenauthentifizierung generiert werden, nicht ohne weiteres zugleich auch für den digitalen Check-in verwendet werden. Daher sei es auch fraglich, ob die Lösungen, die aktuell programmiert werden, letztlich rechtskonform sind, von Behörden anerkannt werden und vor Gericht Bestand haben.

Weniger Aufwand bei einem vorausgefüllten Papier-Meldeschein?

Bei Spirit Legal geht man sogar noch weiter: Die Anwaltskollegen haben den neuen elektronischen Check-in mit all seinen Erfordernissen mal praktisch durchgespielt – mit einem niederschmetternden Ergebnis: „Wir sind inzwischen der Meinung, dass zumindest derzeit der vorausgefüllte Meldeschein weniger Aufwand mit sich bringt“, sagt Johns Anwaltskollege Peter Hense im Gespräch mit der ahgz.

Denn es müsse ja nicht nur am Anreisetag die SCA vorgenommen werden – oder die eID des Personalausweises – sondern die Daten müssten auch getrennt gespeichert und gelöscht werden, wozu wieder neue Formate und Techniken hermüssten. Das Fazit der Leipziger: „Der erwünschte Effekt des Gesetzes, die Entlastung von Bürokratie im Wirtschaftsleben, kann so nicht erreicht werden.“

stats