Huazhu-Marktmacht: Stephan Gerhard: "Wachstum...
Huazhu-Marktmacht

Stephan Gerhard: "Wachstumstreiber sind Geschäftsreisen"

Die weltweit wachsende chinesische Wirtschaftskraft sorgt für eine enorme Nachfrage an Übernachtungen aus eigenen Reihen - wovon ein Bigplayer wie Huazhu selbst profitieren will.

PARIS/STUTTGART. Huazhu wächst rasant. Ende vergangener Woche bestätigte Accorhotels, einen Anteil von rund 5 Prozent an dem in Shanghai ansässigen Hotelbetreiber und Franchisegeber Huazhu Group für 451 Millionen US-Dollar verkauft zu haben. Weitere 5 Prozent verbleiben noch in der Hand des französischen Hotelkonzerns und CEO Sebastien Bazin wird weiterhin im Vorstand von Huazhu verbleiben. Auf ahgz-Anfrage ordnet Hotelmarkt-Experte Prof. Dr. h.c. Stephan Gerhard, auch CEO der Solutions Holding mit Sitz in München, diese Entwicklung ein:

Was bedeutet das für den Markt?

Stephan Gerhard: Alle Prognosen gehen davon aus, dass sich die Reiseintensität der asiatischen Nachfrage und hier insbesondere der Chinesen in den nächsten Jahren signifikant erhöhen wird. Getrieben wurde dieses Wachstum bisher vorrangig vom Freizeittourismus. Aber in letzter Zeit macht sich ein weiterer Wachstumstreiber deutlicher als bisher bemerkbar: die Geschäftsreisen.

Warum ist die Hotellerie ein wichtiges Standbein?

Stephan Gerhard: Die neue Wirtschaftskraft Chinas entfaltet sich mehr und mehr auch außerhalb der eigenen Grenzen, und damit steigt der Übernachtungsbedarf dort, wo chinesische Firmen investieren, planen, bauen, produzieren – also nahezu überall in der Welt, betont Gerhard. Parallel gibt es in China zwischenzeitlich eine gute Know-How-Basis im Hotelmanagement, insbesondere auch aus den Joint Ventures mit den in China tätigen Hotelgesellschaften wie Accor, Marriott und IHG. Und dass sich in China das reine Plattform-Geschäft ebenfalls bestens verstanden und genutzt wird, zeigt sich sehr eindrucksvoll an Alibaba und Co.

Wie stark dominieren die Chinesen schon den Markt, worauf müssen sich andere Player eingestellen?

Stephan Gerhard: Derzeit sieht es nun ganz danach aus, dass chinesische Konzerne, oft eng verwoben mit dem Staat selbst, die Vorherrschaft der Amerikaner und Europäer brechen und mit ihrer im Inland stark gewachsenen Wirtschaftskraft zumindest die rasant wachsende Nachfrage aus China selbst abschöpfen will. Vor diesem Hintergrund, und auch unter Berücksichtigung der Markenaffinität der Chinesen, macht natürlich der Kauf von Steigenberger noch mehr Sinn als nur unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Parameter. Damit wurde aber nur ein mittelgroßer, regional begrenzt tätiger Player erworben; es kann und muss daher davon ausgegangen werden, dass in den nächsten Jahren weitere Gesellschaften bzw. Marken übernommen werden und damit die eigene Präsenz im weltweiten Tourismussektor ausgebaut wird. Auf jeden Fall wird immer deutlicher, dass die sich schneller als gedacht formenden chinesischen Hotelkonzerne nicht weiter gewillt sind, den etablierten Kollegen aus Amerika und Europa das Feld zu überlassen. Spannende Zeiten!

 

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