Keine Angst vor digitalen Tools!

Viele Gastgeber befürchten bei Einführung digitaler Anwendungen hohe Kosten, einen großen Aufwand oder haben Hemmungen wegen vermeintlich fehlender Kenntnisse beim Personal. Doch das ist unbegründet.

SvetaZi/iStock

Kaum ein Bereich wurde so massiv durch die Corona-Pandemie vorangetrieben und gepusht wie die Digitalisierung. Hier sind wahre Entwicklungssprünge zu verzeichnen. So auch im Gastgewerbe. Doch wie digitalisiert ist die Branche inzwischen?

Was sind Hemmnisse und was die Treiber in Bezug auf die Digitalisierung? Und welche Tools kommen in Front- und Backoffice am häufigsten zum Einsatz? 

Mit all diesen Fragen hat sich die aktuelle kollex-Gastro-Digitalstudie auseinandergesetzt, die in Zusammenarbeit mit der Hochschule Heilbonn, der Bitburger Brauereigruppe, SkyBusiness Solutions, Visa sowie dem Leaders Club entstanden ist. Im Rahmen der Umfrage wurden mehr als 1000 Gastgeber in Führungspositionen befragt zum aktuellen Stand der Digitalisierung in ihren Betrieben, zu Plänen für die Nutzung digitaler Tools sowie Hürden und Treibern.

Demografische Daten: Wer hat sich an der Studie beteiligt?
Demografische Daten: Wer hat sich an der Studie beteiligt?
kollex GmbH


Als besonders stark treibender Faktor bei der Digitalisierung wird dem nach von 63 Prozent der Befragten die Pandemie genannt. Das ist insofern wenig überraschend, da viele Betriebe die lange Schließzeit im vergangenen Winter und Frühjahr für umfassenden Digitalisierungs- und Umbaumaßnahmen genutzt haben. Gesetzliche Rahmenbedingungen geben 57 Prozent der befragten Gastgeber an, gefolgt von der Aussage, dass Gäste digitale Angebote inzwischen erwarten (51 Prozent).

Scheu vor Kosten und Aufwand sind unbegründet

In Bezug auf die Hürden beim Einsatz digitaler Anwendungen stechen in der Studie besonders zwei Faktoren hervor: die Kosten und der Aufwand. So geben 67 Prozent aller befragten Gastgeber an, dass der finanzielle Aspekt die Einführung digitaler Tools erschwert oder gar verhindert. „Es gibt viele Betriebe, die zwar wissen, dass sie digitale Tools nötig haben, allerdings den finanziellen Aufwand scheuen“, weiß Lothar Menge, Geschäftsführer des Berliner Tech-Start-ups kollex.


Hürden und Treiber für Digitalisierung im Gastgewerbe

Hürden:

  • Angst vor hohen Kosten
  • zu hoher Aufwand befürchtet
  • fehlende Kenntnisse beim Personal
  • gesetzliche Vorschriften
  • fehlende Beratung


Treiber:

  • Corona-Pandemie
  • gesetzliche Rahmenbedingungen
  • Gäste erwarten digitale Angebote
  • Konkurrenzdruck

Quelle: kollex Gastro-Digitalstudie



Dabei ist bei vielen Anbietern keine neue Hardware erforderlich: Gastronomen und Hoteliers können bereits vorhandene Smartphones, Tablets oder Computer nutzen. Zudem sind viele Tools gratis zu bekommen. Oftmals sind nur optionale Erweiterungen kostenpflichtig. Einige Anbieter gewähren auch eine kostenlose Testphase und erleichtern so den Einstieg. Damit lässt sich schnell herausfinden, welche Services und Funktionen sich für die eigenen Ansprüche lohnen. Darüber hinaus gibt es einige staatliche Förderungen sowie günstige Förderkredite etwa über die KfW, die genutzt werden können. Die Scheu vor ausufernden Kosten oder einem zu hohen Aufwand ist also unbegründet.



Ein weiteres Hindernis ist laut Studie für 53 Prozent der Befragten die fehlende IT-Kenntnis beim Personal. Hier lohnt es sich, bei den digitalen Helferlein darauf zu achten, dass diese einfach und intuitiv bedienbar sind. „Eine intuitive Bedienung ermöglicht es den Betrieben, die Umstellungszeit ihres Personals möglichst klein zu halten und sorgt für einen reibungslosen Übergang“, so Menge. „In erster Linie geht es darum, alle Beteiligten zu entlasten und ihnen mehr Zeit für wesentlichere Dinge in ihrem Betrieb zu verschaffen.“ Überhaupt rät der Experte, die Tools einfach mal auszuprobieren: „Der Großteil an Tools ist kostenlos und die Bedienung spielend einfach.“
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Interessant ist auch der Blick auf das Ergebnis hinsichtlich der derzeit genutzten Tools im Back- und Frontoffice. So geben 72 Prozent der Befragten an, dass bargeldlose Bezahlung und E-Payment in ihren Betrieben zum Einsatz kommt. Dahinter folgen die kontaktlose Bezahlung (59 Prozent), aktives Management von Bewertungen (56 Prozent) sowie digitale Marketingaktivitäten (54 Prozent). Die digitale Speisekarte (17 Prozent) sowie die Online-Tischreservierung (24 Prozent) kommen dagegen deutlich seltener zum Einsatz.

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Im Backoffice hingegen stehen Kassensysteme mit Reporting und Kennzahlen an erster Stelle (58 Prozent). Immerhin 32 Prozent der Befragten setzen auf digitale Systeme für Debitoren- und Kreditoren-Buchhaltung. Tools zur Lebensmittelhygiene kommen bei 30 Prozent der Befragten zum Einsatz und die digitale Warenbestellung nutzen 29 Prozent. Immerhin weitere 17 Prozent wollen in den kommenden zwei Jahren ebenfalls auf ein digitales Warenbestellsystem setzen. Personalverwaltungstools kommen bei 26 Prozent der befragten Gastgeber zum Einsatz.
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