Gastbeitrag: "Tarifbindung ist unverzichtbar!...
Gastbeitrag

"Tarifbindung ist unverzichtbar!"

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Jürgen Gangl: „Zu wenig wurde bisher in die richtige Richtung bewegt“
Jürgen Gangl: „Zu wenig wurde bisher in die richtige Richtung bewegt“

Von Jürgen Gangl, 1. Vorsitzender der HDV und General Manager im Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz.

Der DEHOGA Bundesverband plant ein bundes- und branchenweites Ausbildungs-Gütesiegel. Betriebe, die eine hochwertige Ausbildung bieten, sollen damit kenntlich gemacht und ausgezeichnet werden. Mitte November fällt dafür der Startschuss auf der DEHOGA-Delegiertenversammlung. Eine durchaus lobenswerte Initiative, die in Zeiten massiven Nachwuchs- und Fachkräftemangels ein wichtiges Zeichen setzt. Über die inhaltliche Ausgestaltung ist noch nicht viel bekannt. Dennoch geht DEHOGA-Präsident Guido Zöllick davon aus, dass das Siegel der Ausbildungsqualität in Deutschland einen „Schub“ verleihen wird. Zumindest da sind Zweifel durchaus angebracht, zu belastet ist das Image der Ausbildung in Hotellerie und Gastronomie, zu wenig wurde bisher in die richtige Richtung bewegt.

Vor diesem Hintergrund gewinnt ein wesentlicher Aspekt des geplanten Gütesiegels an Brisanz: Es wird auch an Betriebe vergeben, die nicht tarifgebunden sind. Warum wurde das zugelassen? Wachsweich heißt es, die Betriebe müssten „tariforientiert“ bezahlen, was letztendlich nichts anderes bedeutet, als dass jeder agieren kann, wie er will. Da helfen auch Aussagen seitens des DEHOGA nichts, „entscheidend sei, wie ein Betrieb geführt werde“ und man glaube den Aussagen tarifungebundener Unternehmer, dass „Mitarbeiter korrekt und ortsüblich entlohnt würden“. Mit „glauben“ ist es hier nicht getan.

In der heutigen Zeit muss Mindesttarif gezahlt werden, daran führt schon lange kein Weg mehr vorbei. Offizielle Siegel, die Qualität bescheinigen, dürfen nur an Betriebe vergeben werden, die ihre Auszubildenden tarifgebunden bezahlen. Das sollte auch seitens des DEHOGA ohne Wenn und Aber so umgesetzt und kommuniziert werden. Hier wird eine große Chance vertan, das Image unserer Branche auf ein besseres Niveau zu heben. Was heißt das für die Außenwirkung, wenn ein Gütesiegel für eine vorbildliche Ausbildung vom DEHOGA an Hoteliers und Gastronomen vergeben wird, die unter Tarif zahlen? Und was sagt das über unsere Branche? Das Ausbildungs-Gütesiegel jedenfalls ist damit nur die Hälfte wert.

Wir alle kämpfen seit Jahren für ein besseres Image, damit die Branche auch für junge Leute zukünftig ein attraktiver Arbeitgeber bleibt. Wir engagieren uns in der HDV intensiv für den Nachwuchs und sehen es als unsere vordringliche Aufgabe, junge Menschen für die Hotellerie zu begeistern. Unter anderem vergeben wir seit sieben Jahren das Dekra-Zertifikat „Exzellente Ausbildung“ und sind Mitinitiatoren des DHNP.

Deshalb begrüßen wir auch ausdrücklich die lange diskutierte Modernisierung der gastgewerblichen Ausbildungsberufe, die vom DEHOGA nun auf den Weg gebracht wurde. Mit einem zeitgemäßen, modernen Ausbildungsangebot haben wir die Möglichkeit, in der Wahrnehmung junger Menschen an Stellenwert zu gewinnen.

Es ist für den Erfolg unserer Unternehmen entscheidend, Branchennachwuchs zu finden und von den erstklassigen Entwicklungsmöglichkeiten in Hotellerie und Gastronomie zu überzeugen. Glaubwürdigkeit spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die wird aber nicht zuletzt auch an der tariflichen Bezahlung gemessen. Zwar ist jedes Engagement, das junge Leute anspricht und das Image fördert, willkommen. Aber sicher nicht um jeden Preis.



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