Unbezahlte Überstunden?: The Fontenay nimmt e...
Unbezahlte Überstunden?

The Fontenay nimmt erneut Stellung

The Fontenay Hamburg
Will ein guter Arbeitgeber sein: The Fontenay in Hamburg
Will ein guter Arbeitgeber sein: The Fontenay in Hamburg

Das Hotel will die Vorwürfe endgültig aus dem Weg räumen und kündigt rechtliche Schritte gegen die Anschuldigungen an.

HAMBURG. Nach dem jüngsten Wirbel um möglicherweise unseriöse Arbeitsbedingungen im Hotel The Fontenay und der zeitweiligen Stilllegung der Mitgliedschaft bei der Initiative Fair Job Hotels melden sich nun beide Parteien nochmals zu Wort. Der Tenor der Statements lautet: Die Angestellten des Hamburger Luxushotels werden übertariflich bezahlt und gut behandelt - daran zweifle auch die Initiative Fair Job Hotels (FJH)  nicht mehr.

 „Der von uns verwendete Muster-Arbeitsvertrag ist mit größter Sorgfalt und mit fachkundiger Beratung eines auf Arbeitsrecht spezialisierten Rechtsanwalts im Jahr 2017 erstellt worden. Der Muster-Arbeitsvertrag ist arbeitsrechtlich unter keinem Gesichtspunkt zu beanstanden und ist entsprechend im Zuge arbeitsrechtlicher Auseinandersetzungen zu keinen Zeitpunkt arbeitsgerichtlich beanstandet oder gar ganz oder in Teilen für unwirksam erklärt worden“, teilt das Hotel The Fontenay mit. Weiter heißt es in dem Statement des Hotels an die ahgz, dass somit alle Vorgaben für eine Mitgliedschaft in der Initiative Fair Job Hotels erfüllt seien.

Die Initiative betont in einem eigenen Statement: „Das Ruhen der Partnerschaft erfolgte aufgrund der kontrovers geführten medialen Diskussion bezüglich einer Personalveränderung im Hotel, die mittlerweile jedoch beigelegt ist. Der FJH-Vorstand sah sich zu diesem Schritt im Hinblick auf den Vereinszweck und seine Statuten bis zu weiteren Klärung veranlasst.“

Pauschale Überstunden-Abgeltung

Das Hotel The Fontenay kündigte zudem an, gegen die Veröffentlichungen unter dem unter dem Hashtag #Hotelleaks rechtliche Schritte zu unternehmen. Dort wurde das Hotel mit dem Vorwurf konfrontiert, Überstunden nicht korrekt abzugelten. Die Vorwürfe seien ohne berechtigten Anlass und ohne jedwede Grundlage erhoben worden – die kritisierten Arbeitsvertragsregelungen benachteiligten nicht die Arbeitnehmer, sondern seien eine wichtige Hilfestellung bei der Bewältigung der steigenden Lebenshaltungskosten und damit ein wesentlicher Beitrag zur Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit. „Wir erachten es nicht nur als fair, sondern als angemessen und geboten, eventuell abzuleistende Überstunden in einem arbeitsvertraglich festgelegten Umfang monatlich zu bezahlen, anstatt nur tatsächlich angefallene Überstunden finanziell oder in Freizeit abzugelten.“ Die Veröffentlichung hingegen hatte dem Arbeitgeber unterstellt, die Mitarbeiter auszubeuten.

Das Hotel erläutert seine Überstundenvergütung so: Über die "bereits übertarifliche Festvergütung hinaus zahlen wir zusätzlich mit jedem Monatsgehalt einen Erhöhungsbetrag zur Abgeltung eines bestimmten monatlichen Überstundenumfanges. Dieser Erhöhungsbetrag berechnet sich aus einer ermittelten durchschnittlichen Überstundenanzahl multipliziert mit dem übertariflichen Stundensatz." Auf diese Weise soll der Arbeitnehmer über seine bereits übertarifliche Bezahlung hinaus eine sichere Vergütung geleisteter Überstunden erhalten, unabhängig davon, ob in dem jeweiligen Monat tatsächlich Überstunden anfallen. Die hierdurch erhöhte Bruttomonatsvergütung komm auch in solchen Monaten in voller Höhe zur Auszahlung, in denen weniger als die durchschnittlich anfallenden Überstunden geleistet werden und sogar selbst dann, wenn überhaupt keine Überstunden geleistet werden. "Zudem richten sich das Urlaubsentgelt und die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall nach der erhöhten, also die Vergütung von Überstunden berücksichtigenden Bruttomonatsvergütung, womit unsere Arbeitnehmer auch in solchen Zeiträumen von diesem Erhöhungsbetrag profitieren, in dem sie sicher keine Überstunden leisten können", heißt es weiter.

Das Hamburger Luxushotel The Fontenay, erbaut von Unternehmer Klaus-Michael Kühne, ist im Herbst 2017 eröffnet worden. Seitdem geriet das 5-Sterne-Hotel, das als Aushängeschild der deutschen Hotellerie gilt, des Öfteren in die Schlagzeilen - aber nicht nur wegen der hohen Investitionssumme, grandiosen Bauweise und des besonderen Standorts. Der Architekt erhob öffentlich Vorwürfe wegen angeblich ausstehender Zahlungen. Zuletzt warf Ex-Küchenchef Cornelius Speinle dem Eigentümer Klaus-Michael Kühne rigide Sparzwänge vor, als er im Oktober 2019 das Unternehmen verließ.

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