Tourismus in Sachsen: Beklemmendes Fazit in Z...
Tourismus in Sachsen

Beklemmendes Fazit in Zeiten der Pandemie

IMAGO / Volker Preusser
Auch die Semperoper in Dresden, Aushängeschild des sächsischen Tourismus, empfängt seit Ausbruch der Pandemie weniger Besucher.
Auch die Semperoper in Dresden, Aushängeschild des sächsischen Tourismus, empfängt seit Ausbruch der Pandemie weniger Besucher.

Die Tourismusbranche kämpft mit den Auswirkungen von Corona. Der Landestourismusverband Sachsen (LTV Sachsen) geht von einem volkswirtschaftlichen Verlust von zirka 3,5 Milliarden Euro im Freistaat aus.

"Der Tourismus hat eine große Bedeutung für die Standort- und Lebensqualität in Sachsen. Nach den hohen Verlusten der letzten beiden Jahre wird Unterstützung mehr denn je gebraucht, damit auch in Zukunft gesunde Unternehmen und Tourismusorte zu wirtschaftlichen Perspektiven unserer Städte und Regionen beitragen können", sagte Jörg Markert, Präsident des LTV Sachsen und MdL.

Rückläufige Zahlen

Nach dem ersten Coronajahr 2020, einem langen Lockdown in Winter und Frühjahr 2021 konnte der Tourismus erst wieder in den Monaten Mai und Juni langsam starten. Bis zum Oktober 2021 kamen rund 3,8 Millionen Gäste, etwa 47 Prozent weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019. Bei den Übernachtungen wurden rund 11 Millionen Übernachtungen registriert, ein Minus von 37 Prozent im Vergleich zu 2019.

Rückblickend stellt der LTV Sachsen fest, dass die Übernachtungsnachfrage in den Sommermonaten erwartungsgemäß gestiegen ist. Die Destination hat es in den Monaten Juni bis August 2021 gegenüber dem Jahr 2019 bereits wieder auf 80 Prozent des Übernachtungsvolumens gebracht. Das steht für eine hohe Attraktivität der einzelnen Ziele und beweist, dass eine schnelle Erholung möglich ist.


Aber die Nachfrage von ausländischen Gästen entwickelt sich im Gegensatz zur Inlandsnachfrage zurückhaltend. Im Vergleich zum Jahr 2019 buchten diese Zielgruppen bis zum Oktober 2021 gut 44 Prozent weniger Übernachtungen. Die Auswirkungen sind besonders im Städtetourismus spürbar. Zudem ging am Jahresende das wichtige Geschäft zur Weihnachtszeit und dem Jahreswechsel aufgrund des Lockdowns im Bundesland fast verloren.

Neben den Übernachtungsreisen ist auch der Tagestourismus betroffen, der ganzjährig für eine kontinuierliche Auslastung vieler Tourismus- und Freizeitbetriebe sorgt. Die privaten Tagesreiseaktivitäten haben sich seit Ausbruch der Pandemie deutlich reduziert: Ein völliger Stillstand der Tagesausflüge ist zwar nicht eingetreten, jedoch liegen Besuchervolumen und Ausgaben der Gäste weiter unter den Werten von 2019. Der Tagestourismus verliert damit 1,62 Milliarden Euro Umsatz. Die Outdoor-Aktivitäten sind nach wie vor überdurchschnittlich stark ausgeprägt, damit steigt die Bedeutung der öffentlichen Infrastruktur.
„Sächsische Gastgeber sind hochmotiviert, Gäste zu empfangen und mit Gastfreundschaft zu punkten.“
Jörg Markert, Präsident des LTV Sachsen und MdL

Aktuelle Wirtschaftsstudien zeigen, dass besonders Kleinstunternehmen unter der Situation leiden und die Perspektiven skeptisch bewerten. Neben einer kleiner werdenden Eigenkapitaldecke kämpfen die Betriebe mit der anhaltenden Arbeits- und Fachkräfteabwanderung. Derzeit scheint das Rettungsnetz staatlicher Hilfen bei den Beherbergungsbetrieben zu wirken: Bisher ist nur ein kleiner Rückgang an Bettenangeboten von Minus 1,1 Prozent zu verzeichnen. In Vergleich dazu wurden bundesweit minus 3,6 Prozent registriert.

Positive Signale

Ein weiterer Lichtblick ist die Gästezufriedenheit, die zeigt sich in Sachsen stabil. "Der Fakt signalisiert, dass sächsische Gastgeber hochmotiviert sind, Gäste zu empfangen und mit Gastfreundschaft zu punkten“ schlussfolgert Markert.

Der LTV Sachsen prognostiziert, dass der Tourismus noch mindestens drei Jahre mit den Auswirkungen zu kämpfen hat. Angesichts der Bedeutung des Tourismus als wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor braucht die Branche nachhaltige Unterstützung. Im Fokus muss der Erhalt und die Stärkung der Leistungsfähigkeit bei Unternehmen, Tourismusorten und Tourismusorganisationen liegen.

Der Landesverband  fordert vor diesem Hintergrund im Rahmen der Diskussion zum nächsten Doppelhaushalt des Freistaates Sachsen ein klares Bekenntnis zum Tourismus und eine Verstetigung der Haushaltsmittel auf dem Niveau von 2021/2022 zur Unterstützung der Branche.

Als Dachverband repräsentiert der LTV Sachsen rund 4500 direkte und indirekte Mitglieder aus dem gesamten Dienstleistungssektor. Der Tourismus erwirtschaftete in Sachsen vor der Pandemie einen Jahresumsatz von 8,1 Milliarden Euro, der 194.000 Menschen Beschäftigung sicherte.

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