Weinlese

Winzer ernten mehr

IMAGO / Sylvio Dittrich
Im Staatsweingut Schloss Wackerbarth ernten die Winzer in der Premiumlage Sachsens die Trauben für die Traminer Spätlese des Jahrgangs 2022.
Im Staatsweingut Schloss Wackerbarth ernten die Winzer in der Premiumlage Sachsens die Trauben für die Traminer Spätlese des Jahrgangs 2022.

Der goldene Herbst lässt die Winzer jubeln. In den kleineren Weinanbaugebieten Deutschlands werden bereits Erntebilanzen gezogen und die übertreffen alle bisherigen Prognosen. In den meisten Gebieten konnten die Erträge deutlich gesteigert werden. Kunden müssen sich trotzdem auf Preissteigerungen einstellen, die Inflation treffe die Winzer stark.

Anders als zunächst erwartet ziehen die fränkischen Winzer eine positive Bilanz der diesjährigen Ernte. Die Trauben seien gesund, sagten Weinbauvertreter im unterfränkischen Veitshöchheim (Landkreis Würzburg). Gerettet worden seien die Trauben durch viel Regen im April und September sowie durch moderate Nachttemperaturen auch an heißen Sommertagen. "Wir waren alle überrascht, wie viel Saft in den Beeren ist", sagte Beate Leopold, Geschäftsführerin des Weinbaurings Franken.

Vor allem der Regen im September kam überraschend. Noch zu Beginn der Weinlese hatte der Fränkische Weinbauverband von einem schwierigen Jahrgang gesprochen. Das sieht nun anders aus: Menge und Qualität kämen an frühere Jahrgänge heran, schätzen Experten. Sie rechnen mit einem Ertrag von durchschnittlich 7500 Liter pro Hektar, was dem langjährigen Mittel entspricht. Der Ertrag schwanke aber stark zwischen den Weingütern.

Auch der Alkoholgehalt werde nicht zu hoch ausfallen, schätzen die Experten. Wenig Regen führt oft zu einem hohen Mostgewicht: Die Inhaltsstoffe der Trauben müssen sich auf weniger Volumen verteilen - damit steigt der Alkoholgehalt. Der Septemberregen konnte den Most aber verdünnen.

Obwohl die Erntemenge gut ist, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher damit rechnen, dass Wein teurer wird, wie Weinbaupräsident Artur Steinmann sagte. "Die Summe der vielen Preissteigerungen spüren wir Winzer stark." 

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Beste Bedingungen in Baden-Württemberg

"Der trockene und sonnenreiche Sommer hat beste Bedingungen für reife und gesunde Trauben geliefert", sagte der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands, Roman Glaser, in Esslingen. Mit rund 75 Millionen Litern Lesemenge in Württemberg falle der Ertrag deutlich höher aus als im schwachen Vorjahr (61,5 Millionen Liter) und sei im Mehrjahresvergleich zufriedenstellend.

Schon zuvor hatten die Winzergenossenschaften im Anbaugebiet Baden eine Lese von rund 90 Millionen Litern und damit rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr prognostiziert. In beiden Anbaugebieten werden rund zwei Drittel der Rebflächen genossenschaftlich bewirtschaftet.

Bessere Qualitäten in Sachsen

Die Lese im sächsischen Elbtal zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz steht vor dem Abschluss. Der Großteil der Weingüter sei schon fertig oder kurz vor dem Ende, sagte der Vorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen, Felix Hößelbarth, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Mit Anfang Oktober liege man etwa zwei Wochen früher als normal. Es sei eine relativ schnelle, kurze und zeitige Lese geworden - und im Ergebnis besser als erwartet: "Es wird ein guter Jahrgang, in Qualität und Menge."

Laut Hößelbarth wird die ursprüngliche Prognose etwas übertroffen. "Es ist geringfügig weniger als die letzte Ernte, und wir gehen so von 2,3 bis 2,4 Millionen Litern für Sachsen aus." Das seien fünf bis zehn Prozent weniger als 2021. Aber die Qualität sei besser.

Trockenheit in Niedersachsen

Die Weinlese im vergleichsweise jungen Anbaugebiet Niedersachsen ist beinahe abgeschlossen - mit überwiegend steigenden Erträgen. Die meisten Winzer im Land hätten mehr geerntet als ein Jahr zuvor, weil die Erträge bei jungen Pflanzen von Jahr zu Jahr langsam stiegen, sagte Jan Brinkmann, Winzer aus Bad Iburg im Landkreis Osnabrück und Vorsitzender des niedersächsischen Weinbauverbandes, der dpa. "Es sieht sehr gut aus." Allerdings habe die Menge etwas unter der Trockenheit gelitten, vor allem in der Lüneburger Heide und rund um Hannover. Konkrete Zahlen zur Weinlese gab es nicht.

"Wer keinen Wassermangel hatte, war sehr zufrieden mit diesem Jahr", sagte Brinkmann. Vor allem in der Heide aber sei es so trocken gewesen, dass die Pflanzen nicht weiter gewachsen seien. Der Winzer hat nach eigener Aussage beinahe seinen Wein nicht vermarkten dürfen, weil die Qualität und der Alkoholgehalt fast zu hoch gewesen seien. Hintergrund ist das Weingesetz, das ein niedersächsisches Landweingebiet bisher nicht vorsieht. Daher darf der Wein nicht regional gekennzeichnet sein, sondern nur als deutscher Wein. Außerdem darf kein Wein mit einem Alkoholgehalt über 15 Prozent vermarktet werden. 

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