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Tripadvisor macht sich durchsichtig

Die Anzahl gefälschter Bewertungen - und wie diese entdeckt und gelöscht werden. Darüber gibt die Reiseplattform erstmals Auskunft. Dafür gibt's Lob vom IHA.

MÜNCHEN. Das Reiseportal Tripadvisor mit seinen zig Millionen Bewertungen von Hotels, Restaurants und anderen Angeboten der Tourismusbranche, veröffentlicht erstmals einen Transparenzbericht. Dieser gibt Einblick in Details der Moderationsprozesse von Bewertungen sowie statistische Daten zur Anzahl der Fälschungsversuche im Jahr 2018.

Die wichtigsten Ergebnisse

66 Millionen Bewertungen wurden laut Portal im Jahr 2018 auf Tripadvisor eingereicht. Jede einzelne werde mittels moderner Analysetechnik überprüft und 2,7 Mio. Erfahrungsberichte würden zusätzlich von einem Moderationsteam kontrolliert.

Dabei würden 4,7 Prozent (rund 3,1 Mio.) aller eingereichten Bewertungen abgelehnt oder gelöscht – entweder durch das Prüfsystem oder durch das Moderationsteam. Es gebe eine Vielzahl an Gründen, warum Tripadvisor hier aktiv wird. Das beginnt bei Verstößen gegen die Richtlinien und reicht bis hin zu Bewertungsbetrug.

Nur ein geringer Anteil aller eingereichten Erfahrungsberichte – 2,1 Prozent – seien als gefälscht identifiziert worden. Die große Mehrheit der Fälschungen  (73%) sei bereits vor der Veröffentlichung abgefangen worden. Dies seien mehr als 1 Mio. gefälschter Bewertungen, die niemals auf Tripadvisor sichtbar waren, so das Portal in seinem Bericht.

Mitglieder oder Betriebe hätten weniger als 1 Prozent der Reviews wegen möglicher Richtlinienverstöße gemeldet. Das Moderationsteam habe die meisten dieser Meldungen innerhalb von sechs Stunden nach ihrer Übermittlung überprüft.

35.000 Unternehmen wurden herabgestuft

Knapp 35.000 Unternehmen wurden laut Tripadvisor 2018 mit einer Herabstufung im Ranking belegt. Dies bedeutet, dass ein Betrieb vorübergehend seine eigentliche Position im Beliebtheitsranking verliert. Diese Strafmaßnahme kommt zum Einsatz, wenn ein Unternehmen dabei erwischt wird, gefälschte Bewertungen zu veröffentlichen.

Der Transparenzbericht informiert zudem darüber, was Tripadvisor alles unternimmt, um bezahlten Bewertungsbetrug zu unterbinden. Bezahlter Bewertungsbetrug kann sowohl von Einzelpersonen oder Unternehmen angeboten werden und zielt darauf ab, Bewertungen von vermeintlichen Nutzern an Betriebe zu verkaufen, die auf der Plattform gelistet sind.

Gefängnis für Fälscher

Seit 2015 habe Tripadvisor die Aktivitäten von mehr als 75 Webseiten gestoppt, die beim Versuch, Bewertungen zu verkaufen, erwischt worden seien. Darunter eine Person, die im vergangen Jahr im italienischen Lecce zu neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

Im Rahmen der Transparenzinitiative will das Portal künftig weitere Einblicke in die Moderationsprozesse und in die Betrugsermittlungen geben - auf dem Tripadvisor Insights Blog.

Der Hotelverband Deutschland (IHA) würdigt die Aktivitäten des Reiseportals: „Bewertungen sind für Millionen von Tourismusunternehmen auf der ganzen Welt von enormer Bedeutung. Daher ist es sehr ermutigend zu sehen, dass eine große Bewertungsplattform so detaillierte Informationen über ihre Prüfmechanismen und Resultate veröffentlicht. Wir arbeiten bereits seit einiger Zeit zusammen mit Tripadvisor daran, Betrügern das Handwerk zu legen und werden dies auch weiterhin tun. Dieser Transparenz-Report ist etwas, wofür wir uns stark gemacht haben, denn Webseiten wie Tripadvisor spielen zusammen mit den offiziellen Hotelklassifizierungen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Gäste in ihren Buchungsentscheidungen zu leiten. Dies ist ein wichtiger Schritt für die Branche und wir hoffen, dass andere Bewertungsplattformen dem Beispiel von Tripadvisor folgen werden“, so IHA-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe.

Mitbewerber sollen nachziehen

Tripadvisor-Sicherheitschefin Becky Foley: „Sicherzustellen, dass Tripadvisor eine vertrauenswürdige Plattform für unsere Nutzer sowie gelistete Unternehmen ist, hat höchste Priorität. In den vergangen Jahren haben wir stetig Verbesserungen an unserem branchenführenden Betrugserkennungssystem vorgenommen, aber es bleibt ein tägliches Ringen und wir sind weitentfernt davon uns damit zufriedenzugeben. Obwohl wir den Kampf gegen gefälschte Bewertungen auf Tripadvisor gewinnen, können wir nur unseren Bereich des Internets schützen."

Darum nimmt die Managerin nimmt ihre Mitbewerber in die Pflicht und fordert sie auf, es Tripadvisor nachzutun: "Solange andere Bewertungsplattformen keine starken Maßnahmen ergreifen, werden Betrüger weiterhin kleine Unternehmen ausbeuten und erpressen. Es ist an der Zeit, dass andere Plattformen wie Google und Facebook Initiative ergreifen und uns darin unterstützen dieses Problem anzugehen."  red/hz

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