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Ulli Kastner: "Wir haben noch viel vor mit myhotelshop"

Myhotelshop.de
Sieht eine Stärkung des Unternehmens: Ulli Kastner.
Sieht eine Stärkung des Unternehmens: Ulli Kastner.

Der Gründer und CEO von myhotelshop, Ulli Kastner, hat sein Unternehmen überraschend verkauft. Was dahinter steckt, verrät er Rolf Westermann.

 

Ulli, nach fast 10 Jahren hast Du dein Unternehmen veräußert. Was sind die Gründe?

Kastner: Wir haben bei myhotelshop 10 Jahre vor allem in Deutschland ein technisch skalierbares Produkt aufgebaut. Dies international auszubauen ist wahnsinnig teuer und aufwändig im Vertrieb. Andere Firmen holen sich dafür Geld am Venture Capital Markt. Daran glauben wir aber nicht bei myhotelshop. Rategain war einfach ein perfektes Match für uns hier schnell und fokussiert das anzugehen. Unsere Angebote ergänzen sich beidseitig. Wir können wunderbar voneinander profitieren ohne riesige Investments zu tätigen. Und natürlich haben auch die anderen Rahmenbedingungen gepasst, wie Erhalt der Marke, Weiterentwicklung des Teams und Kaufpreis.

 

„Nur wer eine kritische Größe erreicht, wird wettbewerbsfähig bleiben.“
Ulli Kastner, myhotelshop.

Der Käufer heißt Rategain, es ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Wie kannst Du das Unternehmen dem Nicht-IT-Experten erklären?

Kastner: Rategain hat viele Ähnlichkeiten zu myhotelshop. Bhanu Chopra hat es vor 17 Jahren gegründet und ist heute noch Mehrheitseigentümer. Man war immer Cashflow positiv. Es existieren familiäre Strukturen trotz der Größe. Vor Jahren hat man als Channelmanager angefangen. Heute ist man vor allem im Bereich Rateshopping, Wettbewerb Preismonitoring und Umsatzoptimierung mit Software Produkten für die gesamte Reisebranche (inkl. Airlines, Mietwagen, etc.) tätig. Zudem hat man auch ein sehr einzigartiges Social Media Tool für Hotels. Mit unserem Digital Marketing Produkt füllen wir genau die Lücke in der Customer Journey zwischen Distribution und Social Media Reichweite. Das Unternehmen agiert vor allem in Amerika und Asien, zwei Märkte die für uns sehr interessant sind. Wir wiederum sind mit unserer Europäischen Kundenbasis sehr interessant für Rategain. Rategain ist groß, aber keine riesiger Konzern. Wir liegen kulturell sehr nahe beieinander. All das hat uns sehr gut gefallen und vice versa.

 

Rategain soll mit etwa 50 Mio. Euro Jahresumsatz etwa achtmal größer sein als myhotelshop. Warum war Eigenständigkeit keine Option?

Kastner: Wir haben ein erfolgreiches und profitables Produkt. Aus Corona sind wir dank der Staatshilfen sehr gesund hervorgegangen. Eigenständigkeit war absolut eine Option. Nur wäre der nächste Schritt auch sehr intensiv gewesen. Der Markt verändert und konsolidiert sich. Technik entwickelt sich schnell und wird günstiger. Mitarbeitersuche schwieriger. Große Player erhöhen den Druck auf lokale Player. Das werden alle Marktteilnehmer bald schmerzhaft spüren. Nur wer eine kritische Größe erreicht, wird wettbewerbsfähig bleiben. Diesen Schritt hätte ich uns durchaus zugetraut bei 5 Mio. Euro Umsatz und 1 Mio. Euro Profit pre-Corona. Aber mit Rategain waren wir in der luxuriösen Situation, dass wir all dies mit einem starken Partner lösen können. Und wollen wir mal ehrlich sein - nach 10 Jahren, in denen ich nicht einen meiner Anteile verkauft habe, war natürlich auch der finanzielle Aspekt mit ausschlaggebend. Da muss man ja nicht um den heißen Brei herumreden. Jeder, der mich kennt, weiß aber, dass dies allein nicht ausschlaggebend ist. Wir und ich haben noch viel vor mit myhotelshop.

 

Heißt das neue Unternehmen Rategain oder bleibt die Marke myhotelshop erhalten?

Kastner: Die Marke bleibt erhalten. Rategain hat diverse Firmen gekauft (bsp. BCV Social oder DHISCO). Alle Marken sind noch am Markt und unter dem Dach der Rategain Holding.

 

Wie ist deine künftige Funktion?

Kastner: Meine Rolle bleibt die Gleiche. Nur nenne ich mich jetzt „General Manager und EVP Adtech“. Da ich aber noch nie viel auf Titel gegeben habe, sondern mehr auf Verantwortlichkeiten Wert lege, kann ich sagen, dass mein Verantwortungsbereich gleich bleibt.

 

Welchen Service bietet das Unternehmen und welchen Kundenfokus setzt ihr?

Kastner: In Deutschland bleibt alles beim alten. Da ändert sich wirklich gar nichts im Produkt oder Geschäftsmodell. Unter der Haube passiert aber einiges. Wir können sehr viel der existierenden Rategain-Technik nutzen, um die Marketingaktivitäten gerade auf Metasuchen zu optimieren. Beispiel: Wir finden über den rateshopper einen günstigeren Preis auf einer OTA. Diesen erfassen wir, passen automatisch den Preis auf der Webseite der auf trivago oder google dargestellt wird nach unten an, und „retten“ so die Buchung auf Direkt. Das kann bisher so gut wie keiner. Und im Marketing Bereich können wir nun in Zukunft auch Social Media Komponenten anbieten, was bisher nicht Teil unserer Lösung war. Aber unsere Grundphilosophie bleibt - wir wollen das Direktgeschäft für Hotels ausbauen, Distributionskosten senken und in der Zusammenarbeit bei aller Software menschlich bleiben.

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