Gastbeitrag: "Überstunden auf Null setzen"
Gastbeitrag

"Überstunden auf Null setzen"

Hotel
Jörg Möhrle: Die Arbeitszeitkonten aller Mitarbeiter werden regelmäßig komplett ausgeglichen
Jörg Möhrle: Die Arbeitszeitkonten aller Mitarbeiter werden regelmäßig komplett ausgeglichen

Jörg Möhrle, Wellnesshotel Tanne, Baiersbronn-Tonbach, zu den NGG-Vorwürfen gegen das Gastgewerbe rund ums Thema Arbeitszeiten.

Seit Jahren ärgere ich mich über die unfaire Berichterstattung über unsere Branche. Auch wenn bei der Vielzahl an Gastrobetrieben in Deutschland von einigen auch Fehler gemacht werden, muss die Presse doch nicht unbedingt immer und immer wieder den haltlosen, überzogenen Statements der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) folgen. Gefühlt wird einmal pro Monat von der NGG eine Attacke gegen die gastliche Branche geritten und von der Presse ohne zu hinterfragen verbreitet. Ist das die Art einer Minigewerkschaft, auf sich aufmerksam zu machen?

Zu den NGG-Vorwürfen: Derzeit sind bei unseren Etagenmitarbeitern und Rezeptionsmitarbeitern keine Überstunden registriert. Im Restaurant arbeiten zwölf Mitarbeiter mit insgesamt 41 Überstunden. Das sind 3,4 Überstunden pro Mitarbeiter. Diese Überstunden laufen jeweils pro Mitarbeiter auf 8 Stunden zusammen und werden dann als Guttag regelmäßig abgebaut. Somit sind immer ein paar Überstunden im Dienstplan verzeichnet, die allerdings immer wieder auf Null (zusätzlicher freier Tag pro Woche) zurückgesetzt werden und sich dann wieder nach und nach zum Guttag aufsummieren.

In unserer Küche arbeiten 22 Mitarbeiter dort sind aktuell 31 Überstunden verzeichnet. Zum 1. April (Termin wurde von uns so festgelegt) jeden Jahres müssen die Arbeitszeitkonten aller Mitarbeiter komplett ausgeglichen sein. Alle Überstunden werden registriert und als Guttage ausgeglichen.

Zu einer möglichen Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes: Im Falle einer Flexibilisierung würden wir bei Bedarf die möglichen 12 Stunden an mehreren Tagen in der Woche ausschöpfen und unseren Mitarbeitern dafür einen zusätzlichen freien Tag in derselben Woche einräumen. Das heißt also, im Falle einer planbaren Veranstaltung würden Mitarbeiter 2 Tage à 12 Stunden arbeiten und 2 Tage à 8 Stunden – danach hätten sie drei Tage frei (anstatt zwei). Im Falle von kurzfristiger Krankheitsvertretung oder unplanmäßigen Veranstaltungen (zu späte Anreise etc.) müssten die Stunden notiert werden und dann kurzfristig (von mir aus auch gesetzlich festgelegt) als Gutstunden abgegolten werden.

Ich gehe davon aus, dass meine Ausführungen einen Einblick in die Mitarbeiterführung eines durchschnittlichen deutschen Hotelbetriebes geben. Bei 320.000 Betrieben in Deutschland wird es immer einige geben, die sich nicht an die Regeln halten. Es ist völlig illusorisch, zu glauben, man könne daran etwas ändern.

Fest steht aber auch: Durch die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt werden die Unternehmen, die mit ihren Mitarbeitern nicht fair umgehen, allergrößte Schwierigkeiten bekommen.

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