Tourismus in Not: Verbände fordern Gipfel im ...
Tourismus in Not

Verbände fordern Gipfel im Bundeskanzleramt

Eugen Wais/Colourbox.de
Ein Treffen soll her: Die touristischen Verbände wollen im Kanzleramt über die Zukunft der Branche reden
Ein Treffen soll her: Die touristischen Verbände wollen im Kanzleramt über die Zukunft der Branche reden

In Deutschlands Reisebranche und Gastgewerbe stehen mehr als eine Million Arbeitsplätze auf dem Spiel. Kanzlerin Angela Merkel ist aufgerufen, für schnelle Finanzhilfen zu sorgen.

BERLIN. Die Tourismuswirtschaft funkt "SOS" an die deutsche Politik. Denn viele Betriebe stehen aufgrund der Coronakrise vor dem Aus - völlig unverschuldet, weil ihnen durch Reiseverbote die Geschäftsgrundlage entzogen worden ist. Gemeinsam fordern die touristischen und gastgewerblichen Verbände nun einen Tourismusgipfel unter Leitung der Bundeskanzlerin.

"Ein beträchtlicher Teil des deutschen wirtschaftlichen Mittelstands läuft Gefahr innerhalb weniger Wochen komplett wegzubrechen"#/ZITAT#

"Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wir müssen reden. Wir sehen uns mit einer Krise dramatischen Ausmaßes konfrontiert, in der wir schnellstmöglich Hilfe benötigen. Ein beträchtlicher Teil des deutschen wirtschaftlichen Mittelstands läuft Gefahr innerhalb weniger Wochen komplett wegzubrechen. Über eine Million Arbeitsplätze sind unverschuldet in Gefahr geraten. Die Rücklagen sind aufgebraucht. Ohne einen Rettungsfonds mit schnellen, direkten Finanzhilfen werden wir es nicht schaffen", appelliert Dr. Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW).

Sechs Verbände sprechen mit einer Stimme

Den Forderungen haben sich weitere Verbände angeschlossen: Der Dehoga, der Hotelverband Deutschland (IHA), der Deutsche Reiseverband (DRV), der Deutsche Tourismusverband DTV) und der Verband Internet Reisevertrieb (VIR). Sie alle stehen für Reisebüros, Reiseveranstalter, Fluggesellschaften und Busunternehmen, Hotels, Restaurants und weitere Akteure des Deutschlandtourismus, denen in den vergangenen Monaten aufgrund der Corona-Krise die Geschäftsgrundlage weggebrochen ist. 

Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) erklärt die Besonderheit der Reisewirtschaft: "In vielen Wirtschaftszweigen, etwa im Einzelhandel, konnte ab dem Tag des Shutdowns de facto kein Umsatz mehr generiert werden. Um ein vielfaches dramatischer stellt sich aber die Lage von Reisebüros und Reiseveranstaltern dar. Hier wurden bereits abgeschlossene Buchungen aufgrund der Reisewarnung nachträglich annulliert – was enorme Rückerstattungsforderungen der Kunden zur Folge hatte. Dies hat, neben dem komplett weggebrochenen Neugeschäft, die finanzielle Belastbarkeit der Reisebüros und Reiseveranstalter deutlich überfordert. Sie leiden noch zusätzlich unter der Planungsunsicherheit und der fehlenden Perspektive zur Öffnung touristischer Destinationen."

"Vermieter von Ferienwohnungen, Betreiber von Campingplätzen, Gästeführer, Schausteller und andere Akteure stehen vor dem Ende ihrer wirtschaftlichen Existenz"#/ZITAT#

Auf einem Tourismusgipfel müsste aus Sicht der Verbände daher vor allem diskutiert werden, welche auf die Tourismus- und Reisewirtschaft, Busunternehmen, Hotellerie, Gastronomie und die Vielfalt des Deutschlandtourismus zugeschnittenen finanziellen Unterstützungsmaßnahmen aufgelegt werden müssen, um das Überleben der Branche zu sichern. "Gerade die Vielfalt unserer Branche macht spezielle und passgenaue Fördermaßnahmen unerlässlich. Aber die Vermieter von Ferienwohnungen, die Betreiber von Campingplätzen, die Gästeführer, Schausteller und viele andere Akteure – für sie gibt es auch nach acht Wochen keine Unterstützung und sie stehen daher vor dem Ende ihrer wirtschaftlichen Existenz. Wir brauchen einen Rettungsschirm und ein wirksames Konjunkturprogramm", sagt Reinhard Meyer, Präsident des Deutschen Tourismusverbandes (DTV). 

Die Branche stellt 3 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland

Die Verbände verweisen in einer gemeinsamen Erklärung noch einmal darauf, was wirtschaftlich auf den Spiel steht. Mit insgesamt rund 3 Mio. Beschäftigten hierzulande liege der Tourismus auf Augenhöhe mit der Automobil- oder Maschinenbauindustrie. Die Tourismuswirtschaft stehe zudem für 4 Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland. red/rk

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