Coronakrise: Volle Kraft voraus
Coronakrise

Volle Kraft voraus

Hoffotografen
Roland Schwecke: "Die leeren Plätze, Restaurants und Hotels sind nicht die Apokalypse, sondern Zeichen eines Neubeginns."
Roland Schwecke: "Die leeren Plätze, Restaurants und Hotels sind nicht die Apokalypse, sondern Zeichen eines Neubeginns."

Zuversicht, Mut und Tatkraft sind gefragt, um die existenzielle Krise zu meistern. Der Hotel- und Gastronomie-Berater Roland Schwecke blickt nach vorn und ermuntert dazu, neue Wege zu gehen.

Im derzeitigen Shutdown von Chancen zu sprechen, ist für viele Hotelbesitzer nicht einfach. Insbesondere das Hotel- und Gastronomiegewerbe hat in den Überlebensmodus geschaltet. Staatshilfen, Steuerstundungen, Kurzarbeitergeld sind die akuten Themen. Dennoch gilt es schon jetzt darüber nachzudenken, wie das Leben nach der Coronakrise aussehen kann. Es wird ein komplett anderes sein. Es wird die Chance für kreative und mutige Unternehmer im Gastgewerbe sein.

Exogener biologischer Schock

Die Zeit der Trumps ist gezählt – und zwar nicht nur die des US-Präsidenten, sondern auch die des profitmaximierenden Immobilien- und Hotelunternehmers Donald Trump. Wie der Zukunftsforscher Matthias Horx auch auf ahgz.de beschrieben hat, stehen wir vor einem Systemwechsel. Denn das Coronavirus ist nicht vergleichbar mit schon erlebten Krisen wie der Lehman-Pleite oder der Dot-Com-Blase Anfang der Nullerjahre. Während diese Krisen vor allem von Menschen gemachte Überhitzungen waren, die der normalen Logik von Marktkorrekturen folgten, ist das Coronavirus ein exogener biologischer Schock. Er ist eher mit einem Meteoriteneinschlag vergleichbar als mit anderen Wirtschaftsblasen zuvor.

Insofern machen wir gerade eine komplett neue Erfahrung. Alle Teilchen unseres Gesellschaftsystems sind erst einmal aufgewirbelt. Wie diese sich in Form eines neuen Zusammenlebens nach Corona sortieren werden, wissen wir nicht. Das heißt aber im Umkehrschluss: Jetzt ist das Zeitfenster offen, die Welt wie wir sie kannten zu hinterfragen und neu zu gestalten. Denn das Coronavirus wirkt als Evolutionsbeschleuniger für einschneidende Veränderungen. Es sagt uns, was wir vorher schon gespürt haben – aber wir waren (noch) nicht fähig, daraus Konsequenzen zu ziehen: Das immer weiter, größer und schneller funktioniert nicht mehr. Das Hecheln nach noch mehr Profit durch Wachstum, Skaleneffekte und Globalisierung – all das steht in Frage. Die leeren Plätze, Restaurants und Hotels sind nicht die Apokalypse, sondern Zeichen eines Neubeginns.

Warum ist dieser Reset eine Chance?

Haben nicht insbesondere die kleineren und mittleren Hoteliers über den steigenden Druck der global agierenden Tourismusanbieter und Hotelketten in den vergangenen Jahren geklagt? Corona wird diesen Trend beenden. Wir werden eine Rückbesinnung auf Werte sehen, die unserer menschlichen Natur mehr entsprechen: Soziale Bindungen, lokale Nähe, Bodenhaftung.

Viele Menschen werden nach dieser Krise einen anderen Urlaub nachfragen. Nicht der nächste teure Luxusurlaub in der exotischen Karibik, der Kick im fernen Südostasien oder das All-inklusive-Hotel auf Mallorca werden die Sehnsuchtsorte sein. Begegnungen mit Menschen aus meiner Umgebung, mit meiner unmittelbaren Natur werden dafür umso höher im Kurs stehen. Kultur wird dabei eine neue Bedeutung, eine neue Wertigkeit erhalten. Die vielfach geposteten Videos der singenden Italiener und Spanier auf den Balkonen machen uns das nur all zu deutlich.

Führungsstärke ist überlebenswichtig

„In Krisenzeiten zeigt sich die Seele eines Menschen – die Schwächen explodieren und die Stärken werden stärker.“ Diesen bemerkenswerten Satz sagte kürzlich New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo. Er zeigt in seiner Funktion Führungsstärke, die für jeden Unternehmer auch im Gastgewerbe überlebenswichtig sein wird. Wer jetzt erkennt, dass er aus dem Corona-Krisenmanagement gleichzeitig Neues erschaffen und gestalten kann und sich schnell aus der Schockstarre löst, hat viele Möglichkeiten. Er kann Geschäftsmodelle neu gestalten.

Nutzen wir alle gemeinsam den sich bietenden Freitraum, die vielen Gespräche in der Krise für neue Ideen. Fragen Sie sich auch einmal, warum Sie diesen Beruf des Hoteliers ergriffen haben, und was Ihnen daran besonderen Spaß bereitet hat. Die eigene Selbstvergewisserung kann helfen, um Neues zu gestalten, um Wege zu gehen, die Sie selbst vielleicht schon immer gehen wollten, jedoch im eigenen Hamsterrad gefangen waren. Sehen Sie in den Menschen um sich herum neue Möglichkeiten, ihr Angebot für die Zeit nach der Krise aufzuwerten. Setzen Sie innerlich auch mal die eigene Reset-Taste. Das setzt Energie für ein Leben nach Corona frei. Trauen wir uns! 

Der Autor ist Geschäftsführer des auf Hotellerie und Gastronomie spezialisierten Beratungsunternehmens Dicon in Berlin.

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