Vorfall im The Westin Leipzig: Staatsanwaltsc...
Vorfall im The Westin Leipzig

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Gil Ofarim

Umma Foto
Muss sich einem Verfahren stellen: Gil Ofarim
Muss sich einem Verfahren stellen: Gil Ofarim

Nach dem angeblich antisemitischen Vorfall im Hotel The Westin Leipzig hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Musiker Gil Ofarim wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung erhoben.

Das Ermittlungsverfahren gegen Hotelmitarbeiter wegen angeblicher antisemitischer Äußerungen und falscher Verdächtigung wurde eingestellt, wie Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz am Donnerstag mitteilte.

Der Fall hatte weltweit für Entsetzen gesorgt. Nun hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen zu dem Ereignissen in einem Leipziger Hotel am Abend des 4. Oktober 2021 und der nachfolgenden Veröffentlichung eines Videos durch den 39-jährigen Musiker und Schauspieler Gil Ofarim mit einem aufsehenerregenden Ergebnis abgeschlossen

Dabei ging es um dessen Schilderung der angeblichen Ereignisse und antisemitischen Äußerungen eines Hotelmitarbeiters auf einer Internetplattform am 5. Oktober und den dazu vorliegenden wechselseitigen Strafanzeigen und Strafanträgen des Hotelmitarbeiters und von Gil Ofarim.

Das Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Beleidigung, der versuchten Nötigung, der Volkverhetzung und der falschen Verdächtigung gegen einen Hotelmitarbeiter wurde gemäß § 170 Abs. 2 StPO eingestellt, da die Ermittlungen keinen hinreichenden Tatverdacht ergeben haben.

"Falsche Verdächtigung in zwei Fällen"

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat demgegenüber gegen den Angeschuldigten Gil Ofarim wegen des Tatvorwurfs der falschen Verdächtigung in zwei Fällen, davon einmal in Tateinheit mit Verleumdung, Anklage zum Landgericht Leipzig erhoben.
„Die Staatsanwaltschaft konnte im Ergebnis der Ermittlungen keine Feststellungen treffen, welche die Schilderung des Gil Ofarim zum Geschehensablauf bestätigen.“
Staatsanwaltschaft Leipzig.

In der Erklärung heißt es: "Die Behauptung von Gil Ofarim, dass es am Abend des 4.10.2021 in der Lobby eines Leipziger Hotels ihm gegenüber zu antisemitischen oder sonst herabsetzenden Äußerungen durch einen unbekannt gebliebenen Hotelgast und einen von ihm als 'Herrn W.' bezeichneten und damit eindeutig identifizierbaren Mitarbeiter des Hotels gekommen sei und dass es ihm letztlich aufgrund seines durch das Tragen einer Kette mit einem Davidstern auch nach außen bekundeten jüdischen Glaubens durch diesen Mitarbeiter des Hotels versagt worden sei, im Hotel zu übernachten, konnte nach Auffassung der Staatsanwaltschaft im Ergebnis der Ermittlungen nicht bestätigt werden." 

"Vorfall hat sich nicht so ereignet"

In den vergangenen Monaten hat die Staatsanwaltschaft Leipzig zu dem durch Gil Ofarim veröffentlichten Video und dem in diesem Video durch ihn selbst geschilderten angeblichen Geschehen umfangreiche Ermittlungen durchgeführt. Es wurden zahlreiche Zeugen vernommen und ein digitalforensischer Sachverständiger mit der Sichtung und Begutachtung der sichergestellten Videoaufnahmen mehrerer Überwachungskameras im Hotelbereich beauftragt.

!Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hat sich in der Gesamtschau der hieraus gewonnenen Erkenntnisse das Geschehen, wie es von Gil Ofarim in seinem veröffentlichten Video geschildert worden ist, tatsächlich so nicht ereignet", heißt es in der Mitteilung. "Die Staatsanwaltschaft konnte im Ergebnis der Ermittlungen keine Feststellungen treffen, welche die Schilderung des Gil Ofarim zum Geschehensablauf bestätigen." 

Kein hinreichender Tatverdacht gegen Hotelmitarbeiter

 Da somit kein hinreichender Tatverdacht für ein strafrechtlich relevantes Verhalten des beschuldigten Hotelmitarbeiters bestehe, sei das Ermittlungsverfahren gegen diesen durch die Staatsanwaltschaft eingestellt worden.

Die Staatsanwaltschaft zieht daraus folgende Schlüsse: "Im Ergebnis der Ermittlungen besteht nach Auffassung der Staatsanwaltschaft demgegenüber ein hinreichender Tatverdacht dafür, dass Gil Ofarim mit dem Wissen um die Unwahrheit seiner Aussagen und in Kenntnis der sich daraus für den betroffenen Hotelmitarbeiter ergebenden ehrverletzenden und in der öffentlichen Meinung herabwürdigenden Folgen und der diesen Aussagen folgenden polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den betroffenen Hotelmitarbeiter am Abend des 4.10.2021 ein Video aufgezeichnet und am Morgen des 5.10.2021 auf einer audiovisuellen Plattform eines sozialen Netzwerks im Internet hochgeladen und damit veröffentlicht hat."

Ein zunächst von ihm beabsichtigter Live-Stream habe am Abend des 4. Oktober nicht gesendet werden können, da das von ihm gewählte soziale Netzwerk zu diesem Zeitpunkt ausgefallen war und nicht habe genutzt werden können. "Dies begründet den Tatvorwurf der Verleumdung und der falschen Verdächtigung." Durch den betroffenen Mitarbeiter des Hotels war am 5. Oktober Strafanzeige gegen den Angeschuldigten erstattet und Strafantrag wegen des Tatvorwurfs der Verleumdung gestellt worden.

"Die Staatsanwaltschaft legt Gil Ofarim weiterhin zur Last, im Rahmen seiner polizeilichen Vernehmung am 12.10.2021 seine Behauptungen zum angeblichen Geschehensablauf am Abend des 4.10.2021 in Kenntnis ihrer Unwahrheit nicht nur wiederholt und nunmehr ausdrücklich angezeigt, sondern zudem den Hotelmitarbeiter wegen dessen Strafanzeige vom 5.10.2021 gegen ihn wegen Verleumdung nunmehr wider besseres Wissen auch wegen des Tatvorwurfs der falschen Verdächtigung angezeigt und sich damit selbst einer falschen Verdächtigung strafbar gemacht zu haben.

Einzelheiten zu den Ergebnissen der Beweiserhebung sowie zu dem mutmaßlichen Geschehensablauf könnten nicht mitgeteilt werden, da dies eine unzulässige Vorwegnahme der Beweisaufnahme wäre, welche der Hauptverhandlung vor Gericht vorbehalten bleibt, heißt es abschließend.

stats