Wachstum: Deshalb werden Neubauten unkalkulie...
Wachstum

Deshalb werden Neubauten unkalkulierbar

Georg Roske
Olaf Steinhage erklärt die Wachstumshürden.
Olaf Steinhage erklärt die Wachstumshürden.

Viele Hotelunternehmen haben wieder ehrgeizige Wachstumsziele veröffentlicht. Aber bei der Umsetzung gibt es einige Hürden. Olaf Steinhage, Partner der MRP Consult Germany GmbH in Berlin, beobachtet die Entwicklung seit langem und erklärt auf Fragen von Rolf Westermann die Hürden.

Neubauten scheinen immer schwieriger zu werden. Woran liegt es im Detail?

Steinhage: Ja, Baupreise und -verfügbarkeit machen Neubau derzeit unkalkulierbar. In Kombination mit erhöhter Inflation und steigendem Zinsniveau erscheinen langfristige Neubau-Projektentwicklungen über 30 Monate hinaus unfinanzierbar.

Welche Begleitumstände gibt es?

Steinhage:  Erhöhte Sicherheits- und Bürgschaftsanforderungen der Finanzierungspartner treffen auf leere Kassen bei den Betreibern, klassische Rückversicherer erhöhen die Preise und damit die Hürden für ihre Versicherungslösungen.

Welchen Einfluss hat die Nachhaltigkeit?

Steinhage:  Parallel erhöhen ESG-Kriterien - die Berücksichtigung von Kriterien aus den Bereichen  Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance) - sowie Forderungen der Endinvestoren einen nach wie vor nicht wirklich definierten Aufwand.

Positiv dürfte aber die wieder erstarkte Nachfrage zu Buche schlagen. Wie sieht es im Businessbereich aus?

Steinhage:  Grundsätzlich lassen die nach wie vor schwache Businessnachfrage in klassischen Businessmärkten auch mittelfristig Fragen nach zusätzlichen, neuen Kapazitäten an den Standorten aufkommen.

Welche Alternativen gibt es?

Steinhage: Operativ und betriebswirtschaftlich schlagen Serviced Apartments die klassischen Hotelkonzepte derzeit um Längen - zumindest im klassischen 3- bis 4-Sterne-Segment, das häufig weder Flächen- noch Mitarbeitereffizient ist.

Gibt es im Leisurebereich rosige Aussichten?

Steinhage:  In der zurzeit unter besonders wohlwollender Beobachtung stehenden Ferienhotellerie gehen nicht nur die Flächen in der ersten Reihe aus. Auch ein wachsender Widerstand der lokalen, oft zugezogenen Bevölkerung gegen neue Kapazitäten erschwert den Neubau.  

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