Deutscher Hotelkongress: Was will die Generat...
Deutscher Hotelkongress

Was will die Generation Y?

Thomas Fedra
Philipp Riederle: Weiß, was junge Gäste erwarten.
Philipp Riederle: Weiß, was junge Gäste erwarten.

Der 22-jährige Philipp Riederle gab den Teilnehmern des Deutschen Hotelkongresses in Berlin Tipps zum Umgang mit den Digital Natives.

BERLIN. Smartphones und ständiges Vernetztsein sind für die Generation Y ganz selbstverständlich. Was Ältere als "virtuelle Welt" abwerten, sei für die Jüngeren einfach nur digitale Technologie, die sie nutzen, rückt Philipp Riederle in seinem Vortag beim Deutschen Hotelkongress in Berlin die Verhältnisse zurecht. Der 22-Jährige ist selbst Vertreter der Generation Y, die nicht nur die Hotellerie derzeit auf Trab hält. Schließlich ist diese Altersgruppe sowohl als Arbeitnehmer als auch als Gast relevant - und der älteren Generation oft genug ein Rätsel. Darüber, "Wer wir sind und was wir wollen", sprach Riederle auf der Bühne. Nicht nur sein jugendliches Alter und seine Technikbegeisterung qualifizieren ihn als Referenten, auch nicht allein die Beratungstätigkeit für viele große Unternehmen - durch seinen Job kommt Riederle locker auf 100 Hotelnächte im Jahr, hat mit der Branche also schon jede Menge Erfahrungen gesammelt. Und er betont, dass er meist schon nach dem ersten Kontakt mit einem Hotelmitarbeiter weiß, ob er sich in dem Haus wohlfühlen wird.

Wie kriegt man die jungen Leute dazu, in der Hotellerie zu arbeiten und dann auch der Branche und vielleicht auch gleich einem bestimmten Betrieb treu zu bleiben? Die Generation Y lege durchaus Wert auf Sicherheit, so Riederle. Darunter versteht sie aber nicht unbedingt einen unbefristeten Arbeitsvertrag. "Stattdessen wollen wir hier und jetzt möglichst viele Erfahrungen sammeln, dazulernen, uns weiterentwickeln - und so die Fähigkeiten erwerben, die uns helfen, mit den sich ändernden Bedingungen in der Zukunft klarzukommen", erläutert Riederle. Also: "Kein klassischer Aufstieg, sondern Wachsen ist das neue Ankommen!" Am wichtigsten seien für die Generation Y die Aspekte Sinn, Selbstverwirklichung, Arbeitsumfeld, das Gehalt komme erst danach - wobei aber ein vernünftiges Arbeitsentgelt einfach als Hygienefaktor vorausgesetzt werde.

Reisen und Mobilität seien für seine Generation ebenfalls selbstverständlich. Um sich zu orientieren, setzen Riederle und seine Altersgenossen stark auf Bewertungen. "Wir sind gnadenlose informierer und Selbstoptimierer." Dabei checke er nicht nur die Kundensicht auf ein Unternehmen, mit dem er zu tun habe, sondern stets auch das Feedback auf Arbeitgeberbewertungsportalen, um sich ein Bild zu machen. Und bei Qununu und Co. schneide die Branche mitunter gar nicht gut ab.

Als Gast suche seine Altersgruppe persönlichen Anschluss und Erlebnisse, so Riederle. Mit hoteleigenen Fahrrädern für den Gast könne man ihn durchaus locken, auch Gemeinschaftsräume seien wichtig. Am meisten habe ihn zuletzt ein Hotel in Kitzbühel begeistert, weil man sich dort seiner Bedürfnisse so gut angenommen habe. Gestresst im Zuge der Abgabe eines Buchmanuskripts, musste Riederle damals durcharbeiten und litt unter einem unbequemen Stuhl und zu schummriger Beleuchtung im Zimmer. Kaum hatte er dies beklagt, brachten Mitarbeiter einen bürotauglichen Stuhl und eine stärkere Lampe vorbei. Und als Riederle am nächsten Vormittag das Zimmer räumen musste, aber noch zu schreiben hatte, quartierte man ihn in einem freien Konferenzraum ein. Als er den Namen des gelobten Hauses erwähnte - der Kitzhof -, befand sich mit Motel-One-Chef Dieter Müller sogar der Eigentümer im Saal. Zum Abschluss appellierte Philipp Riederle noch an sein Publikum: "Habt keine Angst!"

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