Tagung : Weltkongress der Hotelportier-Verei...
Tagung

Weltkongress der Hotelportier-Vereinigung Les Clefs d’Or erstmals in Berlin

Goldene Schlüssel
Thomas Munko: "Um einen guten Job als Concierge zu machen, sollte man auf jeden Fall Herzlichkeit, Leidenschaft und Empathie mitbringen."
Thomas Munko: "Um einen guten Job als Concierge zu machen, sollte man auf jeden Fall Herzlichkeit, Leidenschaft und Empathie mitbringen."

Vom 23. bis zum 28. März treffen sich 650 Concierges in der Bundeshauptstadt. Deutschland-Chef Thomas Munko im Interview: "Wir lernen voneinander und bilden uns fort."

BERLIN. Die Goldenen Schlüssel sind sie eine Art Qualitätsmerkmal. Denn ein goldener Schlüssel zeigt: Hier arbeitet einer von rund 4500 Hotelportiers weltweit, der zu der internationalen Vereinigung Les Clefs d’Or gehört. 88 Jahre besteht die Vereinigung inzwischen.

Thomas Munko(40), Präsident des Goldenen Schlüssel Deutschland e.V. und Hotelportier im The Ritz-Carlton, Berlin, hat gemeinsam mit seinen internationalen Kollegen seit knapp zwei Jahren (!) den„64. UICH Les Clefs d’Or Congress organisiert. Er findet vom 23. bis zum 28. März 2017 erstmalig in Berlin statt. 

Rund 650 Hotelportiers aus mehr als 60 Ländern reisen zu diesem Anlass in die deutsche Hauptstadt, um gemeinsam über die Ziele der Vereinigung zu diskutieren, Wissen auszutauschen, Freundschaften zu schließen und dadurch ein lebendiges Netzwerk aufzubauen, das länder- und kontinenteübergreifend funktioniert. Aber natürlich geht es auch darum, die Stadt Berlin kennenzulernen.

Munko und 17 Kollegen aus ganz Deutschland haben ein attraktives Programm zusammengestellt. Außer diversen Meetings und einem "Educational Day", bei dem unter anderem Keynote Speaker Ralph Anderl als Gründer der Marke Ic Berlin zum Thema „Made in Germany“ spricht, besichtigen die Teilnehmer bei individuell geplanten Touren die Stadt, besuchen die Gedenkstädte Sachsenhausen oder den Mauerpark, die Arminiusmarkthalle in Moabit und eine Vielzahl an Restaurants, Bars und Clubs. Schirmherr des Kongresses ist Visit-Berlin.

Informationen zum detaillierten Programm sind  gibt es hier

Gespräch mit Thomas Munko

Eine eigene Ausbildung zum Concierge als solche gibt es nicht. Wie wird man Concierge?

Munko: Stimmt, eine spezielle Ausbildung gibt es nicht. Viele unserer Kollegen haben

aber eine Ausbildung zum Hotelkaufmann gemacht. Das muss aber nicht sein und so gibt es in

unserem Bereich viele Quereinsteiger: Technische Zeichner, Künstler, was immer Sie wollen.

Um einen guten Job als Concierge zu machen, der einem auch selbst Freude macht,

sollte man meiner Meinung nach auf jeden Fall Herzlichkeit, Leidenschaft und Empathie

mitbringen. Man muss Menschen mögen und offen auf sie zugehen, ohne aufdringlich zu sein.

Eines unserer Mottos lautet ja „wir wollen Unmögliches möglich machen“. Man muss also auch

die Herausforderung lieben und Spaß daran haben, sich für andere einzusetzen und deren

Wünsche und Anliegen zu realisieren. Außerdem sollte man Sprachen sprechen.

Sie sind seit 21 Jahren im Hotelgewerbe und seit 14 Jahren als Concierge tätig. Hat sich

das Berufsbild des Concierges in dieser Zeit verändert? Ist der Beruf im Zeitalter von

Smartphone und Tablet noch zeitgemäß?

Munko: Natürlich hat sich schon einiges getan in den letzten Jahren, es ist alles

schneller geworden und natürlich geht nichts mehr ohne das World Wide Web. Viele unserer

Gäste sind schon sehr gut informiert, halten einem das Smartphone mit diversen Adressen und

Tipps aus dem Netz hin. Aber auch das Internet ist geduldig. Genauso, wie man das früher dem

Papier nachsagte. Damals hieß es: Empfehlen Sie mir ein Restaurant. Heute: Ich habe hier fünf

Empfehlungen, welcher soll ich folgen? Aber trotz oder gerade wegen des Internets ist unsere

Meinung gefragt. Denn es ist die Hülle und Fülle an Informationen aus dem Netz, durch die man

auch schnell den Überblick verliert. Uns so manches Mal weiß man gar nicht, ob das, was da

steht, auch wirklich richtig ist. Ein persönliches Gespräch und ein direkter Austausch sind am

Ende also meiner Meinung nach immer überzeugender. Aus diesem Grund findet auch der Kongress statt und aus diesem Grund gibt es

eigentlich die Les Clefs d'Or.

Welchen Zweck erfüllen Les Clefs d’Or und welche Vorteile bringt eine Mitgliedschaft mit sich?

Munko: Allen voran geht es um Networking und damit verknüpft wiederum um die

beiden Dinge die Sie ansprechen, nämlich Service und Gastlichkeit. Einmal im Jahr treffen wir

uns, um uns gegenseitig auszutauschen – eine Art Know-how-Transfer. Wir lernen voneinander,

tauschen Erfahrungen und Erlebnisse, fragen um Rat und bilden uns fort.Leider leistet sich nicht jedes Haus einen

eigenen Concierge. Viele denken, dass damit zu hohe Kosten verbunden sind und sehen den

Mehrwert nicht.

Das heißt, Ihr Netzwerk, das Sie bei Les Clefs d’Or pflegen, bringt letztlich auch gegenüber dem Gast Vorteile?

Munko: Ja natürlich, unbedingt. Am Ende des Tages geht es nur darum. Klar, durch

Les Clefs d'Or entwickelt sich im Laufe der Zeit auch ein privates Netzwerk. Mit manchen

meiner Kollegen bin ich mittlerweile befreundet. Aber im Fokus steht ganz klar der Beruf und

damit der Gast. In meinen Augen ist es das erklärte Ziel von Les Clefs d’Or, einen Mehrwert zu

schaffen. Einen professionellen Mehrwert, der uns von anderen Häusern und Kollegen

unterscheidet und der dem Gast das zuteil werden lässt, was er sich wünscht: Komfort und das

Gefühl willkommen zu sein.

Und welche Anforderungen gibt es an potentielle Mitglieder?

Thomas Munko: Es gibt zwei Grundvoraussetzungen: Man muss fünf Jahre in einem Hotel

angestellt sein und davon zwei Jahre aktiv als Concierge gearbeitet haben. Darüber hinaus,

auch auf die Gefahr hin, dass es altmodisch klingt, sind eine gute Kinderstube und die richtige

Serviceeinstellung wichtig. Man muss die Herausforderung lieben. Alles andere kommt dann mit

der Zeit und durch Erfahrung. Nach und nach entwickelt man ein immer besseres Gespür für

Menschen und Situationen. red/hz

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