Sicherheit: Wenn der Gast mit Waffe kommt
Sicherheit

Wenn der Gast mit Waffe kommt

Colourbox.de
Schrecksekunde: Bei einem Raubüberfall sollten Chefs und Mitarbeiter ruhig und defensiv reagieren.
Schrecksekunde: Bei einem Raubüberfall sollten Chefs und Mitarbeiter ruhig und defensiv reagieren.

Einbruch, Diebstahl, Überfall: Bauliche und technische Maßnahmen sowie die Schulung der Mitarbeiter helfen, Risiken zu mindern und Gefahren für Leib und Leben abzuwenden.

STUTTGART. Böse Überraschung morgens um sechs: Ein Vermummter betritt das Foyer des Wyndham Hotel Duisburger Hof, geht auf die Rezeption zu und zieht dabei etwas aus der Tasche, das wie eine Pistole aussieht. „Das hat unser Nachtportier bemerkt und hat sich in einem geeigneten Augenblick in den Abstellraum hinter der Rezeption zurückgezogen und die Tür abgeschlossen“, berichtet Sascha Ranger, General Manager des Hauses im Management der GCH Hotel Group. Dort verständigte er sofort die Polizei und konnte durchs Fenster beobachten, wie der Täter unverrichteter Dinge flüchtete.

Dass die Sache so glimpflich verlief, verdankt sich nicht zuletzt gezielter Vorbereitung: „Unsere Mitarbeiter im Nachtdienst sind bestens geschult und haben viel Erfahrung. Sie kennen natürlich auch die zusätzlichen Risiken und Gefahren, die eine Nachtschicht birgt“, so Ranger.

Auch ländliche Lagen schützen nicht vor Kriminellen. Das zeigt der Fall des rund vier Kilometer vor den Toren Donaueschingens gelegenen Hotels Der Öschberghof. „Am 12. Februar dieses Jahres wurden wir von zwei maskierten Männern überfallen“, berichtet Alexander Aisenbrey, Geschäftsführer des Hauses. „Kurz nach vier Uhr morgens betraten sie das Hotel, bedrohten zwei unserer Angestellten mit vorgehaltener Waffe und forderten Geld.“ Mit der Beute flüchteten die Täter anschließend mit dem hoteleigenen Lieferwagen. „Zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen, aber unsere Mitarbeiter waren schon geschockt, wir haben deshalb professionelle Hilfe hinzugezogen“, so Aisenbrey.

Unternehmen häufiger Opfer als Privatpersonen

Wie eine vom Sicherheitsdienstleister Protection One beauftragte Studie zeigt, sind Unternehmen weit häufiger Ziel von Einbrechern als Privatpersonen: Während 16 Prozent der befragten Privatpersonen angaben, bereits Opfer eines Einbruchs gewesen zu sein, waren es bei den Unternehmern rund 34 Prozent. Insgesamt ist die Zahl der Fälle, in denen Betriebe der Gastro-Branche Opfer von Einbrüchen wurden, in den letzten Jahren zurückgegangen. „Laut Polizeilicher Kriminalstatistik gab es im vergangenen Jahr 17.974 Fälle von schwerem Diebstahl in gastgewerblichen Betrieben“, so Kriminaloberrat Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. „Der Zehnjahresvergleich zeigt, dass die Zahlen seit 2009 rückläufig sind.“ Auch die Anzahl der Raubdelikte sei in den vergangenen Jahren deutlich ?gesunken, von gut 50.000 im Jahr 2009 auf rund 36.700 im letzten Jahr. ?In knapp 2700 Fällen hatte es Gewerbebetriebe erwischt – macht pro Tag zirka sieben Überfälle auf Unter?nehmen.

Vor den Maßnahmen kommt die Risikoanalyse

Für Hoteliers und Gastronomen heißt es also, sich gut vorzubereiten, um Kriminellen kein attraktives Ziel zu bieten. Das erfordert zunächst eine Gefährdungsanalyse. Wo lädt das Gebäude zum Einbruch ein? Wie „komfortabel“ ist die Situation für potenzielle Räuber? Sind Schwachstellen entdeckt worden, gilt es Maßnahmen zu ergreifen, die Einbrüche erschweren und das Risiko für Überfalltäter erhöhen, um sie möglichst abzuschrecken. Dazu zählen etwa einbruchsichere Fenster und Türen, gut ausgeleuchtete Eingangsbereiche, Kameras an Ein- und Ausgängen sowie im Foyer des Hotels, außerdem Alarm- und Meldeanlagen und von außen gut erkennbare Hinweise etwa darauf, dass Kameraüberwachung und Alarmanlage aktiv sind.

Bei aller Vorbeugung lässt sich das Risiko, Opfer eines Überfalls zu werden, nicht vollständig vermeiden. Wichtig ist deshalb, dass potenziell Betroffene beizeiten lernen, mit solch bedrohlichen Situationen richtig umzugehen. „Mitarbeiter wie Gäste sollten kein Risiko eingehen und sich nicht in Lebensgefahr bringen, beispielsweise durch Gegenwehr oder Hilferufe“, rät Schmidt dringend. Die wichtigste Verhaltensregel lautet deshalb: Ruhe bewahren, den Anweisungen des Täters widerspruchslos nachkommen und alles unterlassen, was dieser als Widerstand oder gar als Angriff auf sich verstehen könnte. Ist die gefährliche Situation überstanden, heißt es sofort die Polizei zu rufen, und natürlich auch den Rettungsdienst, falls Personen zu Schaden gekommen sind. Informiert werden muss gegebenenfalls auch die Versicherung – in welcher Form, sollte vorab geklärt sein – und nicht zuletzt die Berufsgenossenschaft, die Unterstützung leistet, falls ein Mitarbeiter bei einem Überfall verletzt wurde.

Wichtig: Der Schock nach solchen Bedrohungssituationen kann Betroffene so tief erschüttern, dass sie professionelle Hilfe benötigen, um das Erlebte zu bewältigen und zum Arbeitsalltag zurückkehren zu können. Zu einer Sicherheitsstrategie gehört deshalb auch, sich vorab nach einschlägiger Hilfe umzutun und diese im Fall des Falles so rasch als möglich in Anspruch zu nehmen.

Informieren, beraten lassen und schulen

Beratung über Maßnahmen und Einrichtungen zur Erhöhung der Sicherheit des Betriebes bietet die polizeiliche Kriminalprävention des Bundes und der Länder. Die Berufsgenossenschaft Nahrung und Gastgewerbe (BGN) hält neben der Arbeitssicherheitsinformation ein umfängliches kostenloses Informationspaket bereit (siehe Kasten). Zudem bietet sie Seminare zur Gewaltprävention und nicht zuletzt psychologische Hilfe für Betroffene. Sicherheitsdienstleister wie Protection One oder Flash Security helfen, Sicherheitskonzepte zu entwickeln und die nötige Technik zu installieren.

Fazit: Das Wichtigste in Sachen Security ist stets der Schutz von Mitarbeitern und Gästen. Mit technischen Hilfsmitteln kann der Gastronom das Risiko gefährlicher Vorfälle senken – vollständig ausschließen lässt es sich nicht. Gut beraten deshalb, wer seine Mitarbeiter auf den Fall des Falles vorbereitet, damit am Ende nicht auch noch menschliche Opfer zu beklagen sind. Wichtig ist ein Sicherheitskonzept, das die Mitarbeiter einbezieht. 

www.k-einbruch.de

www.flash-security.de

www.protectionone.de

stats