Anwalt Dominik Höch zum Ranking-Urteil: "Wer ...
Anwalt Dominik Höch zum Ranking-Urteil

"Wer einen Algorithmus benutzt, muss erklären, wie das Ergebnis zustande kommt"

Christopher Grigat
Anwalt Dominik Höch: "Kriterien einer Listung auf Buchungsportalen müssen transparent sein"
Anwalt Dominik Höch: "Kriterien einer Listung auf Buchungsportalen müssen transparent sein"

Laut einem aktuellen Urteil des Landgerichts Hamburg müssen Portale offenlegen, wenn ein Hotel für einen besseren Platz Geld gezahlt hat. Jurist Dominik Höch würde hier noch einen Schritt weitergehen.

HAMBURG/BERLIN. Das Reiseportal Opodo muss künftig seine Sortierungskriterien transparent machen. Denn das Landgericht Hamburg bemängelte  in einem Urteil vom 7. November (AZ. 327 O 234/19, noch nicht rechtskräftig), dass die Plattform die verfügbaren Hotels nach dem Kriterium "Unsere Top-Tipps" sortierte und nicht offen legte, wie dieses Ranking zustande kommt. Das Urteil bedeutet auch: Heimlich gekaufte Listenplätze auf den vorderen Rängen soll es so nicht mehr geben. Der Verbraucher soll in Zukunft erfahren, wenn ein Hotel Geld bezahlt hat, um weiter vorn zu stehen. 


Das Urteil freute nicht nur Verbraucherschützer, sondern auch Juristen, die sich schon länger für mehr Transparenz im Netz stark machen. Wie beispielsweise Dominik Höch, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht in Berlin. Das Urteil stelle endlich das fest, was für viele Experten schon länger klar gewesen sei, findet er. "Die Kriterien einer Listung auf Buchungsportalen müssen transparent sein. Wer mit 'unsere Top-Tipps' wirbt, aber nicht aufklärt, wie dieses Ranking zustande kommt, täuscht Verbraucher", sagt Höch der ahgz.

Reicht die Erläuterung hinter dem "Mouse-Over" aus?

Der Berliner Anwalt fordert von den Portalen noch mehr Konkretisierung. "Eigentlich muss man sogar noch weitergehen: Meines Erachtens dürfte auch ein Link zu einem erläuternden Text oder ein sogenanntes 'Mouse-Over' nicht ausreichen, solange nicht genau erläutert wird, in welchem Umfang zum Beispiel die Zahlung von Provisionen durch die Hotels das Ranking beeinflusst. Wer einen Algorithmus benutzt, muss erklären, wie das Ergebnis zustande kommt." 

Ein sogenanntes "Mouse-Over", von dem Anwalt Höch spricht, haben mehrere der großen Buchungsportale in den vergangenen Monaten in ihre Rankings integriert. So bekommt der Nutzer bei Booking.com, wenn er mit der Mouse über das Symbol "Daumen hoch" neben dem betreffenden Hotel fährt, angezeigt, dass dieses möglicherweise auch mehr Provision bei Booking.com investiert. Auch HRS hat einen entsprechenden Mouse-Over integriert, bei der Such-Kategorie "Empfehlungen" 

Expedia weist zu Beginn seiner "Empfohlen"-Liste darauf hin: "Die an uns gezahlte Kommission beeinflusst möglicherweise unsere Sortierfolge der Suchergebnisse." Hierfür gibt es Lob von Anwalt Höch: "Für mich sieht die Gestaltung bei Expedia so aus, dass endlich den Informationsinteressen der Verbraucher Rechnung getragen wird." Allerdings wünscht er sich auch hier mehr Konkretisierung, für welche Sortierungen das zutrifft und ob es stimmt, dass die Provision für die Platzierung nur ein Faktor unter mehreren ist.

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