Deutscher Hotelkongress: Wie Landhotels dauer...
Deutscher Hotelkongress

Wie Landhotels dauerhaft erfolgreich sein können

Thomas Fedra
Diskutieren über Erfolgsfaktoren: (von links) Rolf Berlin, Theo Wilmink, Alexandra Leibfried, Eric Kunz und Björn Grimm.
Diskutieren über Erfolgsfaktoren: (von links) Rolf Berlin, Theo Wilmink, Alexandra Leibfried, Eric Kunz und Björn Grimm.

Nicht jedes Segment in der Hotellerie boomt. Wie können sich Betriebe fernab touristischer Hotspots besser aufstellen?

BERLIN. Mut zum Risiko, Spürsinn, Engagement, vor allem aber Herzblut zeichnen die drei Hoteliers aus, die sich beim Deutschen Hotelkongress in Berlin der Diskussionsrunde “Hotelperlen auf dem Land” stellten: Rolf Berlin, Seniorchef von Berlin’s KroneLamm in Zavelstein, einem 63-Zimmer Hotel im Nordschwarzwald, Eric Kunz, Geschäftsführender Gesellschafter des Hotel-Restaurant Kunz in Pirmasens mit 56 Zimmern sowie Theo Wilmink, Inhaber des Landidyll Wilminks Parkhotel in Neuenkirchen mit 30 Zimmern.

Sehr wichtig beim Aufbau seines Betriebs, so Berlin, sei der Rückhalt durch die Familie gewesen. Seine Frau habe stets zu den gemeinsamen Plänen gestanden und die drei Kinder den Betrieb bereits übernommen. Doch der Senior selbst hat auch noch Pläne: Er baut derzeit einen Bauernhof in einen Seminarcampus um. Berlin appelierte an die Branche, vorzuleben, wie viel Freude der Beruf bereite. Zudem müsse man als erfolgreicher Unternehmer seine Arbeit stets hinterfragen und auch einmal Ballast abwerfen. Ein Beispiel: Berlin beendete die wenig lukrativen Reiseveranstalter-Verträgen mit 25prozentigen Kommissionszahlungen und setzte auf die direkte Ansprache von Gästen.

Eric Kunz, der 2005 von seinen Eltern einen schuldenfreien Betrieb übernehmen konnte, hat seither nicht aufgehört zu investieren. “Wenn das eine fertig ist, muss es an anderer Stelle weiter gehen”, erklärte er. Auch sein Hotel habe einen hohen Stammgästeanteil von 70 bis 75 Prozent. Er arbeite zwar mit OTAs zusammen, sorge aber im persönlichen Gespräch dafür, dass der Gast diese möglichst nur einmal nutze und künftig direkt buche. Kunz investiert derzeit in ein weiteres 42-Zimmer Hotel, das 2019 eröffnen soll. In dessen Planung bezieht er auch seine Tochter, eine Hotelmanagement-Studentin, ein. Bereits heute hat Kunz - mit Hilfe eines Beraters - eine Ebene im mittleren Management eingeführt, die ihn sehr entlastet.

Theo Wilmink unterstrich u.a. die positive Auswirkung des Anschlusses seines Hauses an die Kooperation Landidyll. Dies habe sehr bei der überregionalen Vermarktung geholfen. Zudem berichtete er von vielen kreativen Ideen im Eventbereich, die seinen Betrieb in der Region bekannt gemacht haben.

Allen Betrieben liegt das gute Verhältnis zu den Mitarbeitern am Herzen. Angesichts des Arbeitskräftemangels regte Kunz u.a. an, mehr Branchenfremde in die Hotelarbeit einzubinden wie er dies im Frühstücksservice bereits praktiziere. Bei Wilmink hat die geltende Arbeitszeitregelung zu einem Schließtag geführt, durch den gute Mitareiter gehalten werden konnten.

Björn Grimm, Inhaber von Grimm Consulting und Vizepräsident FCSI, attestierte den Hoteliers, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Grundsätzlich empfehle er Unternehmern im Gastgewerbe, ein Netz aufzubauen, das neben der Familie beispielsweise auch den Steuerberater, den Bänker und eventuell einen Betriebsberater einschließe.

Dem von Moderatorin und AHGZ-Redakteurin Alexandra Leibfried gegen Ende der Diskussion angesprochenen Thema Digitalisierung verschließen sich die drei “Hotelperlen” nicht, ob W-Lan Angebot oder Restaurantplatzbuchung online. ”Wer sich neuen Medien nicht stellt, den bestraft das Leben,” so Berlin. Allerdings zeigten sich die drei Hoteliers sichtlich erleichtert darüber, dass sich vor allem die nächste Generation um dieses Thema kümmern muss.

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