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Zugangskontrollen

Dehoga-BaWü-Chef Fritz Engelhardt: „Wir werden zum Prellbock“

Dehoga Baden-Württemberg
Sieht Gefahren: Der Dehoga Landesvorsitzende von Baden-Württemberg, Fritz Engelhardt.
Sieht Gefahren: Der Dehoga Landesvorsitzende von Baden-Württemberg, Fritz Engelhardt.

Welche Auswirkungen hat das Gewaltverbrechen um einen Maskenstreit in Idar-Oberstein auf das Gastgewerbe? Das erläutert Fritz Engelhardt auf Fragen von Rolf Westermann.

 

Herr Engelhardt, die Gastwirte müssen die Einhaltung der Coronaregeln bei den Gästen kontrollieren. Wie läuft das bisher?

Engelhardt: Es bedeutet in Zeiten großer Personalnot erheblichen Mehraufwand – die Betriebe müssen am Eingang den „G-Status“ abfragen. Die Mehrheit der Gäste hat dafür Verständnis und manche begrüßen die Abfrage, weil sie dadurch ein besseres Sicherheitsgefühl haben. Aber leider häufen sich auch Rückmeldungen über unerfreuliche Diskussionen mit Gästen, die kein Verständnis für die Abfrage ihres G-Status haben. Das führt zu teilweise sehr unerfreulichen Diskussionen und geht bis hin zu persönlichen Anfeindungen. Für Inhaber und Beschäftigte, die so angegangen werden, ist das extrem belastend. Wir werden zum Prellbock der gesellschaftlichen Impfdiskussion in all ihren Auswüchsen.

Wie wirkt sich das in der Kasse aus?

Engelhardt: Nicht zu vergessen sind natürlich auch die wirtschaftlichen Auswirkungen: Zugangsbeschränkungen für Ungeimpfte bedeuten Umsatzverluste für das Gastgewerbe, weil sie das Gästepotenzial verkleinern und weil sie auch Gruppen, in denen sich Ungeimpfte befinden, vom Besuch der Betriebe abhalten. Solche Regelungen treffen das Gastgewerbe härter als die meisten anderen Wirtschaftsbereiche. Der Dehoga Baden-Württemberg sieht die Zugangsbeschränkungen daher generell sehr kritisch. Das gilt für 3G und noch mehr für 2G.

 

Gibt es nach dem schrecklichen Mordfall in Idar-Oberstein, als ein Coronaleugner im Streit um die Maskenpflicht einen 20-Jährigen getötet hat, Angst in der Branche?

Engelhardt: Dieser unfassbare Vorgang erschüttert natürlich auch die Menschen in unserer Branche. Ich kann nicht ausschließen, dass bei Kolleginnen und Kollegen, die die Einhaltung der Corona-Regeln in den Betrieben kontrollieren müssen, die Angst wächst vor dem Hintergrund dieses schrecklichen Verbrechens.

 

Fürchten Sie eine Verschlimmerung der Situation, wenn die Regeln im Herbst verschärft werden?

Engelhardt: Besser wird es dadurch sicher nicht.

 

Was rät der Dehoga zur Deeskalation?

Engelhardt: Wenn’s Probleme gibt, sollte man deutlich machen, dass die Betriebe und Beschäftigten des Gastgewerbes der komplett falsche Adressat für Grundsatz-Kritik an den Anti-Corona-Maßnahmen sind. Die kommen von der Regierung, nicht von uns und unseren Beschäftigten – aber wir sind eben rechtlich verpflichtet, sie umzusetzen! Die meisten Gäste – auch viele kritisch eingestellten – akzeptieren das. Wo diese Akzeptanz nicht da ist, bleibt nur der Hinweis aufs Hausrecht.

 

Kann die Politik etwas dazu beitragen?

Engelhardt: Sie muss alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Impfquote so schnell wie möglich zu erhöhen, damit wir wegkommen von Zugangsbeschränkungen, die die Spaltung der Gesellschaft in Geimpfte und Ungeimpfte vertiefen. Natürlich können auch wir als Dehoga uns nicht dem Argument einer möglichen Überlastung des Gesundheitssystems verschließen. Aber dass dieser gesellschaftliche Konflikt auf dem Rücken unserer Branche ausgetragen wird, dass man uns hier wieder ein Sonderopfer abverlangt, ist schwer erträglich.

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