Zwischenruf

Mehr Optimismus wagen

Jenner Egberts Foto + Film
Die Voraussetzungen sind besser als vor einem Jahr, meint Rolf Westermann.
Die Voraussetzungen sind besser als vor einem Jahr, meint Rolf Westermann.

Omikron, Stornowelle, steigende Inflation und dann auch noch neue Beschlüsse der Politik. Das sind eigentlich keine guten Startbedingungen des Gastgewerbes für 2022. Warum das neue Jahr für viele trotzdem besser werden kann:

Im vergangenen Jahr gab es einen weitgehenden Lockdown bis in den Mai hinein. Die Schließzeiten wurden wieder und wieder verlängert. Viele Unternehmer standen zwischen Bund-Länder-Gipfeln und Ministerpräsidentenkonferenzen monatelang Stand-by – ein zermürbender Prozess. Zwar wird auch 2022 das erste Quartal schwach ausfallen, aber es wird rascher wieder bergauf gehen. Dazu trägt vor allem der Impffortschritt bei.

Ein Boom kann jederzeit kommen, sobald die Lage es zulässt

Wie schnell die Nachfrage steigen kann, hat sich im Sommer 2021 gezeigt, als manche Hoteliers vom Ansturm der Gäste überrascht wurden. Das Reisen und Ausgehen bleibt ein Grundbedürfnis, das gestillt wird, sobald es wieder möglich ist.

„Das Reisen und Ausgehen bleibt ein Grundbedürfnis, das gestillt wird, sobald es wieder möglich ist.“
Rolf Westermann
Die Hotels haben sich weiterentwickelt und Vorkehrungen für einen sicheren Aufenthalt der Gäste getroffen. In den Häusern gibt es inzwischen eine Routine im Umgang mit der Lage. Darüber hinaus haben sie ihre Hausaufgaben gemacht und Trends kreativ aufgegriffen.

Neue Arbeitsmodelle

Vor allem haben viele Unternehmen heftig über neue Arbeitsmodelle und bessere Bezahlung nachgedacht. Bisweilen auch unter Schmerzen, weil sich kaum noch dringend benötigte Arbeitskräfte gemeldet haben. Daraus resultiert eine neue Wertschätzung für die Mitarbeiter und die Hoffnung, dass junge Menschen die Branche wieder attraktiver finden.

Der Anstieg der Inflation wird sich nach dem Rekordstand im Dezember 2021 bis zum Jahr 2023 wieder beruhigen, da viele starke Preissteigerungen auf den geringen Basiswerten der Coronazeit beruhen, als die Wirtschaft einbrach und zum Beispiel weniger Energie verbrauchte. Auch die Lieferkettenproblematik sollte sich bis dahin wieder entspannen.

Preise angemessen erhöhen

Schließlich geht es darum, nicht mit Rabattschlachten auf kurzfristige Scheinvorteile zu setzen, sondern die Preise angemessen zu erhöhen. Nur so können die höheren Kosten unter anderem für Energie und die Mitarbeiter aufgefangen werden. Jetzt sind die Voraussetzungen gut. Das Barvermögen der Menschen in Deutschland ist so hoch wie nie und die Branche kann auf Verständnis der Gäste hoffen.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Einige werden es leider wirtschaftlich nicht schaffen. Und auch wenn pauschale Aussagen nicht möglich sind: Für viele kann es trotz aller Widrigkeiten ein gutes Jahr werden.  

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