Zwischenruf: Quote hoch! Gebt uns bitte endli...
Zwischenruf

Quote hoch! Gebt uns bitte endlich einheitliche Regeln

Salome Roessler
Boris Tomic, Chefredakteur der dfv Hotel- und Gastromedien.
Boris Tomic, Chefredakteur der dfv Hotel- und Gastromedien.

Nun geht Österreich also den harten Weg - Lockdown für Ungeimpfte. Ab Wochenbeginn. Österreicher, die weder Impfung noch Genesung nachweisen können, dürfen ab diesem Montag ihre Wohnung dann nur noch unter bestimmten Bedingungen verlassen.

In den Niederlanden gilt seit dem Wochenende eine Ausgangssperre. Restaurants müssen zwischen 20 und 6 Uhr schließen. Geschäfte, die keine lebensnotwendigen Dinge verkaufen, müssen um 18 Uhr dichtmachen - Lockdown light nennt sich das.
Beide Maßnahmen, sowohl in Österreich als auch in den Niederlanden, sollen zunächst für drei Wochen gelten.

Verfechter von Druck auf Ungeimpfte

Als ich in einem Kommentar vor zirka zwei Wochen an dieser Stelle die Maßnahmen der Sachsen lobte, durch eine 2G-Regel Druck auf Ungeimpfte auszuüben, so ereilten mich eine ganze Reihe von empörten Kommentaren, dass man dies doch nicht so schreiben könne.

Ich widerspreche auch dieses Mal: Man kann und muss das so schreiben. Zur Untermauerung zitiere ich Österreichs Kanzler Alexander Schallenberg: Der verwies beim Ungeimpften-Lockdown einerseits auf die ansteckendere Delta-Variante und andererseits auf die nach seinen Worten "beschämend niedrige Impfquote" in Österreich. Die liegt mit 64,3 Prozent übrigens in der gleichen Höhe wie in Deutschland (67,4 Prozent).

Es sei 5 nach 12, erklärte RKI-Chef Lothar Wieler kürzlich. Sich zu impfen ist in einer Pandemie nunmal nicht mehr allein eine Entscheidung für sich selbst. Es ist eine gesamtsoziale Entscheidung. Es geht nicht mehr allein um seine eigene Gesundheit - es geht um die Gesundheit anderer Menschen.

Impfquote ist der Schlüssel

Schauen wir einmal nach Spanien: Keine signifikanten Auflagen behindern das normale Leben mehr - allein die Maskenpflicht bleibt. Warum? 77 Prozent aller Spanier sind geimpft, die Impfquote beträgt rund 80 Prozent. In Portugal zeigt sich ein ähnliches Bild. Normales Leben. Die hohe Quote ist der Schlüssel dazu. Und bei uns?

Hierzulande wird ernsthaft diskutiert, wie man im Klein-Klein mit Ungeimpften umgehen soll. Kellner müssen plötzlich Ausweise und Coronazertifikate kontrollieren - je nach Bundesland dürfen sie das oder halt nicht. Zwischendurch hört man die verzweifelten Ausrufe der Kassandra des Gastgewerbes, Ingrid Hartges. Sie mahnt gebetsmühlenartig an, dass es keinen weiteren Lockdown geben darf. Und dass es endlich eine Einheitlichkeit der Regeln geben muss. Doch ihre Rufe verhallen wie in der griechischen Tragödie ungehört.

Föderalismus gleich Kakophonie?

Im Gegenteil: Die Kakophonie der Coronaregeln nimmt in Deutschland immer absurdere Formen an: Auf der Arbeitsstelle wird nun ernsthaft diskutiert, ob sich nicht auch Genesene und Geimpfte täglich testen sollten - aus Rücksicht auf die Ungeimpften. Nur nebenbei bemerkt - die sogenannten kostenfreien Tests sind natürlich nicht kostenfrei: Die zahlen wir alle als Steuerzahler...

Es ist in meinen Augen absurd, dass neu angedachte übergreifende Regeln in Deutschland Ungeimpften offensichtlich immer weiter entgegenkommen, während bestimmte Bundesländer und Teile des befreundeten Auslandes zurecht auf stärkeren Impdruck setzen. Gebt uns endlich einheitliche Regeln - zum Wohle aller. 

Zum Schluss dieses Zwischenrufes noch eine aktuelle Zahl, die alle Ungeimpften zumindest nachdenken lassen sollte: Bei der Gruppe der 18 bis 59 Jahre alten Menschen, die in Intensivbetten in Deutschland liegen, hatten lediglich 12,9 Prozent der Geimpften einen Impfdurchbruch - der Rest der Intensivpatienten in dieser Altersklasse ist nicht geimpft.

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