Zwischenruf: Gute Stimmung auf der Expo Real ...
Zwischenruf

Gute Stimmung auf der Expo Real – Krise vorbei?

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Rolf Westermann, Chefredaktion ahgz
Rolf Westermann, Chefredaktion ahgz

Überall angeregte Gespräche, Diskussionen über Zukunftspläne, teils gut gefüllte Messestände und Konferenzräume, entspannte Gesichter. Bei der ersten Expo Real seit zwei Jahren war die Stimmung auffallend gut.

Die Wachstumsphantasien sind zurück. Die Economymarke Premier Inn drückt kräftig auf die Tube. Der Managing Director International & Property der britischen Muttergesellschaft Whitbread, Mark Anderson, schraubt die Ziele für Deutschland deutlich nach oben und will die Konkurrenz überflügeln. „Wir sind zurück in der Spur“, sagt er. David Etmenan hat gerade im ahgz-Interview mitgeteilt, dass seine Novum Hospitality wieder auf Expansionsmodus schaltet. B&B treibt sein Portfolio voran, das gilt auch für die Intercontinental Hotels Group sowie Marriott. Und die Deutsche Hospitality will auf bis zu 700 Hotels wachsen.

Keiner spricht mehr von einer "Sättigungskrise"

Von Zurückhaltung ist kaum noch etwas zu spüren. Die kritische Einschätzung von Zukunftsforscher Matthias Horx von einer „Sättigungskrise eines Wohlstands, der keine Richtung mehr hatte als das ständige Mehr“, scheint aus einer anderen Zeit zu stammen. Gerade noch ging es darum, wie Insolvenzwellen vermieden werden. Nun heißt es erneut: Höher, schneller, weiter. Werden die gleichen Fehler wieder gemacht? Ist eine Überhitzung des Marktes in Sicht?


„Dies lässt sich pauschal meiner Meinung nach schwer beantworten und sollte differenziert nach Standort, Produkt und Zeitraum betrachtet werden“, meint Olaf Steinhage, Partner bei den Experten von mrp Hotels. „In der klassischen Businesshotellerie, insbesondere in den von internationalen und reinen Business-Gästen abhängigen Standorten, werden wir, meiner Meinung nach, noch mindestens zwei, drei, von starkem Wettbewerb - wegen mangelnder Nachfrage - geprägte, Jahre haben.“

Überraschende Erholung

Für viele kommt die Erholung allerdings schneller als gedacht. Das gilt vor allem für Ferienresorts an der Küste oder im Bergland, wo die Übernachtungszahlen im Sommer Rekorde erreichten. Dort peilt keiner mehr das Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 an, weil es schon längst überflügelt ist.

Aber auch bei der vom Mice-Geschäft geprägten Hotelkette Dorint ist im September der Umsatz erstmals wieder auf das Niveau von vor Corona gestiegen. Die Erlöse lagen bei knapp über 20 Mio. Euro und damit in der Größenordnung vom September 2019. Unter dem Strich prognostiziert Aufsichtsratschef Dirk Iserlohe am Jahresende ein Minus von 10 Mio. Euro. Vor kurzem hat er noch ein Minus von 36 Mio. Euro befürchtet.

Back to Business

Der Nordeuropachef von Accor, Duncan O’Rourke, macht sich keine Sorgen über die Zukunft der Stadthotels. „Das Geschäft kehrt zurück. Die Gäste wollen reisen, ausgehen und sich wieder persönlich treffen“, sagt er. „Wir setzen das Wachstum fort und expandieren weiterhin stark, auch in Deutschland.“ So sieht es auch Iserlohe: „Die Leute wollen wieder persönliche Kontakte. Das Geschäft kommt wieder zurück und die Raten sind gut. Solche Gespräche, wie hier auf der Messe, machen wir nicht über Teams“, betonte Iserlohe. Er hat wieder den Weg des „kontrollierten Wachstums“ eingeschlagen. Auch das hochpreisige 19-Zimmer-Hotel Beyond by Geisel direkt am Münchner Marienplatz hat gute Monate.  


"Back to Business" heißt es dann auch auf Europas wichtigster Fachmesse für Immobilien und Investoren. In München hatten 1198 Aussteller aus 29 Ländern teilgenommen, rund 1000 weniger als 2019. Insgesamt waren 19.200 Teilnehmer aus 52 Ländern vor Ort. "Neustart gelungen", bilanziert die Messe. Live-Veranstaltungen wie die Anuga in Köln oder die Expo Real, wo Hotels für mehrere Tage Raten bis über 500 Euro aufrufen konnten, tun der Branche sichtbar gut. Und die Übernachtungszahlen lagen im August – trotz fehlender Businessreisen und ausländischer Gäste - nur noch knapp unter dem Wert von 2019.

Neuorientierung der Branche

Der Vorsitzende des Hotelverbands Deutschland Otto Lindner, will jedoch nicht von einer Euphorie sprechen und erklärt: „Die Branche orientiert sich neu, das Beziehungsgefüge zwischen den Beteiligten wird neu ausgelotet. Die Banken sind unverständlich restriktiv, die Investoren suchen nach neuen Chancen und Ideen, die Betreiber sind für wenige Tage von den anhaltenden Herausforderungen befreit und denken an die Zukunft. Aber insgesamt ein gutes Zeichen, dass die Assetklasse Hotel lebt!“

„Die Banken sind unverständlich restriktiv, die Investoren suchen nach neuen Chancen und Ideen.“
Otto Lindner, Vorsitzender Hotelverband Deutschland.

Steigende Baupreise, Mitarbeitermangel, die Verschiebung der Nachfrage und die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen fordern die Branche. Der Sommer lief vielfach gut, aber was kommt im Herbst und Winter? Für Olaf Steinhage sind die Probleme noch nicht gelöst. Er glaubt, dass es 2022/2023 aus einer Mischung von mangelnder Nachfrage, hohem Preisdruck, aufgelaufenen Mietstundungen, gegebenenfalls zusätzlichen Darlehensrückführungen und ausbleibenden Hilfen, eventuell sogar Rückforderungen, noch einige negative Dynamik geben wird. „Danach werden sowohl das Angebot bereinigt als auch die Nachfrage zurück sein.“

 

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