Weiterbildung


Karriere-Symposium

Frauen müssen mehr netzwerken

Wie kommen mehr Frauen in Führungspositionen und welche Fähigkeiten müssen sie dafür mitbringen – darum ging es beim fünften Frauenforum-Foodservice im Westhafenpier in Frankfurt.

Viel Applaus und gute Stimmung: Rund 200 Teilnehmerinnen tauschten sich in Frankfurt ausViel Applaus und gute Stimmung: Rund 200 Teilnehmerinnen tauschten sich in Frankfurt aus

Frankfurt/Main. Frauen in Führungspositionen sind nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. „Der Trend ist sogar rückläufig – das ist nicht gut für Deutschland“, sagte Annette Mützel, Vorstand des Veranstalters Frauennetzwerk-Foodservice, zum Auftakt des Symposiums. Unternehmensberaterin Andrea Och von Och Consulting setzte gar noch eins drauf: „70 Prozent der Unternehmen wollen keine Frau im Vorstand haben.“

Gegenseitig unterstützen

Dabei belegte eine Studie des Washingtoner Peterson Instituts sogar folgendes: „Wenn der Frauenanteil von null auf 30 Prozent steigt, dann wächst der Nettogewinn eines Unternehmen um 15 Prozent.“ Das jedenfalls stellten die sieben Mentees des Frauennetzwerks bei der Präsentation ihrer Projektarbeit „Vielfalt macht erfolgreich“ heraus. Doch warum sind dann so wenig Frauen in Führungspositionen? Weil Führungspositionen via Netzwerk vergeben werden – und da sind die Männer bislang einfach besser. „Frauen haben kein Netzwerk und Frauen sind keine Förderer“, so das ernüchternde Fazit der Mentees. Entsprechend appellierten sie an die Frauen, einander mehr zu helfen und sich gegenseitig mehr zu unterstützen. „Die Stärke von Frauen ist, dass wir viel miteinander reden – vor allem im privaten. Das muss auch im beruflichen gelten“, so die Nachwuchskräfte.

Doch wie kommen Frauen an die Spitze? Durchsetzungsstärke lautete das Stichwort von Anna Engers. „Schlagfertigkeit heißt gut mit Einwänden umzugehen“, so die Inhaberin von Diventure. Sie riet den 200 Teilnehmerinnen zu mehr Fokussierung auf Sachlichkeit und zeigte ihnen, wie sie verhandlungssicher werden. „Frauen sitzen in der Perfektionsfalle“, mahnte Andrea Och, Geschäftsführerin von Och Consulting. „Das ist das Gegenteil von Effektivität.“ Sie riet den Frauen die Spielregeln der Macht zu nutzen: „Werden sie sichtbar, bilden sie Allianzen, handeln sie strategisch und politisch.“ Aufstiegsfaktoren seien zu 60 Prozent Beziehungen, zu 30 Prozent Selbstvermarktung und zu 10 Prozent Leistung.

Ebenfalls auf der Bühne – fünf Mutmacherinnen aus der Gastronomie und der Ernährungsbranche. Wie es ist, sich allein unter 30 Männern durchzusetzen, berichtete etwa Michela Doll-Lämmer, Direktorin Hotels Logis Europa-Park in Rust. „Ich bin der Meinung, Frauen können extrem gut führen – ganz ohne dieses Männer-Bossi-Verhalten. Wir müssen nur wir selber bleiben“, sagte sie. Ihre persönlichen Erfolgsfaktoren: „Als Führungskraft authentisch, menschlich und emphatisch bleiben, fair miteinander umgehen – und gemeinsam feiern.“

Faire Chancen

Von ihrem Münchner-Oktoberfest-Business berichteten die Wirtinnen Silja Schrank-Steinberg von der Hofbräukeller Gastronomie und Clarissa Käfer von der Käfer Gastronomie. „Die Wiesn sind ein Kampf und trotzdem wunderbar“, so Schrank-Steinberg. „Die Balance zu halten, ist nicht immer einfach.“ Sie ermutigte die Teilnehmerinnen, „fleißig zu bleiben, an sich selbst zu glauben, ebenso wie an die eigenen Stärken und Talente“, aber auch: „Unterstützen sie Mitarbeiter mit Potenzial, pflegen sie die Geborgenheit ihrer Familie und suchen sie auch Quellen der Ruhe und Kraft“, so Schrank-Steinberg.

Gründerin Shani Achiel aus Berlin, die mit ihrem Yafo die All-in-one-Idee eines israelischen Bar-Restaurant-Club-Konzepts verwirklicht hat, forderte zudem mehr Gender-Gleichheit und faire Chancen für Frauen. Und Winzerin Katharina Wechsler vom Weingut Wechsler machte klar: „Ich kann nur erfolgreich sein, wenn ich 100-prozentig hinter einer Sache stehe.“

Highlight des Frauenforums war nicht zuletzt der Auftritt von Fußball-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die in der Bundesliga durchaus schon einmal „300 Entscheidungen in 90 Minuten zu treffen hat“. „Entscheidungen sind immer ein Risiko, aber sie sind auch verantwortlich für das, was sie nicht tun“, so Steinhaus. Auch wenn sie zugab, reinen Frauenveranstaltungen und der Quotendiskussion etwas zwiespältig gegenüber zu stehen, habe sie die Notwendigkeit von Netzwerken erkannt und könne dazu nur ermuntern. Steinhaus: „Dann können auch Frauen alles erreichen.“ Brit Glocke


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