Wie eine zweite Familie

Vom Kreuzfahrtgast zum Crewmitglied: Eva-Maria Mischitz gefiel die Idee, Arbeit und Reisen miteinander zu verbinden
Foto: Tui Cruises

Der erste Urlaub von Eva-Maria Mischitz auf einem MSC-Kreuzfahrtschiff vor fünf Jahren blieb in guter Erinnerung: Durch das Erlebnis auf hoher See entstand ihr Wunsch, auch an Bord arbeiten zu wollen. Die starke Motivation, um als Crew-Mitglied im Hotel- und Restaurant-Service durchzustarten, brachte sie damit bereits mit.

Auch die beruflichen Rahmenbedingungen erfüllte die 21-Jährige in den nachfolgenden Jahren, legte entsprechend eine optimale Vita vor: Im Juni 2020 schloss Mischitz erfolgreich die Kärntner Tourismusschule Warmbad Villach ab. Während der Schulzeit absolvierte sie ihre vier Ferialpraktika im Servicebereich einiger renommierter Branchenbetriebe. Zu ihren mehrmonatigen Praktikumsstationen gehörten das Hotel Europa am Wörthersee, das Hotel Klopeinersee am gleichnamigen Gewässer, das Hotel Edelweiss in Berchtesgaden und das Hotel Tre Rose in Caorle/Italien.

Die Initialzündung fürs Kreuzfahrtschiff lieferte im vergangenen Jahr dann eine Vortragsveranstaltung in der Tourismusschule Warmbad Villach. Dort stellte der Personaldienstleister sea chefs Cruise Services die Möglichkeiten zum Arbeiten an Bord vor. Das maritime Ambiente sowie die Idee, Arbeit und Reisen miteinander zu verbinden, begeisterten die 21-Jährige auf Anhieb. Ein weiterer besonderer Reiz für sie ist es, mit verschiedenen Nationalitäten und Kulturen zusammenzuarbeiten.

Ich genieße gerade einfach nur die neuen Erfahrungen, die ich sammeln kann
Maria Mischitz

Die Wahl ihres Arbeitsplatzes fällt letztendlich auf Tui Cruises: „Durch die Präsentation von sea chefs und meine eigenen Recherchen empfand ich die Mein-Schiff-Flotte als ideal“, so Mischitz. Ein wichtiger Punkt bei ihrer Entscheidung stellt auch die Schiffssprache dar: „Alles andere als die Bordsprache Englisch kam für mich nicht infrage.“ Gleich ihr erster Bewerbungsversuch hat Erfolg. Zuvor suchte sie aber noch telefonischen Kontakt und informierte sich über das gesamte Bewerbungsprozedere. „Ich bekam danach ziemlich schnell eine Antwort.“

Unterwegs auf der Kanarenroute

Während der Pandemie unterschreibt sie ihren ersten Arbeitsvertrag über sechs Monate und wird seither auf der Kanaren-Route von Mein Schiff 2 eingesetzt. „Meine Aufgaben sind hier der Service und die Zubereitung von Getränken.“ In naher Zukunft soll sie auch die Kaffee- und Teeverkostungen an Bord übernehmen.

Der Arbeitstag von Eva-Maria Mischitz auf dem Schiff startet jeden Morgen um 7.30 Uhr. Sie baut die Displaytables für die Gäste auf. Außerdem befüllt sie die Kühlschränke mit Getränken und startet die Kaffeemaschinen. Die Reinigung des Barbereichs – insbesondere der Oberflächen – steht ebenfalls im Fokus der vorbereitenden Arbeiten, um dann nachfolgend die Gästewünsche erfüllen zu können. Zwischen 11.30 Uhr und 17.30 Uhr liegt die Pausenzeit von Eva-Maria Mischitz.

Die Ruhe am Morgen: So sieht es an Deck der Mein Schiff 2 aus
Die Ruhe am Morgen: So sieht es an Deck der Mein Schiff 2 aus
Foto: Tui Cruises

Am Abend übernimmt sie dann vornehmlich das Vorbereiten und Servieren von Getränken. Gegen 23 Uhr macht die 21-Jährige Feierabend. „Das sind zusammengenommen neuneinhalb Arbeitsstunden am Tag“, bilanziert Mischitz. Ihr Arbeitsgeber sea chefs achte jedoch darauf, dass sie nicht zu viele Überstunden aufbaut. Daher kommt es auch schon einmal vor, dass sie an manchen Tagen nur siebeneinhalb bis acht Stunden im Einsatz ist.

Zwischen ihren Schichten genießt Mischitz zwar viel Freizeit, zugleich muss sie aber auch täglich „funktionieren“. Denn einer der größten Unterschiede zwischen der Arbeit an Land und an Bord besteht laut Eva-Maria Mischitz darin, dass man auf dem Kreuzfahrtschiff an sieben Tagen in der Woche arbeitet. Dafür erfolgt nach sechsmonatiger Einsatzdauer eine zwei- bis dreimonatige Pause an Land.

Die täglichen Bordfreizeiten weiß Eva-Maria Mischitz zu schätzen: „Ich schlafe viel, um fit für die Arbeit zu sein.“ Jeden zweiten Tag besucht sie zudem den creweigenen Fitnessraum, um sich in Form zu halten. Das Training gibt ihr auch einen mentalen Ausgleich und Abwechslung vom Alltag. „Und am Abend gehe ich hin und wieder mal in die Crew-Bar, um mich mit Kollegen zu treffen und abschalten zu können“, so die 21-Jährige.

Das Verhältnis unter den Kollegen sei schon ganz anders als an Land: „Hier an Bord hat man eigentlich keine Kollegen, sondern schon fast so etwas wie eine zweite Familie.“ Durch die Pandemie stark eingeschränkt sind die Landgänge der Besatzung: Doch wenn sich dazu die Möglichkeit eröffnet, genießt es Maria Mischitz in einer gemütlichen Location einen Kaffee zu trinken oder Essen zu gehen. „Shopping darf natürlich auch nicht fehlen“, sagt sie.

Spaß haben trotz Coronakrise

Eine Herausforderung stellt weiterhin die Corona-Pandemie an Besatzung und Passagiere dar: „Das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes und das Social Distancing ist für uns Crewmitglieder doppelt so schwer“, so Mischitz. „Denn wir müssen nicht nur während der Arbeit den Mund-Nasen-Schutz tragen, sondern auch in unserer Freizeit.“ Einzige Ausnahmen sind beim Essen und Trinken sowie beim Aufenthalt in der eigenen Kabine.

Leben an Bord: In der Crewmesse treffen sich die Mitarbeiter zum Essen
Leben an Bord: In der Crewmesse treffen sich die Mitarbeiter zum Essen
Foto: Tui Cruises

Durch diese Vorschriften würden sich die Mitarbeiter jedoch mehr voneinander distanzieren, so ihre Erfahrung. Viele der Kollegen gehen etwa nicht mehr in die Crew-Bar oder den Coffeeshop, um Ansammlungen zu vermeiden. „Doch wir versuchen einfach das Beste aus dieser Situation zu machen und trotzdem Freude am Arbeiten zu haben“, resümiert die 21-Jährige. Auch wenn es hart klinge, mit Mund-Nasen-Schutz Abstand zu halten und die Füße bei noch so guter Musik still zu halten: „Wir haben trotzdem unseren Spaß.“

Spezielle Zukunftsziele hat sich Eva-Maria Mischitz im Moment nicht gesetzt. „Da dies mein erster Vertrag ist, warte ich erst einmal ab, wie mein Gesamteindruck nach den ersten sechs Monaten sein wird.“ Doch wie es derzeit aussieht, läuft es definitiv darauf hinaus, dass ihre Zeit an Bord nicht so bald enden dürfte. „Ich genieße gerade einfach nur die neuen Erfahrungen, die ich sammeln kann.“ In der der jetzigen Situation sei sie froh, an Bord sein zu können und so viel von der Welt zu sehen, wie es im Moment eben möglich ist. 
Faktencheck: Mein Schiff 2

Mein Schiff 2
Foto: Tui Cruises
Indienststellung:
2019
Reederei: Tui Cruises
Kapazität: 14 Decks, 1097 Kabinen, 2894 Passagiere
Besatzung: regulär rund 1100 Mitglieder aus 45 Nationen
Gastronomie: 12 Restaurants und Bistros, 17 Bars und Lounges
Sonstiges: 2400 m2 Spa und Fitnessbereich
Routen: Südeuropa & Mittelmeer, Mittelamerika & Karibik, Nordland & Großbritannien
Bordsprache: Deutsch (Besatzung Englisch)
Crew Management: www.seachefs.com

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