Ausbildung: Claus Alboth coacht Schülerköche
Ausbildung

Claus Alboth coacht Schülerköche

Jürgen Glocke
Mentor für den Branchenachwuchs: Der Thüringer Profikoch Claus Alboth beim Wettbewerbs-Probekochen mit der Koch-AG der Regelschule in Schwarza bei Meiningen
Mentor für den Branchenachwuchs: Der Thüringer Profikoch Claus Alboth beim Wettbewerbs-Probekochen mit der Koch-AG der Regelschule in Schwarza bei Meiningen

Der Thüringer Profikoch unterstützt den Schülerkochpokal-Wettbewerb, weil ihm die Nachwuchsförderung am Herzen liegt. Der diesjährige Finaltermin ist angesichts der Coronakrise jedoch noch ungewiss.

SCHWARZA/MEININGEN. Köche händeringend gesucht! Republikweit klagen Gastronomen über große Nachwuchs-Probleme. Geringes Interesse an dem Beruf, eine Abbrecherquote unter den Lehrlingen, die höher ist als in anderen Bereichen und häufige Kündigungen. Der Erfurter Profikoch Claus Alboth kennt das alles aus seiner langjährigen Berufspraxis. Als Koch, Küchendirektor und Geschäftsführer arbeitete der 55-Jährige in mehr als 15 führenden Gourmet-Restaurants und Sterne-Hotels. Er weiß, was Personalnot bedeutet. Nachdem er sich vor einiger Zeit neu erfunden und seine Alboth´s Kochwelt gegründet hat, ist ihm die Nachwuchsförderung ein besonderes Anliegen. In diesem Jahr steht er den Teilnehmern beim Thüringer Schülerkochpokal als Coach zur Seite, ehrenamtlich. Warum er sich dort engagiert? „Wir müssen unser Wissen und Können weitergeben!“

Ein lockerer, umgänglicher Typ - kein dozierender Promikoch

„Kochen bringt alle an einen Tisch“, so Alboth. In Zeiten gesellschaftlicher Entwicklungen, in denen die Familien immer mehr auseinanderfallen, könne Kochen etwas Besonderes, etwas wieder verbindendes sein. Darauf möchte er jungen Menschen Lust machen. Nicht als dozierender Promikoch oder „Küchen-Würdenträger“, sondern als „Ratgeber aus dem Leben“. Die Reaktionen der Schülerköche zeigen ihm, dass sie ihn in der Tat wahrnehmen als einen authentischen, lockeren und umgänglichen Typen, einen Mentor, der kein Aufhebens um sein Können macht und dem die Küchentipps nicht aus der Nase gezogen werden müssen.

Wenn die Leidenschaft fürs Kochen, wie in dem südthüringischen Dorf erfahren, einen Sechstklässler dazu bringt, regelmäßig das Sonntagsessen zuhause für die Familie zuzubereiten, dann ist das allemal ein hoffnungsvolles Zeichen.#/ZITAT#

Der Profikoch genießt das entspannte Geben und Nehmen. Ist es doch ein wohltuender Kontrast zum oftmals getriebenen Gastronomen-Dasein. Und zugleich das gute Gefühl, jungen Menschen etwas mit auf den Weg zu geben. „Ich merke rasch, wenn die Jungen und Mädchen mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache sind.“ Wie unlängst, als er an der Regelschule im Thüringischen Schwarza bei Meiningen beim Probekochen von Mitgliedern einer Koch-AG zu Gast war, die am Schülerkochpokal-Wettbewerb teilnimmt. Bei den Sechstklässlern war echtes Interesse an dem Metier und Freude an der Beschäftigung mit Lebensmitteln und der Zubereitung von Speisen zu spüren.

Freilich, nur wenige werden in dem Beruf landen und nur einige Ausnahmen werden es zu höheren Küchen-Weihen schaffen. „Wer Kochen nur als Beruf sieht und nicht als Berufung, ist von vornherein außen vor“, stellt der Profi klar.

Positive Erfahrungen können in Richtung Gastronomie lenken

Was ihre Berufsziele anbelangt, sind die Teilnehmer beim Schülerkochpokal meist noch unentschlossen. Das sei jedoch nicht die schlechteste Ausgangslage, meint Alboth. Positive Erfahrungen könnten den einen und anderen in Richtung Gastronomie denken lassen. Wenn die Leidenschaft fürs Kochen, wie in dem südthüringischen Dorf erfahren, einen Sechstklässler dazu bringt, regelmäßig das Sonntagsessen zuhause für die Familie zuzubereiten, dann ist das allemal ein hoffnungsvolles Zeichen.

Was essen wir, wo kommt unser Essen her, wie müssen wir damit umgehen – dazu braucht es keinen staatlich verordneten Veggie-Tag. Diese Fragen gehören meines Erachtens in den Ethik-Unterricht.#/ZITAT#

Solche jungen Leute zu motivieren und zu fördern ist Anliegen des Schülerkochpokal-Wettbewerbs und aus Alboths Sicht immens wichtig. Das könne jedoch nur ein erster Schritt sein, einer, der gut geeignet ist, Interesse bei den Kindern zu wecken. Ebenso bei den Schulen. Die müssten dahin kommen, das Thema Kochen in den Unterricht zu integrieren. „Was essen wir, wo kommt unser Essen her, wie müssen wir damit umgehen – dazu braucht es keinen staatlich verordneten Veggie-Tag. Diese Fragen gehören meines Erachtens in den Ethik-Unterricht“, betont Claus Alboth.

Unterdessen unterliegt auch der Schülerkochpokal dem Coronavirus. Das im Mai geplante Finale im Dehoga Thüringen Kompetenzzentrum in Erfurt werde sicher ausfallen, mutmaßt der Coach. Ist sich jedoch sicher, dass dies nicht das grundsätzliche Aus für den Wettbewerb bedeuten wird.

Coronakrise bedeutet Stillstand für Alboth's Kochevents

Stillstand bedeutet die aktuelle Lage auch für das 2019 gegründete Unternehmen Alboth´s Kochwelt. Er würde lügen, wenn er sagen würde, dass ihm die Coronakrise keine Sorgen bereite, doch um seine Existenz fürchte er nicht, sagt Alboth. Sein Ausstieg aus der Gourmetküche und der Neuanfang als Kochkurs-Anbieter hätten sich als richtige Schritte erwiesen. In seinen Events biete er keine Sterneküche, wohl aber eine handwerklich gute, anspruchsvolle Küche, die das Produkt in den Vordergrund stellt, ohne großen Schnickschnack, zubereitet hauptsächlich aus dem, was der saisonale regionale Markt hergibt. Auf der Habenseite stehe auch, dass ihn das Problem der Fachpersonal-Suche nicht mehr belastet. „Ich habe aus der Not eine Tugend gemacht: Ich suche nicht mehr, sondern lasse mich suchen“, sagt ein in sich ruhender Claus Alboth.

DER SCHÜLERKOCHPOKAL

Der Schülerkochpokal ist ein bundesweiter Kochwettbewerb, der Schüler der Sekundarstufe 1 zu kulinarischen Leistungen motiviert. Durch die ehrenamtliche Unterstützung von Köchen aus dem Berufsfachverband der Köche Deutschlands (VKD) sollen junge Menschen einen praktischen Zugang zu ausgewogener Ernährung, zum bewussten Umgang mit Lebensmitteln und zum Erlernen und Anwenden von Koch- und Zubereitungstechniken gewinnen. Der Wettbewerb fördert und vermittelt gesellschaftspolitische Themen wie gesunde Ernährung, respektvoller Umgang mit Lebensmitteln verbunden mit einer gesteigerten Lebensqualität und -intensität. Die aktuelle 23. Auflage des von der Kochen macht Schule gGmbH initiierten Wettbewerbs in Thüringen steht unter dem Motto „Thüringen Crossover. Verliebt in Cumin“ und animiert zu einer Entdeckungsreise in die Welt der Gewürze.

Die 23. Auflage des Wettbewerbs in Thüringen steht unter dem Motto „Thüringen Crossover. Verliebt in Cumin“. #/ZITAT#

Beim Wettbewerbs-Probekochen ist ein 3-Gänge-Menü für vier Personen zuzubereiten: Im ersten Gang einen Appetizer – leicht und bekömmlich, im zweiten Gang einen Sattmacher – herzhaft und pikant und im dritten Gang ein Happy End – frisch und fruchtig. Das Menü der Regelschüler aus Schwarza: Kürbis-Curry-Süppchen, Schweinelende mit Cranberries, Früchte-Sahne-Kombination im Glas. Serviert werden sollte das Ganze auf einem selbst gestalteten und dekorierten Tisch. Die verfügbare Zeit war auf 120 Minuten begrenzt.

ZUR PERSON: Claus Alboth

Der 55-Jährige hat den Beruf des Kochs im Hotel Steigenberger in Berlin erlernt. Danach arbeitete er ab 1986 bei Spitzenkoch Siegfried Rockendorf (†), kochte später auf dem Traumschiff und auf der MS Europa. 1991 wurde er Souschef im Steigenberger Hotel Maximilian in Bad Griesbach und wechselte 1992 ins thüringische Erfurt, wo er mit 27 Jahren Küchendirektor im legendären Hotel Erfurter Hof wurde. 1994 wechselte er ins Hotel Domizil nach Apfelstädt bei Erfurt und kochte ab 1997 in Alboth's Restaurant im Kaisersaal in Erfurt. Dort wurde er 2002 Küchendirektor und 2011 vom Restaurantführer Gault Millau zum „Aufsteiger des Jahres“ gekürt. 2013 wurde er Geschäftsführer des Romantik Hotels Dorotheenhof in Weimar, wo er bis 2016 sein Alboth's Restaurant weiterführte. Danach zog er sich aus der Gourmetküche zurück, betrieb aber zunächst noch seine 2015 als „Kochschule des Jahres“ im Bertelsmann Guide gefeierte „Küchenwerkstatt im Dorotheenhof“ weiter. 2019 gründete er sein Unternehmen Alboth´s Kochwelt mit Sitz in Elxleben bei Erfurt. Das Angebot umfasst Kochkurse und -erlebnisse, Mietkoch und Beratung.
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