Mitarbeiter: Dem Team den Restart erleichtern
Mitarbeiter

Dem Team den Restart erleichtern

Ritter von Kempski Privathotels (1), Platzl Hotel (1)
Sie haben die Verantwortung für viele Mitarbeiter: Clemens Ritter von Kempski und Heiko Buchta
Sie haben die Verantwortung für viele Mitarbeiter: Clemens Ritter von Kempski und Heiko Buchta

Mit der Wiederöffnung der Hotels kommen viele Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurück. Der Wiedereinstieg bedeutet zugleich neue Herausforderungen. Zwei Hotelchefs sagen, wie sie vorgegangen sind.

STOLBERG/MÜNCHEN. Das Hotel wieder geöffnet, das Team kann zurückkehren. Doch wie lässt sich dieser Prozess am besten gestalten, damit sich in der immer noch bestehenden Krisensituation alle abgeholt oder auch sicher fühlen. Was gibt es zu beachten, was lassen sich Arbeitgeber möglicherweise einfallen? Wir haben bei Dr. Clemens Ritter von Kempski, Geschäftsführer der Ritter von Kempski Privathotels in Stollberg, sowie bei Heiko Buchta, Direktor des Platzl Hotel in München nachgefragt.

Clemens Ritter von Kempski: „Ich habe für alle eine Jobgarantie ausgesprochen“

„Die Vorbereitung der Rückkehr unseres Teams begann mit einer Mitarbeiterversammlung am 20. März. Seitdem waren alle Mitarbeiter der Ritter von Kempski Privathotels im intensiven Austausch, etwa über Posts auf der Website sowie über unsere Social-Media-Kanäle. Hinzu kamen WhatsApp-Gruppen, die von den Abteilungsleitern verantwortet wurden. Zu jeder Lohnabrechnung habe ich einen Brief mit Neuigkeiten – etwa zum Kurzarbeitsgeld –beigefügt. Natürlich gab es auch Telefonate oder Treffen.

Ein Teil der Mitarbeiter war sowieso im Einsatz, um das Hotel betriebsbereit zu halten, zu bewachen oder Sanierungsarbeiten durchzuführen. Dort gab es einen engeren Austausch. Sehr aktiv war über den gesamten Zeitraum das Backoffice mit Reservierung, Marketing & Sales, Personalabteilung.

Mit Beginn der absehbaren Lockerungen haben wir intern die Öffnungskonzepte geplant. Dazu wurden zuerst die Abteilungsleiter in Einzelgesprächen und AL-Meetings zusammengerufen, um vor allem die neuen Hygieneanforderungen zu planen und praktikabel zu gestalten. Zu Beginn jedes AL-Meetings gab es eine kurze Präsentation ‚Zur Lage der Nation‘, etwa generelle und strategische Implikationen durch die Covid-19-Pandemie (globale Veränderungen), Auswirkungen auf unseren Markt in Deutschland und die Konsequenzen für unser Hotel. So haben ich ein im Bau befindliches Logisprodukt kurzfristig gestoppt und komplett umplanen lassen, weil wir in Zukunft andere Anforderungen haben werden.

Die einzelnen Abteilungsleiter haben ihre Abteilungen im Vorfeld zusammengerufen. Es gab unzählige Webinare. Zwingend und verpflichtend sind für alle die Schulungen um die Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen.

In einer solchen Krise ist Kommunikation eine der wichtigsten Tugenden und komplette „Chefsache“ – nach innen wie außen. Fehler können gravierende, wenn nicht sogar existentielle Folgen haben. Beispielsweise gilt es die unmissverständliche Einschätzung der Sicherheit für die Gäste oder die zweifelsfreie Bereitschaft, alles zu tun, um die Mitarbeiter durch diese Zeit zu bringen, zwingend aufzuzeigen. Daher habe ich als Geschäftsführer und Inhaber die alleinige Führung übernommen und stand für alle und jeden als direkter Ansprechpartner 24/7 zur Verfügung.

Wo es geht, haben wir die Mitarbeiter unterstützt. So habe ich von Tag 1 an das Kurzarbeitergeld für alle auf 80 Prozent erhöht. Sollte zudem ein Mitarbeiter in finanzielle Nöte geraten, so konnte man sich direkt an mich wenden. Ich habe für alle eine Jobgarantie ausgesprochen und gesagt, dass ich alle Ressourcen, innerhalb und außerhalt des Unternehmens aktivieren werde, um durch diese Krise zu steuern. Wichtig war, das Festhalten an Investitionsmaßnahmen, damit jeder sehen konnte, dass ich weiter an die Zukunft glaube – was ich übrigens auch wirklich tue.

Bei mehr als 100 Mitarbeitern gibt es immer verschiedene Einschätzungen und Strömungen. So hatten wir gleich zu Beginn zwei bis drei Kündigungen, die sich aus der Branche verabschiedet haben. Mit einem leitenden Mitarbeiter haben wir eine Aufhebung vereinbart.

Mehr als 95 Prozent der Mitarbeiter sind weiterhin an Bord. Davon ist die weit überwiegende Mehrheit hoch motiviert. Dabei geht es nicht nur um die Reduktion der Kurzarbeit (und damit auch finanzielle Verbesserung), sondern vor allem um den Spaß an der Arbeit. Ich darf wirklich sagen, dass meine Mitarbeiter grundsätzlich gern im Hotel arbeiten, am Gast sind und Teil des Ganzen und der Gemeinschaft sein wollen. Und nach zwei Monaten zu Hause sein, sind auch die meisten wirklich ausgeschlafen und der Garten ist in Ordnung gebracht.

Neben den allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen für unsere Mitarbeiter habe ich an alle Mitarbeiter einen Fragebogen versendet, in dem diese sich selbstständig und ohne Attest einschätzen konnten, ob sie zu einer der Risikogruppen nach RKI-Kriterien gehören. Wenn ja, dann kann der Mitarbeiter frei wählen, ob er arbeiten will oder bis Anfang September in Kurzarbeit bleibt. Das gilt auch für die, die pflegebedürftige Familienmitglieder in der häuslichen Gemeinschaft haben. Zurzeit machen zwei Mitarbeiter von dieser Regelung Gebrauch.

Außerdem denken wir in Reserveteams, falls es zu einem positiven Fall kommt. Ängsten begegnet man am besten mit Aufklärung, Transparenz und konsequenten Umsetzung der Schutzmaßnahmen. Auch der Hinweis, dass es keine 100-prozentige Sicherheit gibt, gehört dazu. In diesem Zusammenhang hilft es, dass ich Mediziner bin und daher als Ansprechpartner dienen kann.“

Heiko Buchta: „Wir kommunizieren und trainieren, so dass alle gut wieder ankommen können“

„Im Platzl Hotel haben über die gesamte Zeit hinweg via Hotelkit, unserem Intranet, kommuniziert. So wussten alle jederzeit, wie der aktuelle Stand ist, was geplant ist und wie die künftigen Tage und Wochen ausschauen werden – soweit wir das natürlich abschätzen konnten. Außerdem wurde ein Team aus Mitarbeitern zusammengestellt, das sich um das Schutzkonzept für die Platzl Hotels gekümmert hat. Des Weiteren haben wir unseren Mitarbeitern einen Motivationsbrief sowie ein wenig Nervennahrung nach Hause geschickt – wir standen immer in Kontakt.

Bis kurz vor dem Restart haben wir lediglich positive Rückmeldungen bekommen und das Gefühl, dass alle top motiviert sind. Natürlich ist eine gewisse Unsicherheit vorhanden, aber wir kommunizieren und trainieren, so dass alle gut wieder ankommen können. In unserem Unternehmen arbeiten wir sehr eng miteinander – es ist eine freundschaftliche und familiäre Atmosphäre. Entsprechend haben wir uns auch besonders darauf gefreut, unsere Kollegen, wenn auch mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen, wiedersehen können.

Alle Mitarbeiter wurden bezüglich der allgemeinen Hygiene-Standards geschult. Außerdem erstellte jeder Abteilungsleiter abteilungsspezifische Trainings, damit alle wissen, worauf zu achten ist, was wichtig ist, so dass sich alle abgeholt und sicher fühlen.

Wir haben ein ausführliches Sicherheits- und Hygienekonzept anhand von Gefährdungsbeurteilungen und unter strikter Einhaltung der Bayerischen Vorgaben erstellt. Außerdem arbeiten wir vorerst in festen Teams, unsere Mitarbeiter-Kantine ist in einen unserer Veranstaltungsräume gezogen, damit wir mehr Platz haben, eine Dirndl-Schneiderin hat uns Masken in Platzl-Grau genäht, und pro Abteilung wurden Checklisten für die spezielle Reinigung erstellt.

Die besondere Herausforderung liegt sicherlich in der Erstellung der Dienstpläne, da wir zukünftig in festen Teams arbeiten, die auch nicht durchgemischt werden sollen. Dass die aktuelle Zeit ein wenig verunsichert, ist verständlich, wir stehen unseren Mitarbeitern aber immer mit einem offenen Ohr zur Seite und unterstützen wo wir können.“
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