Ausbildung: Halbzeit in Frankfurt
Ausbildung

Halbzeit in Frankfurt

Barbara Goerlich
Die 7-Sterne-Azubis: (von links) Luise Schulke, Christine-Alina Stein und Vanessa Thyssen.
Die 7-Sterne-Azubis: (von links) Luise Schulke, Christine-Alina Stein und Vanessa Thyssen.

Die Frankfurter „7-Sterne-Ausbildung“ kombiniert 5-Sterne-Hotellerie mit 2-Sterne-Gastronomie. Macher und Azubis ziehen erste Bilanz.

Frankfurt/M. Sterne kann es gar nicht genug geben, könnte man angesichts mancher Branchenaktivitäten vermuten. Das Grandhotel Hessischer Hof und die Tiger&Palmen Gruppe haben im Sommer 2015 ein nach eigener Aussage „zukunftsweisendes“ Ausbildungskonzept initiiert: Im Rahmen der „7-Sterne-Ausbildung“ bilden die beiden Betriebe drei Auszubildende gemeinsam aus. Fünf Sterne hat das Hotel, zwei Michelin-Sterne hat die Gastronomie im Palmengarten beziehungsweise Tigerpalast.

Jetzt war Halbzeit für das „7 Sterne“-Trio: Vanessa Thyssen wechselt vom Tiger-Palast in den Hessischen Hof, wo Luise Schulke und Christine-Alina Stein die erste Hälfte ihrer Ausbildung mit hotelspezifischen Inhalten verbracht haben und jetzt ins F&B-lastigere Tiger-Reich wechseln.

Nicht zu früh spezialisieren



Luise Schulke hat sich nach dem Abitur eher „spontan“ fürs Hotelfach entschieden und ist positiv überrascht, wie vielseitig die Ausbildung ist. Sie will nach der Ausbildung auf jeden Fall ins Ausland, um ihre Sprachkenntnisse zu perfektionieren. Christine-Alina Stein hat beim Jobben in Cafés „Blut geleckt“. Für sie liegt der große Reiz der Branche darin, „dass man so viele Möglichkeiten hat und sich nicht schon früh auf eine Sache spezialisieren muss“. Vanessa Thyssen hingegen wollte immer „etwas Soziales machen“. Sie ist gern mit Menschen zusammen und liebt die Arbeit im Team. In der ersten Hälfte hat sie nicht nur den Betrieb im Restaurant Lafleur und dem Tigerpalast kennengelernt, sondern wurde auch in Lohnabrechnung, Warenwirtschaft, Controlling und der Buchhaltung eingesetzt. Im Hessischen Hof wird sie die Abteilungen alle drei Monate wechseln.

Für die dreijährige Ausbildung zum Hotelfachmann/-frau „mit Zusatzqualifikation Hotelmanagement“ gibt es an der Frankfurter Bergius-Berufsschule eine eigene Klasse mit 25 Schülern. Drei davon arbeiten bei den beiden Verbundpartnern Hessischer Hof und Tiger & Palmen. „Die Ausbildung ist sehr anspruchsvoll“, sagt Tiger-Chef Robert Mangold, da die Azubis in der Berufsschule zusätzliche Fächer belegen müssen, etwa bei den Fremdsprachen Englisch, Französisch und Spanisch.

Anfangs war das Trio ein Quartett. Eine Auszubildende hat nach zwei Monaten die Ausbildung aufgegeben. Die Prüfung legen alle drei Teilnehmerinnen der „7-Sterne- Ausbildung“ im Sommer 2018 vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt ab.

Damit lebt ein Ausbildungsmodell wieder auf, das vor vielen Jahren gang und gäbe war. Tiger&Palmen-Geschäftsführer Robert Mangold hatte sich erinnert und einen Hotel-Partner gesucht. Dadurch können in Restaurants auch Hotelfachleute ausgebildet werden, die im Partnerhotel die Beherbergungs-spezifischen Abteilungen absolvieren. Hotels garni ohne Restaurant schicken ihre Azubis zur F&B-Ausbildung ins Partnerrestaurant. Das bedeutet zwar einen höheren Organisationsaufwand für die Ausbilder, doch die Azubis sammeln bereits Erfahrung in zwei Betrieben.

Viele Bewerbungen



„Auf die Ausbildung Hotelfachkraft mit Hotelmanagement erhalten wir viel mehr Bewerbungen als auf andere Angebote“, sagt Eduard Singer, Generaldirektor des Hessischen Hofs. Der zweite Jahrgang ist bereits eingestellt, der dritte Jahrgang folgt im Sommer. In Kooperation mit der Tiger&Palmen Gruppe habe man „ein zukunftsweisendes Konzept auf hohem Niveau gefunden, um junge Leute für die Branche zu interessieren“, sagt Singer. Barbara Goerlich

stats