Hospitality HR Award 2021: „Wir bewerben uns ...
Hospitality HR Award 2021

„Wir bewerben uns bei den Mitarbeitern“

Nordsee Kollektiv
Nordsee Kollektiv: Fünf Unternehmen aus St. Peter-Ording setzen beim Mitarbeiter-Recruiting auf den Community-Gedanken
Nordsee Kollektiv: Fünf Unternehmen aus St. Peter-Ording setzen beim Mitarbeiter-Recruiting auf den Community-Gedanken

Neue Zielgruppen im Recruiting, nachhaltige Arbeitgebermarkenstrategien und eine klare Ausrichtung an Werten – das zeichnet die Preisträger bei den diesjährigen Hospitality HR Awards aus. Insgesamt 21 Konzepte hat die Deutsche Hotelakademie (DHA) damit gewürdigt.

Unter den Hauptpreisträgern befinden sich das Atlantic Hotel Sail City und das Nordsee Kollektiv aus Sankt-Peter-Ording. Beide Konzepte eint der Blick für die Bedürfnisse der Mitarbeiter, daher wollen wir sie hier exemplarisch und stellvertretend für die anderen Preisträger vorstellen. Heute: Das Nordsee Kollektiv in St. Peter-Ording.


Das Nordsee Kollektiv hatte in der Award-Kategorie „HR-Strategie Ketten und Kooperationen“ die Nase vorn. Fünf Arbeitgeber aus St. Peter-Ording haben unter dem Dach des Nordsee Kollektivs eine starke Arbeitgebermarke entwickelt, die moderne Recruiting-Formate und attraktive Mitarbeiterbindungsmaßnahmen einbindet und Synergiepotenziale zu nutzen weiß.

Mehr Sichtbarkeit im Kollektiv

Die Idee, dass es besser sei, sich zusammenzutun, statt sich gegenseitig Mitarbeiter wegzunehmen, bildet dabei den Ursprung für die Entstehung des Nordsee Kollektivs. Initiatoren sind die Hoteliers und Gastronomen Sven Olo Kohrs, Marco Häusler und Karsten Werner. Alle drei betreiben lässige und unabhängige, individuelle Hotels und Restaurants in St. Peter-Ording, die für sich genommen aber jeweils zu klein waren, um größere Recruiting-Projekte anzugehen oder mehr Sichtbarkeit als Arbeitgeber zu erlangen. Also beschlossen sie die Partnerschaft in Form eine Kollektivs, dem heute die Hotels Beach Motel, Zweite Heimat und Strandgut Resort sowie die Restaurants Dii:ke und die Insel angehören.

Als Geschäftsführerin mit an Bord geholt wurde Diana-Nadine Brammann, im Oktober 2020 fiel der Startschuss. In einem Workshop wurde der gemeinsame Nenner aller fünf Betriebe definiert. „Wer sind wir? Welche Werte sind uns wichtig? Welche Vision verfolgen wir? Welcher Slogan passt zu uns?“, berichtet Brammann. „Wichtig war, dass sich alle in dem Wir wiederfinden, welches das Kollektiv heute nach außen trägt.“

Diana-Nadine Brammann: "Mitarbeiter wollen gesehen und eingebunden werden"
Nordsee Kollektiv
Diana-Nadine Brammann: "Mitarbeiter wollen gesehen und eingebunden werden"

Der Slogan „Meer als ein Job“ war schnell gefunden, doch als es im März richtig losgehen sollte, kam der Lockdown. Ideen wie Events oder gemeinsame Aktionen traten damit in den Hintergrund. Dennoch sieht Brammann in der Krise auch einen Start-Vorteil: „Denn so hatten wir Zeit, die Idee zu entwickeln“, sagt sie. Statt Recruiting- wurden Mitarbeiterbindungsmaßnahmen angepackt. Etwa die Crew-Card, die das Kollektiv vom Beach Motel adaptierte. Die Karte gewährt den Mitarbeitern der Betriebe Vergünstigungen bei Einkauf, Sport, Banken oder auch Versicherungen.

Weiter entstanden ein eigenes Fitnessstudio und ein Mitarbeiter-Wohnhaus in einer ehemaligen Pension. „Das war wichtig, denn in St. Peter-Ording ist Wohnraum nur schwer zu finden“, so Brammann. „Mit unserem Mitarbeiterhaus geben wir nun neuen Mitarbeitern die Möglichkeit zum Ankommen, sie können dort bis zu anderthalb Jahre logieren.“


Doch auch digitale Recruiting-Projekte befeuerte der Lockdown. „Um mit unseren Mitarbeitern in Kontakt zu bleiben, entstand die Idee eines Podcast, bei dem sie zu Wort kommen“, berichtet Brammann. Längst setzt das Kollektiv auch auf Video-Anzeigen, die die eigenen Mitarbeiter zeigen und die via Social Media verbreitet werden. Die mithilfe des Kollektivs neu akquirierten Kollegen kommen zwar noch mehrheitlich aus Norddeutschland, aber auch aus Bayern oder dem Sauerland hätten die ersten angeheuert, so Brammann.

Welche Strategien haben sich für das Kollektiv als zielführend herausgestellt? „Wir bewerben uns heute bei den Mitarbeitern“, so Brammann. „Und bei Leuten, die Spaß an der Sache mitbringen, sind uns die Noten auch erst einmal nicht so wichtig.“ Darüber hinaus gelte es, Mitarbeiter-Bedürfnisse zu erkennen. „Mitarbeiter wollen gesehen und eingebunden werden“, so die HR-Expertin. Entsprechend gelte es, eng an den Mitarbeitern dran zu bleiben und nicht an ihren Bedürfnissen vorbei zu agieren.

Beim Recruiting rät sie dazu, auch mal Dinge anders zu machen. „Emotionen zeigt ein Video nun mal besser, als eine Zeitungsanzeige.“ Gleichwohl mache es auch der Mix der Recruiting-Kanäle – vom Video über Inhouse-Messen in Schulen bis hin zu Kooperationen. Was das Budget betrifft: „Das geht schlanker als man denkt“, so Brammann. Ihr Tipp: „Bevor Ideen umgesetzt werden, immer genau abwägen: Was macht wirklich Sinn und was ist nur nice to have.“

Starke Persönlichkeiten entwickeln

Als nächstes will sich das Kollektiv für andere Betriebe in der Region öffnen, erste Gespräche gibt es bereits. Das soll den regionalen Netzwerk- und Community-Gedanken noch mehr befeuern. Auch über St. Peter-Ording hinaus wollen die Initiatoren aktiv werden – als nächstes werden die Büsumer Heimathafen-Projekte Lighthouse und Bretterbude dazustoßen. Ferner gibt es erste Ideen zu Weiterbildungsangeboten, dem Mitarbeiter-Austausch zwischen den Betrieben und zur Verbesserung der Mitarbeiter-Mobilität.


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