Interview: Irene Weißhaupt, Nicole Adler und ...
Interview: Irene Weißhaupt, Nicole Adler und Susanne Fritsch, Mentees beim Frauennetzwerk-Foodservice

Keine Angst vor der Karriere

Brit Glocke
Haben viel gelernt: (von links) Irene Weißhaupt, Nicole Adler und Susanne Fritsch mit Projektcoach Kristin Putzke (Zweite von rechts).
Haben viel gelernt: (von links) Irene Weißhaupt, Nicole Adler und Susanne Fritsch mit Projektcoach Kristin Putzke (Zweite von rechts).

Die drei Mentees sprechen mit AHGZ-Redakteurin Brit Glocke über Frauen als Mentorinnen, Netzwerke und ihre ganz eigenen Learnings.

Sie sind Mentees des dritten Cross-Mentoring-Programm des Frauennetzwerk-Foodservice – wie kam es dazu?



Weißhaupt: Meine HR-Chefin hat mich gefragt, ob ich mich nicht bewerben möchte.

Fritsch: Ich habe per Mail vom Mentoring erfahren und mich beworben.

Adler: Ich wurde über das interne Talentprogramm darauf angesprochen und habe das Mentoring als Chance gesehen. Bei der Bewerbung war dann meine Eigeninitiative gefragt.

Wie läuft das Mentoring ab?



Adler: Startschuss war im Februar letzten Jahres mit einem Karriere-Workshop in Berlin. Hier haben wir die Mentoren und die anderen Mentees kennengelernt. Außerdem hatten wir zwei Tage lang die Möglichkeit, uns ganz auf uns zu konzentrieren und uns klar zu werden, was wir für unsere Karriere wollen. Die Mentoren stehen uns ein Jahr lang beratend zur Seite, außerdem gibt es ein Mentee-Projekt. Im Juli findet noch eine Abschlussveranstaltung statt.

Hatte jede Teilnehmerin Ihre eigene Mentorin und wer ist das?



Fritsch: Ja. Bei mir ist es Manuela Stone aus dem Legoland Deutschland Resort.

Weißhaupt: Meine Mentorin ist Sabine Stöhr, geschäftsführende Gesellschafterin der 1A Retail GmbH. Sie hat Hotelfachfrau gelernt, ist jetzt in der Gastro-Immobilienbranche tätig. Sie hat mir sehr spannende Projekte gezeigt.

Adler: Ich habe Claudia Driver von Claudia Driver Marketing in Hamburg zur Seite, die aus der Block-Gruppe kommt. Für mich ist es spannend zu sehen, wie ihr Werdegang verlief und welche Parallelen es gibt.

Wie oft treffen Sie Ihre Mentorin, wie ist der Kontakt?



Fritsch: So oft wie ich möchte. Manuela Stone war bei mir im Betrieb, hat meinen Arbeitsplatz gesehen. Ich war zwei Tage bei ihr, habe gesehen, wie sie ihr Team führt. Wir sind vom ersten Tag an in die Tiefe gegangen, was auch an meiner Bewerbung lag, aus der sie viel herauslesen konnte: meine Ängste, meine Schwächen, meine Potenziale. Wenn ich im Job anecke oder nicht weiter weiß, steht sie mir mit Rat und Tat zur Seite und zeigt mir alternative Perspektiven.

Adler: Ich habe während des Mentorings zweimal die Stelle gewechselt und Claudia Driver ist immer diejenige, die ich anrufen kann, die mir Tipps gibt, und die mir Wege aufzeigt. Von der Entfernung her sind wir etwas weit auseinander, daher haben wir uns nur zweimal getroffen, aber via WhatsApp geht ja auch viel.

Weißhaupt: Ich kann Sabine Stöhr immer anrufen, egal ob es um eine Präsentation geht oder um Schwierigkeiten mit meinen Mitarbeitern, bei denen ich nicht weiß, wie ich sie am besten löse.

Macht es einen Unterschied, ob die Mentorin weiblich ist?



Weißhaupt: Ich denke, eine Frau kann sich leichter in eine Frau hineinversetzen. Wir haben einfach andere Werte oder auch Vorstellungen. Eine Frau hat mehr Fingerspitzengefühl, macht sich mehr Gedanken, wie sie etwas sagt. Von daher denke ich, dass es eine tolle Sache ist, wenn der Mentor eine Frau ist.

Fritsch: Das Gefühl hatte ich auch bei meinen Interviews für die Projektarbeit – zwei mit einer Frau, eins mit einem Mann. Der war zwar Förderer von Frauen, hat aber auch immer wieder klar zu verstehen gegeben, dass er manche Dinge anders sieht. Zwischen Frauen werden einfach noch andere Fragen besprochen.

Teil des Programms war Ihre Projektarbeit. Diese bezog sich auf eine Studie des Peterson Institutes for International Economics in Washington, die besagt, dass weibliche Führungskräfte einen positiven Einfluss auf den Umsatz von Unternehmen haben. Was waren die überraschendsten Erkenntnisse?



Adler: Frauen haben kein Netzwerk und Frauen sind keine Förderer. Ohne Netzwerk ist aber keine Karriere möglich. Daher unser Appell: Frauen redet miteinander und unterstützt euch gegenseitig!

Was nehmen Sie für sich selbst aus dem Mentoring mit?



Weißhaupt: Mir haben meine Mentorin und die Veranstaltungen gezeigt, dass ich mehr auf Menschen zugehen und Netzwerke knüpfen muss, weil ich den einen oder anderen Kontakt im Beruf vielleicht wieder brauche.

Fritsch: Abgesehen von den vielen Kontakten haben wir auch unter den Mentees ein tolles Netzwerk aufgebaut. Wir haben alle verstanden, dass wir voneinander lernen können. Es war einfach top, sich viel voneinander abzuschauen. Mir persönlich hat es die Augen geöffnet, dass meine Mentorin hinterfragt hat, warum ich mir so viele Gedanken mache und Herausforderungen erst annehme, wenn ich 100-prozentig vorbereitet bin. Ich nehme mit, dass ich gut bin, einen guten Job mache und das ich das jetzt nur noch an andere Leute weitergeben muss. Ich darf mir auch selbst mal auf die Schulter klopfen und sagen: Hey, gut gemacht.

Adler: Ich habe gelernt, dass Führung wie auch Herangehensweisen sehr verschieden sind. Dass es nicht funktioniert zu kopieren, dass man aus sich selbst heraus motiviert sein muss und dass man auch „nein“ sagen darf. Mir ist sehr bewusst geworden, was und wie ich sein will. Viele Frauen wissen nicht, wo sie hinwollen, wissen aber auch nicht, was sie nicht wollen. Sich darüber klar zu sein, definiert wo man irgendwann sein möchte.

Wie sehen Ihre Karrierepläne aus?



Fritsch: Ich möchte weiter vorankommen. Ich hoffe, dass Block House noch viele Verantwortlichkeiten und Herausforderungen für mich parat hält.

Weißhaupt: Ich fühle mich durch das Projekt motiviert, mich weiterzuentwickeln, neue Projekte zu machen. Und vor dem Weg nach oben – wenn es passt – habe ich auch nicht mehr so viel Angst.

Adler: Ich sehe mich als Förderer für junge Talente in einem Unternehmen. Ich möchte mit Menschen arbeiten und sie inspirieren – das ist nach wir vor mein Ziel.



DIE MENTEES

Susanne Fritsch (33), Betriebsleiterin Block House Restaurantbetriebe

Irene Weißhaupt (36), Betriebsleiterin Aramark GmbH im Restaurant im Hause Roche Penzberg

Nicole Adler (41), Head of Operational Marketing bei Coca-Cola European Partners GmbH

ÜBER DAS MENTORING

Das dritte Cross-Mentoring-Programm des Frauennetzwerk-Foodservice startete im Februar 2017 mit einer zweitägigen Auftaktveranstaltung in Berlin. Wesentlicher Bestandteil ist die Arbeit in Tandems: Über 15 Monate hinweg treffen sich Mentorinnen und Mentees zu Coaching-Gesprächen und sogenannten Shadowing-Tagen im Unternehmen der Mentorin.

Um den Teamgeist und das Know-how im Projekt-Management zu vertiefen, hatten die Mentees zusätzlich eine Projektarbeit zu bearbeiten. Begleitet werden sie von Projektcoach Kristin Putzke, Geschäftsführerin Jim Block. Die Ergebnisse präsentierten die Mentees jüngst im Rahmen des Frauenforums-Foodservice 2018 (www.frauennetzwerk-foodservice.de).

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