Kreuzfahrt und Recruiting: Wie Reedereien Per...
Kreuzfahrt und Recruiting

Wie Reedereien Personal für Jobs an Bord finden

Hapag-Lloyd Cruises
Starke Teams: Zusammenarbeit und Zusammenhalt sind wichtige berufliche Aspekte auf See.
Starke Teams: Zusammenarbeit und Zusammenhalt sind wichtige berufliche Aspekte auf See.

Die Kreuzfahrt-Reedereien haben spannende Jobs an Bord zu vergeben. Doch über welche innovativen Inhalte und Kanäle lässt sich Arbeiten auf dem Schiff kommunizieren? Kreuzfahrt-Anbieter verraten ihre HR-Strategien – und Crew-Mitglieder sagen, wie ihr Job ihre Persönlichkeit bereichert und die Karriere voranbringt.

Das historische Petra im Kerzenschein erleben oder Huskys in Spitzbergen streicheln. Heute noch in Jordanien arbeiten, bald darauf im hohen Norden. Maximilian Klaede muss nicht mehr davon überzeugt werden, dass Arbeiten auf dem Schiff genau sein Ding ist. Nach der Ausbildung zum Tourismuskaufmann ging es direkt an Bord. "Vier Jahre und unzählige Länder später" ist es immer noch genau das, was er sich wünscht. "Das Bordleben ist etwas Besonderes, denn hier hat man nicht nur Arbeitskolleginnen und -kollegen um sich, sondern Menschen, mit denen man am Abend zusammensitzt, in der Freizeit den Hafen erkundet und alle möglichen Situationen bewältigt", sagt Klaede, der seit 2018 für den auf Hotels, Gastronomie und Schiffscrews spezialisierten Personaldienstleister Sea Chefs tätig ist, derzeit als Assistent Shore Excursion Manager auf der Mein Schiff 4 von TUI Cruises.

Sein Arbeitgeber habe viel richtig gemacht, sagt Klaede: "Als ich mich beworben habe, wurde ich nicht zuerst gefragt, was ich gelernt oder studiert habe. Viel mehr hat man nach einem Charakter gesucht, der in das Team und das Leben auf dem Schiff passt." An Bord habe man gute Aufstiegschancen, wenn man gut arbeite und länger bei der Flotte bleibe.

Die Kreuzfahrtbranche bietet derzeit mehr offene Stellen an als je zuvor, die Job- und Entwicklungsmöglichkeiten sind breit gefächert. Nicht nur Menschen mit klassischen Ausbildungsberufen haben gute Chancen, sondern auch Sporttherapeuten werden zu Exkursionsleitern, oder Studierende gehen in den Semesterferien als Video-Operator aufs Schiff. HR-Profis der Arbeitgeber arbeiten intensiv an individuellen Lösungen für jedermann.

Beim Recruiting nicht nachlassen


Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren viele Branchen erschüttert und nachhaltig verändert, besonders auch den Tourismus. Derzeit setzen die rasant steigenden Energiepreise und die globale Teuerung von Produkten und Lieferketten sowie der anhaltende Ukraine-Krieg Firmen zusätzlich unter Druck. Im Gespräch mit Expertinnen und Experten und Verantwortlichen wird jedoch auch klar: Employer-Branding- und Recruiting-Maßnahmen zurückzufahren wäre die falsche Strategie. Gute Arbeitsbedingungen und attraktive Weiterentwicklungsmöglichkeiten wollen sie jedem im Team und auch neuen Mitarbeitenden anbieten können, um den massiven Personalmangel aufzufangen.


Im besten Fall hat ein Unternehmen einen USP, den es klar kommunizieren kann: "Einzigartig an Bord von Kreuzfahrtschiffen bietet Sea Chefs in Kooperation mit dem Wirtschaftsförderungsinstitut Tirol zwei Ausbildungsprogramme für Berufseinsteiger und Personen im zweiten Bildungsweg an", sagt Vesselina Bobovska-Zeisler, Director HR/Training & Development. Sea Chefs beschäftigt mehr als 13.000 Crew-Mitglieder insgesamt und nochmals 200 Menschen an Standorten in der Schweiz, auf Zypern, Malta sowie in Hamburg und Berlin.

Emotionen und Community-Gefühl werden in der Ansprache von Bewerberinnen und Bewerbern immer wichtiger. Aida Cruises hat kürzlich eine Bestandsaufnahme durchgeführt, die ergab: Bewährte klassische Kanäle bleiben, aber vor allem digitale müssen zulegen, um die Botschaften entsprechend zu transportieren. Jobinteressierte sollen verstärkt über Social Media angesprochen werden. Authentizität spielt dabei eine wichtige Rolle.

Crew-Mitglieder berichten über ihre Jobs

So wurde auf Instagram das Live-Format "Aida Job Date" gestartet. Romy Hübner, Senior Manager Training & Development, beschreibt das so: "Unsere Recruiterin Janine Drynda tauscht sich mit Aida-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern entspannt über das Leben und Arbeiten an Bord aus, um das Interesse für einen Job zu wecken. Parallel können Jobinteressierte ihre Fragen zu Jobs bei Aida, den Bewerbungsprozess und mögliche Karrierewege stellen. Gleichzeitig zeigen wir den ausgewählten Crewmitgliedern unsere Wertschätzung. Neben fachlichen Einblicken zu den verschiedenen Karrieremöglichkeiten geht es vor allem darum, den Bewerbern einen ganz anderen wichtigen Aspekt erlebbar zu machen: die Emotionalität und den Esprit der Aida-Family.

In den Kanälen von Sea Chefs werden freie Jobs von Mitarbeitenden vorgestellt – der Dienstleister nutzt dafür Instagram, Youtube, Linkedin und Xing. Auch persönliche Einblicke über das Leben an Bord werden dort weitergegeben.

Aida-Angestelllte teilen auch ihr Bordleben in Auszügen – sogenannte Scouts. Sarah Bernauer macht das sogar schon seit drei Jahren über ihre eigenen Kanäle. Sie erzählt: "Ich berichte über das Leben als Crew-Mitglied und meine Arbeit. Einerseits möchte ich dadurch meine Familie und Freunde darüber informieren, was ich hier so Spannendes erlebe. Andererseits möchte ich damit auch neuen Crew-Mitgliedern die Chance geben, einen Einblick in den Arbeitsplatz Schiff zu erhalten und eine Vorstellung vom Bordleben zu bekommen. Dafür mache ich eine Art Videotagebuch auf Youtube. Ich liebe meinen Job, ich bin super gern bei Social Media aktiv, und deshalb macht es mir auch so viel Spaß, andere Personen an meiner Aida-Jobreise teilhaben zu lassen."

Direkte Ansprache bleibt wichtig

Trotz aller Digitalmaßnahmen: Wichtig bleibt für Aida, die derzeit zwölf Schiffe betreiben und 15.000 Angestellte aus über 50 Ländern beschäftigen, die direkte Ansprache an potenzielle Mitarbeitende über "Online-Jobmessen, Webinare sowie der digitale Recruitment-Prozess an sich", so HR-Managerin Hübner.

Grundsätzlich gilt es – nicht nur auf Social Media –, als Unternehmen Aufmerksamkeit zu erregen. Am besten dort, wo Menschen sich Zeit dafür nehmen können, weil sie Zeit überbrücken müssen – etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln. So hat Aida in diesem Sommer in den vier Großstädten Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart an Stationen reichweitenstarke Videos gezeigt und zusätzlich Seitenscheibenplakate im ÖPNV platziert, um Interessierte zu Pendlerzeiten mit Slogans wie "Du musst kein Influencer sein, um fürs Reisen bezahlt zu werden" auf Jobmöglichkeiten aufmerksam zu machen. "Mit frechen Headlines wollen wir die Lust auf einen Job mit Meerblick wecken", sagt Hübner.

Auffallen – das wollte auch MSC Cruises bei den Hamburg Cruise Days im August. Erstmals war die Reederei dort mit einem Job-Info-Container vertreten. Zwei Mitarbeiterinnen aus dem Bereich Human Resources standen für Fragen bereit. "Das Interesse am Stand war sehr hoch", sagt Christian Hein, Deutschland-Chef von MSC.

Arbeiten bei "Familie MSC"

Beim Thema Recruiting legt MSC besonderen Wert darauf, die Werte eines Familienunternehmens zu betonen. "Wir betrachten unsere Mitarbeitenden als Mitglieder dieser Familie", betont Hein. "Der Zusammenhalt wird auf diversen Plattformen, in Stellenanzeigen oder über Plakatkampagnen kommuniziert." Ein weiterer Kern der Außenkommunikation rund um Jobs ist das Thema Diversität: "Unsere Belegschaft setzt sich aus mehr als 70 Nationalitäten und mehreren Generationen zusammen. Wir pflegen ein aufgeschlossenes und kulturell vielfältiges Umfeld für unsere Mitarbeiter und glauben fest an Chancengleichheit", heißt es in den Kanälen des Anbieters mit Hauptsitz in Genf, der derzeit mit 19 Schiffen und mehr als 10.000 Mitarbeitenden unterwegs ist.
Bei den Cruise Days in Hamburg dieses Jahr war MSC Cruises erstmals mit einem Job-Info-Container vertreten.
MSC Cruises
Bei den Cruise Days in Hamburg dieses Jahr war MSC Cruises erstmals mit einem Job-Info-Container vertreten.

Eine starke Arbeitgebermarke gilt als Voraussetzung, um eine Unternehmenskultur stimmig, glaubhaft und nachhaltig zu formen. "Jeder Mitarbeiter agiert indirekt oder aktiv als Unternehmensbotschafter", lautet der Anspruch von Aida. Dafür wurden "Values" definiert. "Dazu gehören unter anderem gegenseitiges Vertrauen und Respekt, leidenschaftliches Engagement und Anerkennung der Vielfalt aller." 2021 sind noch die "Culture Essentials" dazugekommen. Dabei handelt es sich um Verhaltensweisen, die als Leitplanken und zur Orientierung im täglichen Miteinander gelten. "Unsere Führungskräfte leben die Verhaltensnormen vor und schaffen eine Arbeitsatmosphäre, die es allen ermöglicht, sie auch umzusetzen", erläutert so HR-Managerin Hübner.

Was steckt dahinter? Zusammenhalt! Auch Offenheit für Neues. Es finden nun verbindlich regelmäßige – auch digitale– Team-Events und ein intensiverer Austausch untereinander statt. Auch wurden passgenauere Schulungsangebote für Managerinnen und Manager und Führungskräfte aufgesetzt. Gleichzeitig wurden die Möglichkeiten für Mitarbeitende stärker individualisiert: flexiblere Einsatzlängen an Bord, auch ein spezielleres Angebot an Speisen für die Crew oder auf den Einzelnen zugeschnittene Ausflugsmöglichkeiten. Für Angestellte an Land wird nun auch hybrides Arbeiten ermöglicht, zudem wird selbstständiger die Initiative ergriffen, wenn es um neue Arbeitsgruppen geht. Für den gegenseitigen Austausch innerhalb des Unternehmens gibt es bei Aida Formate wie Lunch & Learn, Lunchdates oder After Work Events. Hübner: "Von diesem positiven Drive und der stärkeren Vernetzung profitieren alle.

Ob zu Wasser oder an Land – Unternehmen haben mittlerweile lange Listen an Benefits, die sie ihren Mitarbeitenden anbieten. Die Angebote reichen von betrieblicher Altersvorsorge und vergünstigten Reisen über Gesundheitsaktionen und die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie bis zu Sportkursen und Möglichkeiten, sich nachhaltig zu engagieren.

Bei Flussreiseanbieter Arosa (840 Angestellte, 13 Schiffe) kommt es besonders gut an, dass man sich "an Bord in der Saison für Führungs- und Leitungsaufgaben qualifizieren kann". "Unsere Maßnahmen sind sehr zielgerichtet und ermöglichen somit einen schnellen Aufstieg in eine Leitungsposition und individuelle Weiterentwicklung im Job", erläutert Tobias Lenz, Head of Human Resources bei Arosa Flussschiff. Zudem will man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig binden: Nach längeren Einsätzen an Bord bekommen sie die Chance "im Operations-Headquarter strategische Aufgaben wahrzunehmen und das Produkt aktiv voranzubringen. Viele Kolleginnen und Kollegen halten uns über etliche Jahre die Treue."

Zodiac-Führerschein als Motivation

Der Ansatz "Training on the job" wird auch bei Aida Cruises gelebt – ganz bewusst auch für fachliche Qualifikationen oder Berufseinsteiger. Sie können sich während der Saison von Junior-Positionen zu Managern hocharbeiten – beispielsweise an der Bar. Die Sea-Chefs-Mitarbeiterin Denise Levenig wiederum, die früher im Reisebüro angestellt war und derzeit als Cruise-Sales-Managerin bei der Luxusreederei Hapag-Lloyd Cruises arbeitet, genießt es bei jeder Gelegenheit "einen Zodiac-Führerschein" gemacht zu haben und "Gäste durch das Eis oder an den Strand zu fahren". Das sei erfüllender als mancher Schritt auf der Karriereleiter.

Wie sind die Perspektiven? Kreuzfahrtanbieter spüren trotz der großen Reiselust nach Corona die Folgen der globalen wirtschaftlichen Belastungen – Kreuzfahrtgäste buchen weiterhin ungewöhnlich kurzfristig, vor allem, wenn es um Massenziele im Mittelmeer geht oder die Kanarischen Inseln. Und die Reedereien können auch nicht anders, als die gestiegenen Kosten an den Kunden weiterzugeben. Vor allem die Flugpreise wirken sich zusätzlich negativ aus. Trotzdem ist die Nachfrage in Summe groß, und Kreuzfahrt-Anbieter schreiben weiterhin vielfältige Jobmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen aus.



Dieser Text erschien zuerst auf www.fvw.de.

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