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Alexandra Löchte: Finalistin beim Deutschen Hotelnachwuchs-Preis

Markus Dietze
Alexandra Löchte: Sie hat nicht nur die Mitarbeiter im Blick, sondern auch ein Händchen für gutes Personalmarketing
Alexandra Löchte: Sie hat nicht nur die Mitarbeiter im Blick, sondern auch ein Händchen für gutes Personalmarketing

Die 32-Jährige hat die HR-Leitung im Hotel Ritter Durbach inne und steht bald auf großer Bühne: Beim DHNP, den die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland und die ahgz gemeinsam vergeben.

Kaum zwei Jahre im Hotel Ritter Durbach hat Alexandra Löchte mit ihrer HR-Abteilung schon zwei Preise ins 4-Sterne-superior-Haus geholt: Den mittelständischen Ortenauer Marketingpreis 2021 für die Personalmarketingkampagne HR 2.0 und beim Hospitality HR Award 2021 der Deutschen Hotelakademie den zweiten Platz in der Kategorie HR-Strategie Individualhotellerie. „Solche Preise sind wichtig für die Außendarstellung“, weiß die 32-jährige HR-Chefin. „Sie zeigen Bewerbern nicht nur, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind, sie können auch das Zünglein an der Waage beim Zuschlag für einen Arbeitgeber sein.“

„Mit meinem Job versuche ich Mitarbeiter-Potenziale zu erkennen und Talente zu fördern“
Alexandra Löchte

Im Personalmanagement hat Löchte, gebürtig aus Telgte im Münsterland, ihre berufliche Passion gefunden. „Mich motivieren Mitarbeiter und ein herzliches Miteinander“, sagt sie. „Mit meinem Job versuche ich Mitarbeiter-Potenziale zu erkennen und Talente zu fördern. Wenn ich einem Mitarbeiter eine Aufgabe gebe, die er sich selbst nicht zugetraut hätte, und bei der er dann aufblüht, bestätigt das mein Tun.“

Faible für Personalmanagement und Arbeitsrecht

Den Einstieg in die Hotellerie verdankt sie ihrer Schwester. Als die eine Ausbildung zur Hotelfachfrau machte und begeistert von der Vielseitigkeit des Berufs erzählte, überzeugte das auch sie. Es folgte 2009 die Ausbildung im Kurhotel Drei Birken in Bad Rothenfelde, 2011 der Wechsel ins Treff Hotel Münster. Im Service übernahm sie erste, kleinere Führungsaufgaben, indem sie neue Mitarbeiter und Azubis einarbeitete. Das gefiel ihr so gut, dass sie „darauf aufbauen und sich weiterentwickeln wollte“.

2013 begann Löchte ein Vollzeitstudium zur Staatlich geprüften Betriebswirtin, Fachrichtung Hotel- und Gaststättengewerbe, an der Wihoga Dortmund. Dabei entdeckte sie ihr Faible für Personalmanagement und Arbeitsrecht. Gleichwohl wusste sie im Anschluss nicht gleich, wie es weitergehen sollte. Sie verordnete sich eine Auszeit, um Klarheit zu gewinnen.

Engagement für Geflüchtete

Das war im Herbst 2015, zur Zeit der europaweiten Flüchtlingskrise. Löchte heuerte beim Deutschen Roten Kreuz in Warendorf an, wo sie ein Jahr lang Geflüchtete betreute, dabei Behördengänge und Arzttermine koordinierte, Übersetzungshilfe leistete und die Essens- und Kleiderausgabe unterstützte. „Die Zeit hat mich sehr geprägt“, sagt sie rückblickend. „Meine Erfahrungen mit den Geflüchteten haben mich sensibler gemacht im Umgang mit verschiedenen Menschen und Kulturen.“ Das komme ihr noch heute zugute.
Deutscher Hotelnachwuchs-Preis (DHNP)
Der Deutsche Hotelnachwuchs-Preis (DHNP) hat sich als eine der wichtigsten Auszeichnungen für junge Hotellerie-Führungskräfte aus der zweiten oder dritten Führungsebene etabliert. Verliehen wird er von ahgz und Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV).

Logo DHNP 2022
ahgz

Dem Sieger oder der Siegerin winkt ein Sommerkurs an der Cornell University in den USA samt Flug und Übernachtung. Obendrein gibt es von der IST-Hochschule für Management eine berufsbegleitende Weiterbildung „Bachelor Hotel Management“ (alternativ auch als Master). Außerdem erwartet den Erstplatzierten eine einjährige beitragsfreie HDV-Mitgliedschaft, bei der er sein berufliches Netzwerk weiter ausbauen kann.

Auch die Zweit- und Drittplatzierten gehen nicht leer aus: Für sie gibt es ein individuelles Management-Training an der Hotelschool The Hague in Amsterdam samt Übernachtung. Darüber hinaus erhalten alle Finalisten eine Einladung zur Gala „Hotelier des Jahres“ und zum Deutschen Hotelkongress.

Der DHNP 2022 wird unterstützt von den Unternehmen Ecolab, Hantermann, J.J. Darboven, Meiko und Progros.


Zeitgleich befand sich in Hamburg der Bau der Elbphilharmonie auf der Zielgeraden, ein Projekt, das Löchte schon länger mitverfolgte. Als dort Mitarbeiter gesucht wurden, war ihr nächster Schritt klar. Sie bewarb sich beim Restaurant Störtebeker Elbphilharmonie, wurde 2016 eingestellt und blieb knapp drei Jahre. Anfangs als Chef de Rang im Restaurant Beer & Dine tätig, später als Serviceleiterin im Verkostungsbereich Taste & Shop. „Meine erste richtige Führungsposition“, so Löchte. „Ich war verantwortlich für die Dienstplanung, schwierige Mitarbeitergespräche und den Abteilungsumsatz.“

Durchstarten im Schwarzwald

Bei Störtebeker lernte Alexandra Löchte zudem ihren Partner kennen. Mit ihm beschloss sie im Schwarzwald neu Fuß zu fassen. Auf Jobsuche fiel ihr Profil Dominic Müller auf, Gastgeber und Eigentümer des Hotel Ritter Durbach. In dem familiengeführten Boutique-Hotel fand Löchte 2019 den Einstieg als Human Resources Assistant – „ein erster Step, um im Personalmanagement voranzukommen“. Voran kam sie schneller als gedacht. Kaum knapp sieben Monate dabei, ging ihre damalige HR-Chefin in Mutterschutz. Für die 32-Jährige die Chance aufzurücken. „Da ich das Unternehmen nun schon eine Weile kannte und um die Aufgaben wusste, habe ich mir das klar zugetraut.“ 

Löchte übernahm die Abteilung als Junior-HR-Manager innerhalb kürzester Zeit und entwickelte neue mit der Geschäftsleitung abgestimmte Ziele für die rund 180 Mitarbeiter. So brachte sie mit Unterstützung eines externen Personalberaters das Personalmarketingprojekt HR 2.0 voran, das die Personalarbeit des Hotels strategisch und operativ neu ausrichtete. Das beinhaltete etwa Performance-Management, Digitalisierung, neue Mitarbeiter-Benefits und mehr Work-Life-Balance. Seither ist die Fluktuationsquote im Unternehmen um 45 Prozent gesunken, die Weiterempfehlungsquote durch die Mitarbeiter liegt bei 89,11 Prozent. Im Corona-Jahr 2021 konnten zudem alle 13 Ausbildungsplätze besetzt und weitere 16 Mitarbeiter in Vollzeit eingestellt werden.

Transparenz und Vertrauen

Auch die Einführung des „Ritterrates“, einer Arbeitnehmervertretung, trägt Löchtes Handschrift. Der Rat soll der Stimme der Mitarbeiter mehr Gewicht geben und für mehr Zufriedenheit sorgen. Die nächsten HR-Ziele hat sie schon abgesteckt: Die Weiterentwicklung der Führungskräfte zu „Supportive Leaders“, ebenso wie die Entwicklung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Löchtes Führungsstil zeichnet sich durch eine große Nähe zu den Mitarbeitern aus, sagt ihr Chef und Mentor Dominic Müller, der sie im Februar 2021 zur Leiterin Human Resources befördert hat. Ihr selbst ist ein vertrauensvoller Umgang wichtig: „Transparent kommunizieren und Entscheidungen begründen, damit sie die Mitarbeiter nachvollziehen können“, sagt sie. „Bei Konflikten bringe ich die Parteien an einen Tisch, damit wir auf Augenhöhe miteinander und nicht übereinander reden.“

Während ihrer Zeit im Hotel Ritter Durbach sei sie als Führungskraft gewachsen, sagt Löchte: „An den Herausforderungen, die der Führungsalltag mit sich bringt, und an denen, die von der Pandemie gestellt wurden.“ Aber auch am Input ihrer Chefs: „Familie Müller hat immer neue Ideen, das Unternehmen voranzubringen, es gibt keinen Stillstand – und das macht richtig Spaß.“

Und die private Alexandra Löchte? Die liebt Hunde und engagiert sich im Tierschutzverein. Außerdem geht sie gern essen und testet neue Hotels. „Hotellerie und Gastronomie sind auch privat meine Welt.“

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